Dr. Heiner Garg
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Der medizinische Fortschritt, der medizinischtechnische Fortschritt ist manchmal so unglaublich – und dann bekommt man die Diagnose als Familie, als Eltern, dass das Kind, dessen Lachen einen Tag für Tag selbst fröhlich macht, an einer lebensbegrenzenden Krankheit leidet. Von diesem Moment an erlebt die betroffene Familie täglich hochemotionale Herausforderungen, aber auch ganz konkrete Herausforderungen, wenn es darum geht, wie man damit umgeht, was die beste Möglichkeit der Versorgung für eben dieses Kind ist. Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich glaube, wenn hier eines noch einmal deutlich geworden ist, dann das – das gilt gerade bei diesem Thema –, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. (Beifall FDP, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und vereinzelt CDU – Birte Pauls [SPD]: Ja!) Hospizarbeit für Erwachsene – das hat die Kollegin Pauls, wie ich finde, sehr schön herausgearbeitet; tatsächlich ist für die Hospizarbeit im Erwachsenenbereich Schleswig-Holstein vom Deutschen Hospiz- und PalliativVerband sogar ausgezeichnet worden – ist in der Regel etwas ziemlich anderes. In einem Erwachsenenhospiz verbringen erwachsene Menschen, die an einer unheilbaren Krankheit leiden, im Durchschnitt 21 Tage, bevor sie versterben. Kinder mit einer lebensbegrenzenden Erkrankung können an ihrer Erkrankung viele Jahre leiden. Hospize oder Hospizarbeit, um es präziser zu sagen – Frau Kollegin Pauls, Sie haben ja, was ich richtig gut finde, den Ursprungsantrag noch mal ergänzt –, dienen auf der einen Seite selbstverständlich der Behandlung des Kindes, insbesondere schmerztherapeutisch, aber auf der anderen Seite auch der Entlastung der Familien. (Beifall FDP) Es ist in dem Koalitionsantrag ja mit aufgegriffen worden: Wir stehen auch mit Blick auf das System drum herum, die Familien – Eltern, Großeltern, Geschwistern –, Freundinnen und Freunde, Nachbarn vor der Frage: Welche Bedarfe haben die Kinder? Welche Bedarfe haben die Familien? Deswegen ist es, finde ich, genau der richtige Weg, zunächst einmal genau diese Bedarfe auch für Schleswig-Holstein festzustellen. Ganz konkret geht es um die Frage: Was brauchen wir eigentlich? (Beifall FDP und Birte Pauls [SPD]) Möglicherweise kommt dabei ja etwas sehr Überraschendes heraus. (Birte Pauls [SPD]: Ja!) Vor dem Hintergrund finde ich es richtig, dass wir beide Anträge in den Sozialausschuss überweisen. – Ich will übrigens sehr klar sagen: Ich finde auch den Antrag der Koalitionsfraktionen ausgesprochen gelungen, weil er vieles richtig beschreibt. Es fehlt ein bisschen die Ambition, der Wille, auch ins Handeln zu kommen. Aber vielleicht bekommen wir das ja gemeinsam hin. Ich glaube nämlich, dass wir genau so, wie die Kollegin Pauls es ausgedrückt hat, das, was wir im Erwachsenenbereich in der Hospizarbeit erreicht haben – über Koalitionsgrenzen hinweg, über Legislaturperioden hinweg –, in Schleswig-Holstein auch für die Kinderhospizarbeit vorbildlich, mit Vorbildcharakter, erreichen können. Ich finde, das wäre ein schönes Ziel, das man fraktions- und parteiübergreifend in diesem Land erreichen könnte. – Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall ganzes Haus)
