Christian Dirschauer
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Flensburger Förde geht es nicht gut. Das wissen wir seit Jahrzehnten, aber am Ende der letzten Wahlperiode dieses Hauses wurde das Ganze noch einmal schwarz auf weiß bestätigt – in einem Bericht zum Umweltzustand der Flensburger Förde, der seinerzeit vom SSW angestoßen worden war. Eutrophierung, Munitionsaltlasten und Plastikmüll wurden dort als Herausforderung konstatiert. Auch die Auswirkungen der Wildmuschelfischerei und die wichtige ökologische Bedeutung von Miesmuschelbänken wurden damals in dem Bericht entsprechend beleuchtet. Denn gerade die Muschelbänke sind wertvolle Lebensräume, die wichtige ökologische Funktionen innehaben. Sie sind Rückzugshabitat von Tier- und Pflanzenarten und weisen eine hohe Artenvielfalt auf. Sie sind Nahrungsgebiet und Laichplatz für Fische und Lebensraum für unterschiedlichste Bodentiere. Zudem (Christian Dirschauer) haben Miesmuscheln eine weitere, sehr wichtige Funktion, indem sie Gewässer von Nährstoffen filtern. Somit haben Miesmuschelbänke mit all ihren Funktionen einen unschätzbaren ökologischen Wert für ein Gewässer, das es zu schützen gilt. In der Flensburger Förde brauchen wir sie dringend, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und FDP) Denn wer einmal Bilder des Meeresgrundes gesehen hat, nachdem Muschelkutter mit ihren schweren, grundberührenden Fanggeräten die Muschelbänke abgefischt haben, der stellt fest, dass danach nur noch eine Mondlandschaft übrig bleibt. Das wird besonders deutlich anhand der Aufnahmen des Unterwasserteams in Flensburg, das seit Jahren dokumentiert, was am Meeresboden der Förde geschieht. Damit ist klar, dass diese Art der Fischerei einen doch ganz erheblichen Eingriff darstellt. Denn es bleibt danach nichts anderes übrig als aufgerissener Boden und der zerstörte Lebensraum der Muschelbänke. Die Küstenfischer an der Flensburger Förde gehören zu denen, die am meisten unter der Wildmuschelfischerei in der Förde leiden. Jedes Mal, wenn Wildmuschelfischer mit Schleppnetzen unterwegs waren, gab und gibt es über einen langen Zeitraum kaum noch Fische in der Förde. Bereits Ende 2018 hat die untere Naturschutzbehörde der Stadt Flensburg einen Antrag auf Genehmigung der Muschelfischerei für ihren Teil der Förde abgelehnt. Wir als SSW haben seinerzeit die Entscheidung sehr begrüßt und unterstützt. In der Folge dieser Ablehnung hat der Antragsteller im weiteren Verlauf auf die Wildmuschelfischerei im Gebiet der Schleswig-Flensburger Förde verzichtet. Hier muss ich wirklich sagen, dass die Stadt Flensburg Großartiges im Sinne des Natur- und Meeresschutzes geleistet hat. (Beifall SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD) Im Vorfeld des Entschlusses haben sich die Naturschutzverbände hinsichtlich des Genehmigungsantrages entsprechend kritisch und ablehnend geäußert. Eines möchte ich noch einmal ganz deutlich sagen: Auch der ortsansässige Flensburger Fischereiverein hat sich deutlich gegen die Wildmuschelfischerei ausgesprochen. Wir haben also die traditionelle lokale Küstenfischerei auf unserer Seite. Ganz aktuell gibt es eine Resolution der Stadt Flensburg, die mit fast allen Ratsunterzeichnenden voraussichtlich in der nächsten Woche beschlossen wird. Darin wird die Landesregierung aufgefordert, die Wildmuschelfischerei mit Schleppnetzen im deutschen Teil der Flensburger Förde zu verbieten und sich damit den aktuellen Schutzbemühungen der dänischen Nachbarn anzuschließen. So lautet der Antrag in Flensburg. Denn es gibt seit Sommer 2023 einen interfraktionellen Beschluss im dänischen Folketing zum Meeresschutz, den sogenannten Danmarks havplan. Dort haben alle Fraktionen, die regierungstragenden sowie die Oppositionsfraktionen, eine ganzheitliche Planung für das gesamte dänische Meeresgebiet verabschiedet. Unter Nummer 27 ist unter anderem aufgeführt, dass sich die Vertragsparteien darüber einig sind, die Fischerei mit Grundschleppnetzen im Vejle Fjord, im Kalø Vig und eben in der Flensburger Förde zu verbieten. Der dänische Fischereiminister hat mir mit Schreiben vom 17. Dezember 2024 mitgeteilt, dass die Konkretisierung des dort beabsichtigten Verbots der Wildmuschelfischerei nun im Rahmen der kurzfristig beginnenden Gespräche zur Zukunft der dänischen Erwerbsfischerei ausgestaltet werden wird. Deswegen bin ich sehr froh, dass wir hier heute ein klares und vor allen Dingen gemeinsames Signal senden, uns gemeinsam für ein Ende der Muschelfischerei in der Flensburger Förde einsetzen und so dem Fischereiminister einen klaren Auftrag erteilen. (Beifall SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und FDP) Denn das Wasser in der Flensburger Förde kennt keine Grenzen. Maßnahmen machen tatsächlich nur gemeinsam Sinn. Diese Einigkeit ist gut für den Natur- und Meeresschutz, und sie ist gut für unsere lokale handwerkliche Küstenfischerei. Lieber Herr Minister Schwarz, so will ich meine Rede mit den Worten beenden, die mir Uwe Lund, der Vorsitzende des Flensburger Fischereivereins, in seiner letzten Nachricht vor der heutigen Debatte mit auf den Weg gegeben hat: Hau rein, setz das um! – Herzlichen Dank. (Beifall SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und FDP)
