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Jette Waldinger-Thiering

SSW 28.03.2025 Sitzungen 20/86

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir haben oft genug über die alarmierenden Ergebnisse verschiedener Bildungsstudien und Aussagen von Bildungsexperten gesprochen. Am Ende kommen wir immer zu dem gleichen Ergebnis: Nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern bundesweit ist unser Bildungssystem aufgrund unterschiedlicher Herausforderungen am Limit. Im internationalen Vergleich nehmen die Leistungen der Schüler und Schülerinnen in Deutschland immer weiter ab. Die Chancengleichheit ist bei uns im Vergleich zu anderen Ländern besonders niedrig. Immer weniger junge Menschen möchten den Beruf der Lehrkraft ergreifen. Und die Mammutaufgabe des Ganztags steht uns noch bevor. Aber statt alle verfügbaren Ressourcen zu nutzen, um dem negativen Trend entgegenzuwirken, wird ausgerechnet bei der Bildung gespart mit dem Ar- (Jette Waldinger-Thiering) gument, dass auch der Bereich Bildung zur Konsolidierung beitragen muss. Ich will nicht abstreiten, dass es seitens der Regierung Maßnahmen gab, um den Bildungsbereich zu stärken und dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken. Ein wichtiger Punkt ist hierbei die Ausweitung der PerspektivSchulen. Aber was bringt die Erhöhung von zwei Stunden in der Kontingentstundentafel an Grundschulen, wenn das Dreifache der Stunden in der Kontingentstundentafel ab der 5. Klasse wieder reduziert wird? Obendrauf wird dann noch ein neues Fach eingeführt und somit noch mehr Druck im Lehrplan erzeugt. Es werden Lehrkräftestellen gestrichen, die Unterrichtsversorgung reduziert und die DaZ-Klassen vergrößert. Dann wird aktuell auch noch in den Kontingentstundentafeln gekürzt. Das geht so nicht. (Beifall SSW, SPD und FDP) Es darf nicht noch mehr an der Bildungsqualität unserer Kinder gespart werden. Sie brauchen ein funktionierendes und stabiles Bildungssystem, damit sie gut gerüstet mit all ihren Fähigkeiten und Kompetenzen ins Erwachsenenleben starten können. Mit Blick nach Berlin sollte man die Chance nutzen und das Geld, das jetzt zur Verfügung stehen wird, auch in Bildung investieren – am besten, indem die im Antrag genannten Schritte umgesetzt werden und die Kürzung und Reduzierung zurückgenommen werden. Auf Bundesebene hat man nun erkannt, dass man mit rigorosen Sparmaßnahmen nicht weiterkommt, und deshalb werden uns jetzt als Land Mittel zur Verfügung gestellt. Sorgen Sie also für eine stabile Unterrichtsversorgung mit ausreichend Stunden in den Kontingentstundentafeln. Es wird in den Anhörungen im Bildungsausschuss immer wieder deutlich, welche zusätzlichen Anforderungen auf das Bildungssystem zukommen. Verbraucherbildung, Finanzbildung, Medienbildung, Politik- und Demokratiebildung – all das sind Themen, mit denen sich Schulen befassen müssen, um eine bestmögliche und lebenspraktische Ausbildung unserer Kinder zu gewährleisten. Da ist die Einführung des Faches Informatik nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und bei Kürzungen der Kontingentstundentafeln eher kontraproduktiv. Wir haben so viele tüchtige und engagierte Lehrkräfte und Schulleitungen in unserem Land. Die versuchen, das Beste aus den zur Verfügung stehenden Ressourcen hinzubekommen. Sie zaubern Stundenpläne für die Lehrkräfte und Unterrichtspläne für die Schüler und Schülerinnen. Das muss wertgeschätzt und mit allen Kräften unterstützt werden. Hier gilt: Viel hilft viel. Mehr Lehrkräfte, mehr Unterricht, mehr Multiprofessionalität an Schulen und, ja: mehr Geld. Wenn jetzt wieder der Vorwurf kommt – er ist ja schon gekommen –, tolle Ideen, das würden wir auch gerne alles haben, aber es gibt keinen Vorschlag der Finanzierung, hier mein Vorschlag: Überlegen Sie sich gut, was Sie mit den zu erwartenden Bundesmittel finanzieren wollen und wo diese Mittel am besten nachhaltig und zugunsten des Landes eingesetzt werden sollen. Um das Thema Bildung werden Sie dabei nicht herumkommen. (Beifall SSW und vereinzelt SPD)

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