Anne Riecke
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! „Auf der roten Welle surfen“, „Erdbeertage“ oder, in anderen Sprachen, „code red“ auf Englisch, „ando con Andrés“ auf Spanisch – „ich bin mit Andres unterwegs“ – oder wie man in Portugal zu sagen pflegt: „Benfica spielt“ – weil Benfica Lissabon rote Strümpfe trägt. Oder einfach „die Tage haben“, was häufig gleichzeitig eine Missstimmung der betroffenen Person impliziert, ich könnte unzählige weitere Begriffe mit metaphorischen Umschreibungen nennen, die alle schambehaftet sind. Keiner traut sich, es laut zu sagen. Hygieneprodukte wie beispielsweise Tampons werden wie ein illegales Gut peinlich berührt untereinander ausgetauscht, damit es um Himmels willen keiner sieht. Es ist erstaunlich, dass es bei diesem Thema (Anne Riecke) weltweit kaum Unterschiede gibt. Irgendwie schämen sich Menschen überall dafür, Frauen und Männer. Es muss Schluss damit sein, dass wir peinlich berührt über etwas Natürliches sprechen, über eine Sache, die nun einmal ist, wie sie ist. Wir müssen über Periode, Menstruation, Regelschmerzen und PMS offen sprechen, ohne Scham und Ekel zu haben. Die Periode geht oft mit Angst, Schüchternheit oder Unwohlsein einher. Die Angst, ausgelacht zu werden oder gar auszulaufen, ist vor allem in den ersten Jahren der Menstruation präsent. Selbst über die Monatsblutung zu sprechen und zu verstehen, was mit dem eigenen Körper passiert, kann zu Furcht und Unwohlsein führen. Die Vorstellung, die Periode sei etwas Unreines, etwas, weswegen sich Menstruierende verstecken und schämen müssten, hält sich in vielen Gesellschaften immer noch hartnäckig, nicht zuletzt, wenn man die Binden auf dem Kassenband im Supermarkt unter anderen Käufen vor den Blicken anderer schützen möchte. Offen darüber zu sprechen, ist ein wichtiger Schritt zu einer Normalität. Dieses Thema betrifft viele Menschen und beeinflusst den Alltag mehr, als man es sich vorstellen kann. Nicht zu vergessen: Ohne die monatliche Blutung wäre Leben, unser Wunder des Lebens gar nicht möglich. Warum sie dann nicht in einen gewissen Rahmen und in den Mittelpunkt stellen, frage ich mich. Es bedarf schon früh einer gewissen Bildung. Diese darf nicht erst an weiterführenden Schulen stattfinden. Es bedarf einer kindgerechten sexuellen Aufklärung auch an Grundschulen. (Birte Pauls [SPD]: Schulgesundheitsfachkraft!) – Über das Thema Schulgesundheitsfachkraft haben wir das letzte Mal gesprochen. Ursachen und Wirkungen müssen erklärt werden und somit zu einer Normalität und zum Verständnis beim Thema Menstruation verhelfen. Denn nicht zuletzt ist die Menstruation ein häufiger Grund für das Fortbleiben vom Unterricht und von der Arbeit, was nicht selten zu Nachteilen und sozialen Schwierigkeiten führt. Wir müssen uns darüber Gedanken machen, dass zum Thema Periode der Zugang zu entsprechenden Hilfsmitteln und Hygieneprodukten gehört und hier Enttabuisierung und Aufklärung stattfinden müssen. Denn nicht für alle ist der Badezimmerschrank immer prall gefüllt mit Binden, Tampons und Menstruationstassen. Viele Betroffene tragen ihre Binden und Tampons möglichst lange, um sparsam mit diesen umzugehen. Nicht selten führt dies zu besorgniserregenden Infektionen und anderen Krankheiten. Studien zeigen, dass diese Hygieneprodukte oft schwer zugänglich sind und finanzielle Hürden mit sich bringen. Der fehlende Zugang zu diesen Produkten hält Menschen davon ab, eine ehrliche Diskussion über Periodenarmut und letztlich über ihren eigenen Körper zu führen, und führt dies zudem zu einem Stigma. Eine Bereitstellung bereits an unseren Schulen und Grundschulen wäre ein richtiger Schritt in eine aufgeklärte Gesellschaft. (Beifall FDP und SSW) Es gehört dort genauso hin wie Klopapier. Unsere Anträge zeigen, dass wir alle eine gemeinsame Haltung und Bedeutung in dieser Sache sehen. Deswegen schlage ich vor, die Anträge an den Sozialausschuss zu überweisen, damit Menstruation kein Thema hinter verschlossenen Türen bleibt, sondern ein gemeinsamer Weg der Finanzierung für die Aufklärung zu Menstruation und zu Hygieneprodukten in öffentlichen Einrichtungen gefunden wird. – Vielen Dank. (Beifall FDP, SPD und SSW)
