Birte Pauls
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Wenn Kinder sterben, dann ist das für deren Familien und deren Angehörige ein schier unermessliches Leid und eine äußerst belastende Situation, die erhebliche Auswirkungen auf die ganze Familie hat. Die erkrankten Kinder benötigen rund um die Uhr Pflege und Betreuung, und das oft über viele Jahre. In dieser Not bietet die Kinderhospizarbeit nicht nur die professionelle Unterstützung bei der medizinischen und pflegerischen Versorgung, sondern sie kümmern sich auch ehrenamtlich um die psychosoziale Begleitung, die Vernetzung und vor allem die Entlastung für diese Familien. Sie erleichtern den Kindern und Jugendlichen durch individuelle Therapien und Pflege sowie durch soziale Begleitung die oft unerträgliche Situation und geben den Familien Halt und Entlastung oder, wie es der Bundesverband Kinderhospiz formuliert, Halt zu finden, wenn das Liebste von uns gerissen wird. Diese Entlastung bedeutet für die Familien unendlich viel. Sie können sich in dem Augenblick um sich selbst kümmern oder aber um Geschwisterkinder, die verständlicherweise nicht immer die gleiche Aufmerksamkeit erhalten. In Schleswig-Holstein sind sechs Einrichtungen im Bereich der Kinder- und Jugendhospizdienste tätig, darunter ist das Brückenteam der DRK-Schwesternschaften Kiel, das landesweit in der spezialisierten ambulanten pädiatrischen Palliativversorgung tätig ist. Das Hospiz im Wohld in Gettorf bietet landesweit die einzigen zwei Betten für die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen an, und dieses Angebot ist von unschätzbarem Wert für die Familien. Hierbei geht es gar nicht so sehr, wie bei den anderen Gästen im Hospiz, vorrangig um das Sterben, sondern um die so wichtige Entlastung für die betroffenen Familien. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW) Das hat der NDR-Beitrag am 10. Februar 2025 noch mal sehr gut unterstrichen. Ich weiß um die Diskussion, die es damals bei der Einrichtung dieser Plätze gegeben hat, (Dr. Heiner Garg [FDP]: Ja!) aber die Erfahrungen zeigen auch, dass das eine gute Entscheidung war, die sehr gut angenommen worden ist und den Familien als richtig gute Entlastung dient. Während sich 2.500 Menschen dankenswerterweise ehrenamtlich im Hospizbereich engagieren, sind darunter allerdings nur wenige, die sich um die Begleitung der Kinder und Jugendlichen kümmern. Erst recht ist das Angebot für Kinder und Jugendliche, nicht wie das Angebot für Erwachsene, flächendeckend vorhanden. Die vier anderen Kinderund Jugendhospizdienste in Kiel, Rendsburg, Bad Segeberg und Flensburg bieten den Familien mit ihren schwerstkranken Kindern wohnortnah die beschriebene Unterstützung. Genau darum geht es uns in unserem Antrag: die wohnortnahe Unterstützung und die notwendige Entlastung der betroffenen Familien im Alltag, denn gelebt und bei Kindern in den meisten Fällen auch gestorben wird zu Hause. Genau da braucht es die notwendige Unterstützung und die Entlastung. Im Jahr 2016 haben wir den Antrag auf den Ausbau von wohnortnahen Hospizplätzen gestellt. Damit sind wir jetzt durch. Wir haben die Bettenanzahl, die gefordert wurde, erreicht, und ich bin sehr froh, dass das über Fraktionsgrenzen, über Legislaturperioden hinaus jetzt zum Erfolg gebracht worden ist. (Birte Pauls) (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW) Das finde ich total klasse. Damit dürfen wir jetzt aber nicht aufhören, uns um das Thema zu kümmern. Es gibt noch viele Herausforderungen. Eine davon ist das Entlastungsangebot für Familien mit ihren kranken Kindern. Deshalb fordern wir die Landesregierung auf, die Bedarfe hier neu zu ermitteln. (Beifall SPD, FDP und SSW) Es handelt sich um ein hochsensibles Thema. Es geht um sterbende, kranke Kinder, und nicht jeder kann damit umgehen. Das ist mir sehr, sehr bewusst. Deshalb danke ich allen, die sich zutiefst menschlich, aber auch hochprofessionell um diese Kinder und ihre Familien kümmern. (Beifall ganzes Haus) Unsere politische Verantwortung ist es allerdings, hinzuschauen und zu handeln. Lassen Sie uns deshalb diese Kinder und ihre Familien unterstützen, wie es die viel zitierte Cicely Saunders gesagt hat: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Vielen Dank. (Lebhafter Beifall SPD, FDP, SSW und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
