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Christian Dirschauer

SSW 27.02.2025 Sitzungen 20/82

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Hospize leisten eine wichtige, ja unverzichtba- (Christian Dirschauer) re Arbeit. Wegen ihrer zentralen Aufgabe ist es besonders wichtig, dass wir die Mittel und Angebote optimal einsetzen und ausgestalten. Dabei sind die Fragen: Was brauchen die sterbenskranken Kinder, was brauchen die Familien, aber was brauchen auch die Ehrenamtlichen, die sich dort engagieren? Das ist in der Tat abhängig vom Einzelfall. Manche Eltern wünschen sich eine verlässliche Entlastung, um sich auch um ihre anderen Kinder kümmern zu können, andere wollen konkrete Teilhabemöglichkeiten im Alltag durch Beistand und finanzielle Sicherheit. Wieder andere suchen vor allem nach Tipps für eine gute Pflege, weil sie wissen, dass sie sonst die schwere Zeit, die sich – wir haben es gehört – über Jahre erstrecken kann, schlichtweg nicht durchhalten können. Kein Fall gleicht also dem anderen, und das gilt auch für die Bedürfnisse. In einem System, in dem nach Diagnosepunkten und Fallpauschalen abgerechnet wird, erscheint das als eine Unmöglichkeit. Das darf aber nicht sein. Darum ist es gut, dass wir heute darüber reden, wie man eine möglichst weitreichende und bedürfnisorientierte Unterstützung organisieren kann. Denn eines ist klar: Wir dürfen uns nicht bei der Bedarfsanalyse aufhalten, sondern müssen tatsächlich umgehend ins Tun kommen. Das bedeutet: klare Regelungen und ein verlässliches Finanzkonzept. Die Berliner Humboldt-Universität hat bereits 2023 eine Studie zur Bedarfsermittlung vorgestellt, in der über fast drei Jahre hinweg die Bedürfnisse von Familien mit schwerst- und lebensverkürzend erkrankten Kindern und Jugendlichen beleuchtet wurden. Wir haben an dieser Stelle also kein Wissensdefizit; wir haben ein Handlungs- und vermutlich auch ein Vollzugsdefizit. Die Hospize in Flensburg, Niebüll und Gettorf – um nur drei der zwölf Hospize im Land zu nennen – arbeiten bereits bedürfnisgerecht; das aber teilweise hart an der Grenze zur Selbstausbeutung. Entsprechende Pflegekräfte sind nämlich weiterhin rar. Der Hospiz- und Palliativverband Schleswig-Holstein sucht aktuell auf seiner Internetseite 14 Fachleute, darunter Pflegedienstleitungen und Koordinierungskräfte. Beratungs- und Unterstützungsleistungen können sehr oft nicht angeboten werden, weil schlichtweg das Personal fehlt. Die Unterstützung der Ehrenamtlichen leidet dann auch in Teilen. Dieser Bedarf ist bekannt, aber die Fachkräfte fehlen schlichtweg, wir können sie uns nicht einfach backen. Darüber hinaus ist seit Jahren bekannt, dass wohnortnahe Betreuungsangebote fehlen, um betroffenen Familien lange Anfahrtswege zu ersparen. Entlastung und Teilhabe können dadurch nicht funktionieren. Wünschenswert wären dezentrale Angebote bis in die Stadtteile hinein. Das wird aber wohl Zukunftsmusik bleiben, wie auch die flächendeckende Verzahnung der ambulanten Angebote mit der stationären Arbeit. Die Förderung von teilstationären Hospizangeboten ist Teil des Koalitionsvertrags. Wann aber kommen die ersten teilstationären Konzepte für Kinder und Jugendliche? Derzeit müssen viele Eltern, wenn sie nach der niederschmetternden Diagnose irgendwann Entlastung brauchen, erst einmal das passende Hospiz finden, das dann auch noch einen freien Platz hat. Ein zentral gelegenes, stationäres Hospiz für Kinder und Jugendliche in Schleswig-Holstein mit mindestens acht Betten könnte diesen Suchprozess verkürzen, die bisherigen Hospize entlasten und die Planungen ein Stück weit vereinfachen. Was wir haben, ist eine Übergangslösung: Seit rund fünf Jahren werden zur punktuellen und zeitweisen Entlastung für Schleswig-Holstein zwei stationäre Kinderhospizplätze in einem gesondert ausgewiesenen Bereich des stationären Erwachsenenhospizes im Wohld, Gettorf, zur mehrwöchigen entlastenden Versorgung angeboten. Dieses Angebot ist aber nicht für alle Familien geeignet; das kann man sich denken, da die Bedürfnisse ja sehr unterschiedlich sind. Ich habe hier drei Bedarfe genannt: ein zentrales zusätzliches Haus, die Förderung der Fachkräfte und eine verlässliche Finanzierung. Das ist aus meiner Sicht unbedingt nötig, um die qualitativ gute Kinder- und Jugendlichenhospizarbeit im Land fortzuführen. Ich bitte um Ihre Unterstützung, sodass wir gemeinsam in diese Richtung arbeiten. – Herzlichen Dank. (Beifall SSW, vereinzelt SPD und FDP)

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