Dr. Bernd Buchholz
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn hier jetzt meine Schwarzfahrerkarriere schon zum Gegenstand der Beratungen gemacht wird, dann bitte ich, mein Ärgernis darüber, wie der Kollege Dürbrook es ausgeführt hat, dahin gehend besonders zur Kenntnis zu nehmen, als dass ich für das Ticket mehr Geld bezahlt habe, als ich eigentlich hätte bezahlen müssen. (Heiterkeit und Unruhe) Sie kaufen für 30 Euro ein Ticket und stellen hinterher fest, dass sie nicht mit dem Bus fahren dürfen, während die anderen, die 19,80 Euro bezahlen, es dürfen. In der Tat haben wir nachher alle in diesem Bus gesessen und gedacht: Leute, wir sollten es hinbekommen, die Tarifstrukturen in Schleswig-Holstein viel einfacher zu machen, sodass es einen Anreiz gibt, den ÖPNV zu nutzen. Wenn ich an einem Automaten ein Schleswig-Holstein-Ticket kaufe, dann denke ich, dass ich damit in SchleswigHolstein unterwegs sein darf. Also, in diesem Tarifdschungel gibt es viel zu tun. Ich bin den Kolleginnen und Kollegen vom SSW insoweit dankbar, als dass es unser aller gemeinsames Anliegen ist, gerade im grenzpendelnden Verkehr, im grenzüberschreitenden Verkehr, Angebote zu machen, die möglichst attraktiv sind, sodass möglichst viele auf den ÖPNV umsteigen, wenn sie pendelnderweise über Grenzen unterwegs sind. Dieses Anliegen ist durchaus zu unterstützen. Herr Kollege Dürbrook, dass es ein Nachbarticket gibt, habe ich in der Tat bis dahin nicht gewusst. Allerdings habe ich bei NAH.SH einmal ausgedruckt, wie die Tarifbedingungen für diesen doch schwerwiegenden Tarif von NAH.SH sind. Frau Kollegin Nitsch, nachdem ich 22 Seiten ausgedruckt hatte und wie der Kollege Dürbrook zu der Erkenntnis gekommen bin, dass es innerhalb dieses Nachbartickets zu 23 unterschiedlichen Preisstufen kommt, hatte ich den Eindruck, dass wir bei diesem Ticket anderen Reformbedarf haben, als es auf andere Verbindungen auszudehnen. Deshalb bin ich ganz glücklich darüber, dass wir das in den Ausschuss überweisen. In Wahrheit hat der Kollege Dürbrook eben zu Recht gesagt, dass es kein Ausweis davon ist, wie man einfache Tarifstrukturen schafft. Etwas, das kompliziert ist, auf andere Bereiche zu übertragen, nur damit die anderen auch in den Genuss des komplizierten Tarifs kommen, halte ich nicht für sinnvoll. Aber das Anliegen des SSW ist insoweit komplett berechtigt. Warum zwischen Süderlügum und Ton-Sitzung (neu) – Mittwoch, 26. März 2025 6323 dern etwas gilt, was zwischen Flensburg und Padborg nicht gilt, ist schwer nachzuvollziehen. Jetzt kann man, wie die Kollegin Waldeck sagt, zu Recht sagen, da gibt es halt keinen Nahverkehr. (Rasmus Vöge [CDU]: Da kann man mit dem Bus fahren!) Das ist ein Grund. Vielleicht haben wir dann Anlass, darüber nachzudenken, wie wir den Nahverkehr tatsächlich etablieren. Eines finde ich dabei wichtig: Ich bitte den Minister schon jetzt, bevor wir in die Ausschussberatungen gehen, darum, dass wir uns immer daran orientieren, ob es für diese kleinen Themen einen Bedarf gibt, ob genügend Menschen den grenzpendelnden ÖPNV tatsächlich in Anspruch nehmen wollen. Früher jedenfalls haben wir bei Tarifveränderungen immer gesagt: Lass uns einmal irgendwo ein Modell fahren und jemanden begutachten lassen, wie viele Menschen dafür überhaupt in Betracht kommen. Das will ich zum Schluss sagen: Für eine Minderheit, die dadurch noch kleiner wird, dass nur wenige im grenzpendelnden Einsatz zwischen Dänemark und Deutschland unterwegs sind, jeweils ein eigenes Ticket mit eigenen Tarifstrukturen zu schaffen, macht keinen Sinn. Es mach keinen Sinn, ein ganzes System zu sprengen, wenn es einfach zu wenige sind – auch dann, wenn uns diese Minderheit sehr wertvoll ist. Dann sollte man Ausnahmen von bestehenden Möglichkeiten machen, aber nicht unbedingt ein neues Ticket einführen. Ich freue mich auf die Beratungen und auf die Tatsache, dass der dänisch-deutsche Minister zu diesem dänisch-deutschen Nachbarticket bestimmt seine kreativen Vorstellungen in die Ausschussberatungen einbringen wird. – Ich danke herzlich. (Beifall FDP, SPD und SSW)
