Serpil Midyatli
Genau!) Nun gibt es ein paar Argumente in der Debatte, die ich nicht so leicht akzeptieren kann. Das eine ist: Menschen arbeiten unterschiedlich viel, weil sie ihren Job unterschiedlich ernst nehmen. (Serpil Midyatli [SPD]: Das ist überall so! Wo nicht?) Mal ehrlich: In diesem Haus sitzen 69 Abgeordnete, und ich bin mir nahezu sicher, dass es unter diesen 69 Abgeordneten unterschiedliche Auffassungen gibt, wie viel Zeit am Tag man in das Mandat investiert (Unruhe CDU – Tobias Koch [CDU]: Brauchen eine Zeiterfassung! – Zuruf Serpil Midyatli [SPD]) und wie viele Tätigkeiten hauptberuflicher Art man nebenbei noch bewältigen kann und so weiter. (Martin Balasus [CDU]: Und die Fächer?) Zum zweiten Punkt: Das ist gar nicht so einfach zu erfassen. – Natürlich ist es das nicht. Deswegen sagt auch keiner, dass man sofort fertig sein muss. Deswegen ist es auch so, dass Sachsen eine aufwendige Studie gestartet hat, und das Land Bremen will das auch nicht mal eben mit Bleistifteinträgen in einer ausgedruckten Tabelle lösen. So wird es auch nicht zu lösen sein. (Dr. Bernd Buchholz [FDP]: Das kennen alle, das Problem!) Trotzdem lohnt es sich, da hinzugucken. Nun bin auch ich eine ausgebildete Lehrkraft, die an der Schule tätig war. Und ja, am Ende werden wir Diskussion führen müssen, ob es bestimmte Kernfächer gibt, in denen die Belastung eine andere als in anderen Fächern ist. Sie sehen das im Prinzip auch. Sie sagen ja, künftig sollen auch in Sport und Musik Klausuren geschrieben werden, damit es ein bisschen gerechter verteilt wird. Ich weiß nicht, ob das die Lösung ist. Ich weiß nicht, ob Sie alle sich Sportunterricht so vorstellen können: Da werden jetzt in jeder Sportstunde fünf Minuten lang irgendwie Kreise gebildet und Inhalte vermittelt, damit man hinterher eine Klausur schreiben kann. Es ändert jedenfalls den Unterricht massiv. (Beifall Dr. Heiner Garg [FDP] und Jette Waldinger-Thiering [SSW]) Ich will noch nicht sagen, dass das ganz schlecht oder ganz gut ist. Ich sage nur: Das ist sicherlich noch nicht der letzte Erkenntnisschritt auf der Stufe zu einer gerechteren Arbeitszeitverteilung bei unseren Lehrkräften. Zum letzten Punkt. Wenn Sie sagen: „Das alles entscheidet sich ja später“, dann lassen Sie es doch sein, jetzt – in Zeiten steigender Belastung – schon Stellen zu streichen und jetzt schon Lehrkräfte nicht mehr einzustellen. Das ist doch erkennbar ein Irrweg. – Vielen Dank. (Beifall SPD, SSW, Dr. Heiner Garg [FDP] und Annabell Krämer [FDP])
