Anne Riecke
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es scheint so, als bewegten wir uns gerade in einer Endlosschleife, in einem unentwegten Kampf für die Bildungslandschaft in Schleswig-Holstein, der aber irgendwie leider kein Gehör bei der Landesregierung findet. Oder sind es Ignoranz, taube Ohren? – Wir wissen es nicht, es ist egal. Was mit unseren Schülerinnen und Schülern und auch mit unseren Lehrerinnen und Lehrern passiert, das ist die Frage. Die Sicherung der Unterrichtsqualität ist ein zentrales Anliegen, das nicht nur die Zukunft unserer Schülerinnen und Schüler, sondern die gesamte Gesellschaft hier in Schleswig-Holstein betrifft. Wir fordern daher die Landesregierung mit Nachdruck auf, die Kürzungen in der Kontingentstundentafel für Gemeinschaftsschulen und Gymnasien zurückzunehmen (Beifall FDP, SSW und vereinzelt SPD) und gleichzeitig die Bedarfe der Lehrerstellen endlich an die steigenden Schülerzahlen anzupassen. (Beifall FDP und Dr. Michael Schunck [SSW]) Die Maßnahmen sind entscheidend, um eine qualitativ hochwertige Bildung zu gewährleisten. Die aktuellen Herausforderungen im Bildungssystem sind vielfältig. Mit dem Anstieg der Schülerzahlen und den damit verbundenen Anforderungen an die Lehrkräfte steht das Bildungssystem in SchleswigHolstein unter Druck. Viele Schulen beziehungsweise Lehrerinnen und Lehrer sehen sich bereits heute gezwungen, Unterrichtsinhalte zu komprimieren und Abstriche bei der Vermittlung wichtiger Themen zu machen, und das trotz der Fachanforderungen. Da bringt es nichts, dass zusätzliche Kürzungen zu neuen Maßnahmenpaketen für basale Kompetenzen und Informatik aus der Schublade gezogen werden. Diese verpuffen und sind letztlich einfach nur ein Hohn, meine sehr verehrten Damen und Herren. Die Kürzungen von sechs beziehungsweise vier Wochenstunden sind nicht nur ein Zeichen von unzureichenden finanziellen Mitteln für unsere Schulen, sondern auch ein fatales Signal an Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und die Elternschaft. (Beifall FDP, SSW, Martin Habersaat [SPD] und Birgit Herdejürgen [SPD]) Wenn es uns nicht gelingt, die Unterrichtsversorgung auf einem Mindestmaß von 101 Prozent zu halten und perspektivisch mindestens auf 102 Prozent zu erhöhen, wird dies unweigerlich zu einem Anstieg von weiteren Unterrichtsausfällen führen. Mehr Lehrerinnen und Lehrer werden an ihrer Belastungsgrenze arbeiten, und wir können es einfach sagen: Es wird zu einer Überlastung führen, die sich bereits jetzt abzeichnet. Nicht nur die Quantität des Unterrichts ist ein wichtiger Faktor, sondern vor allem die Qualität unserer Lehrkräfte. Gut ausgebildete und motivierte Lehrerinnen und Lehrer sind der Schlüssel zu einem erfolgreichen Bildungsprozess. Wenn Schulen nicht über ausreichend Ressourcen verfügen, leidet die Unterrichtsqualität. Die Rücknahme der Kürzung ist also nicht nur eine finanzielle Entscheidung, sondern eine bildungspolitische Notwendigkeit, meine Damen und Herren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vermittlung von Gesellschaftswissenschaften und politischem Unterricht. Auch der steht auf der Kippe. In Zeiten von zunehmender Polarisierung und gesellschaftlichem Wandel ist es von größter Bedeutung, (Anne Riecke) (Beifall FDP) dass Schüler die notwendigen Kompetenzen erwerben, um in einer demokratischen Gesellschaft aktiv und verantwortungsbewusst teilzunehmen. (Beifall Dr. Bernd Buchholz [FDP]) Kürzungen in diesen Fächern würden nicht nur das Wissen der Schülerinnen und Schüler einschränken, sondern auch ihre Fähigkeit, kritisch zu denken und gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. (Beifall FDP und SSW) Bildung ist der Schlüssel zur Integration, zur Förderung von Toleranz und zur Schaffung eines stabilen sozialen Gefüges. Sie sind unser Morgen und Fundament unserer Gesellschaft. Darüber hinaus sind die Bildungsergebnisse in Schleswig-Holstein ja auch alarmierend: Studien zeigen, dass viele Schülerinnen und Schüler grundlegend schlecht abschneiden. Vor allem in den Bereichen Lesekompetenz, mathematisches Grundwissen sowie kritisches Denken weisen sie massive Defizite auf – wir haben es heute wieder in der Presse gelesen –, auch im Bereich der Grundschule, da fängt die ganze Misere schon an. Dies ist eine besorgniserregende Entwicklung, die umso dringlicher nach Maßnahmen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität ruft. Sie schreit danach. Die Rücknahme der Kürzung in der Kontingentstundentafel wäre ein richtiger und ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass Schulen die nötige Unterstützung erhalten, um ihre Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu fördern. Aber nein, da wird dann noch über Leistungsnachweise in anderen Fächern wie Religion und Musik gesprochen. Die Sicherung der Unterrichtsqualität in Schleswig-Holstein ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die müssen wir wahrnehmen. Die Landesregierung muss die notwendigen Schritte einleiten, die Kürzung in der Kontingentstundentafel zurücknehmen und die Lehrerstellen bedarfsgerecht erhöhen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die Schülerinnen und Schüler die Bildung erhalten, die sie verdienen, eine Bildung, die sie auf die Herausforderungen des Lebens vorbereitet und ihnen die Möglichkeit gibt, als aktive, verantwortungsbewusste Bürger in unserer Gesellschaft zu agieren. – Vielen Dank. (Beifall FDP, SSW und vereinzelt SPD)
