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Jette Waldinger-Thiering

SSW 30.01.2025 Sitzungen 20/79

Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir haben vorhin über die Wichtigkeit der Lehrergesundheit gesprochen. Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler im Schulalltag sind nicht weniger wichtig und sorgen ebenso für ein gutes Lernklima an Schulen. Den Lehrkräften fehlt es oft an Zeit und Raum, um sich dem Gesundheitszustand des Einzelnen zu widmen. Deshalb ist eine Schulgesundheitsfachkraft, an die sich Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler direkt wenden können, ein großer Vorteil für alle. Besonders chronisch kranken Schülerinnen und Schülern würde es den Schulalltag erleichtern. Eine Schulgesundheitsfachkraft könnte zu mehr Sicherheit bei allen Beteiligten führen. Eltern, Lehrkräfte und das Kind hätten eine geschulte Fachkraft zur Seite, die beratend oder bei akutem Bedarf unterstützend sein kann. Besonders jetzt, wo viele Schülerinnen und Schüler aus Kriegsgebieten nach Deutschland geflohen sind und in der Heimat oder auf der Flucht oft nachhaltig belastende Erfahrungen gemacht haben, gilt es, einen ganzheitlichen Blick auf die physische und psychische Verfassung der Kinder zu richten. (Jette Waldinger-Thiering) Dafür braucht es Zeit und Fachkenntnis, die Lehrkräfte nicht noch zusätzlich aufbringen können. Hier könnten Schulgesundheitsfachkräfte unterstützen und somit das System Schule entlasten, indem sie die Schülerinnen und Schüler und deren Familien beraten und sie bei Bedarf an externe Unterstützungsangebote weitervermitteln. (Beifall SSW, vereinzelt SPD und FDP) In unserem dänischen Schulsystem gibt es schon immer das Konzept der Schulgesundheitspflege, die in enger Zusammenarbeit mit und von dem Dansk Sundhedstjeneste angeboten wird. Hier werden die Kinder und ihre Familien von der Krippe bis zum Schulabschluss begleitet und beraten. Entwicklungsuntersuchungen, Zahnpflegeprävention, Schulgesundheitspflegekräfte oder andere gesundheitsrelevanten Dienste werden vom Dansk Sundhedstjeneste angeboten. Für Schülerinnen und Schüler kann eine Schulgesundheitsfachkraft eine verlässliche Anlaufstelle bei Beschwerden sein, denn Bauchschmerzen sind nicht immer gleich Bauchschmerzen. Hier kann ein geduldiger Zuhörer manchmal mehr bewirken als jede Medizin. Auch ein aufgeschlagenes Knie oder eine Beule am Kopf lassen sich durch ein Pflaster und tröstende Worte leichter ertragen. Das Gefühl der Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte, dass es jemanden an der Schule gibt, der sich mit kleinen und großen medizinischen Notfällen auskennt und sich kümmert, schafft Sicherheit und steigert somit das Wohlbefinden im Schulalltag. Aufgaben wie Prävention und Aufklärung in Themenbereichen wie Ernährung, Bewegung oder Pubertät können Schulgesundheitsfachkräfte anbahnen, unterstützen oder durchführen. Auch die Implementierung der Erste-Hilfe-Ausbildung an Schulen könnte durch eine Schulgesundheitsfachkraft unterstützt werden. Wir kennen bereits gute Beispiele anhand des Modellprojektes in Flensburg. Aber nicht nur in Flensburg und an unseren dänischen Schulen, sondern auch bundesweit, ja sogar weltweit hat sich das Konzept der Gesundheitspflegekraft an Schulen bewährt. Wir müssen das Rad also nicht neu erfinden. Allerdings müssen wir eine solide Finanzierung schaffen, um nicht von Jahr zu Jahr mit Projektgeldern zu pokern oder zu hoffen, dass etwas von dem Startchancen-Programm übrig bleibt. Es kann nicht nur Aufgabe des Bildungssystems sein, die Gesundheit an Schulen zu fördern. Hier muss auch das Gesundheitssystem in die Finanzierung einbezogen werden. Deshalb möchte ich, dass unser Antrag an den Bildungsausschuss überwiesen wird (Beifall SSW, FDP und vereinzelt SPD) und mitberatend an den Sozialausschuss. 2021 hatte Corona einen großen Einfluss auf das Thema. Ich bin dafür, dass wir uns das miteinander angucken und gründlich über das Thema diskutieren, denn ich glaube, das wäre eine Win-win-Situation für alle Schülerinnen und Schüler. Das Beispiel, das die Kollegin Anne Riecke vorhin von der Klassenfahrt genannt hat, ist ein typisches Beispiel. Ganz viele Lehrkräfte sagen: Ich kann das gar nicht mehr. Ich kann nicht auf Klassenfahrt fahren, wenn ich chronisch kranke Kinder habe, denn die medizinische Versorgung kann ich nicht gewährleisten. Mir ist die Aufgabe ebenso viel zu groß wie die Verantwortung. Das bedarf wirklich einer soliden und gründlichen Diskussion und Auseinandersetzung im Ausschuss. Insofern wäre ich froh, wenn wir zumindest diesen Antrag überwiesen kriegen, auch und besonders mit den Stimmen von Schwarz und Grün. (Beifall SSW, SPD und FDP)

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