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Anne Riecke

FDP 30.01.2025 Sitzungen 20/79

Sehr verehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Am 16. Januar dieses Jahres wurde ein Urteil am Bundesgerichtshof rechtskräftig, nach dem zwei Lehrerinnen verurteilt worden sind. Sie wurden wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Hintergrund ist eine Klassenfahrt nach London im Sommer 2019, wo ein 13-jähriges Mädchen nach einer Überzuckerung und dann an einem Herzinfarkt starb. Das Mädchen litt an Diabetes Typ 1. Die Lehrerinnen haben sicherlich Fehler bei der Abfrage von Erkrankungen im Vorfeld gemacht. Sie kannten die Schülerin nicht, und folgenschwer war ihre Einschätzung zum Krankheitsbild der 13-Jährigen. Sie verstarb auf der Klassenfahrt. Ein dramatischer Vorfall, der eine juristische Odyssee nach sich zog, in der sogar die Eltern kurzfristig eine Anklage hatten, die Lehrkräfte im Vorfeld eventuell nicht richtig informiert zu haben. Die Tragik des Falls soll nicht die Schuldfähigkeit darstellen, sondern vielmehr, wie so etwas vielleicht in Zukunft verhindert werden kann. (Beifall FDP, SPD und SSW) Einige Fälle, die ich selber in Schule erfahren habe, sind Inobhutnahmen, die vielleicht viel früher hätten durchgeführt werden können, weil wir Verletzungen durch medizinisches Fachpersonal ganz anders hätten einschätzen können. Dann ist es nämlich nicht die Verletzung bei einem Fußballspiel, sondern eine andere Verletzung, die vielleicht zu Hause zugefügt worden ist. So etwas zu erkennen ist Lehrerinnen und Lehrern oft nicht möglich. In Schleswig-Holstein gibt es für Kinder und Jugendliche zahlreiche Vorsorgeuntersuchungen. Daran wird sicherlich festgemacht, dass unsere Kinder und Jugendlichen in einem super Zustand sind. Von U‑Untersuchungen bis zu anderen Untersuchungen gibt es ein enges Raster: Jedoch müssen wir auch wissen, dass diese Untersuchungen keine Pflicht darstellen und tatsächlich nur Momentaufnahmen von körperlichem und psychischem Zustand unserer Kinder und Jugendlichen sind. Lehrerinnen und Lehrer in Schleswig-Holstein sind auf langwierige Wege angewiesen und bestellen Kreisfachberatungen in die Schulen, um mit Kindern und Jugendlichen zum Beispiel über chronische Erkrankungen zu sprechen und mit ihnen umzugehen, sie in den Schulalltag zu integrieren, letztlich mit dem Ziel, Schülerinnen und Schülern einen Weg aufzuzeigen, wie man normal im Unterricht teilnehmen und einen Förderstatus erlangen kann. Es geht dabei nicht um die Aberkennung der Kompetenzen der Kreisfachberatungen oder der Lehrerinnen und Lehrer, sondern es geht eigentlich vielmehr darum, einen weiteren Schritt zu gehen, um Kinder eng und verantwortungsvoll zu begleiten. In einem Bericht des RKI können wir lesen, dass bereits 2021 – da sind die ganzen Coronafolgen überhaupt noch gar nicht einbezogen worden – jedes sechste Kind im Alter von 0 bis 17 Jahren an einer chronischen Krankheit leidet. Darüber hinaus sind große Teile dieser Kinder und Jugendlichen noch bis ins Erwachsenenalter betroffen. Ebenfalls wird vom RKI ausdrücklich beschrieben, dass die (Anne Riecke) Krankheitslast durch chronische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter nicht gesundheitliche Aspekte im engeren Sinn betrifft, sondern sich auch durch Beeinträchtigungen von Bildungserfolgen und erschwerte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausdrückt. Darüber hinaus können zusätzliche Probleme entstehen, wenn Kinder und Jugendliche während ihrer Erkrankung stigmatisiert werden. Die sind im Schulalltag. Dann sprechen wir von Mobbing und Ausgrenzung. (Beifall FDP, SPD und SSW) In mehreren Bundesländern liefen bereits solche Machbarkeitsstudien zu Schulgesundheitsfachkräften. Die Schulgesundheitskraftkräfte sind in einigen Ländern bereits ein richtiges Berufsbild und fester Bestandteil im Schulleben – zu Recht. Es ist klar, dass wir hier über Geld sprechen, das heißt, wir müssen Träger finden, es muss eine Finanzierung geben, es muss geklärt werden. Aber die positiven Aspekte überwiegen, finde ich. Bei ähnlichen Modellprojekten aus anderen Bundesländern gaben mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler an, öfter über ihre Gesundheit nachzudenken, viel über ihre Gesundheit gelernt zu haben – ein wichtiger und nachhaltiger Faktor in Zeiten von Impfmüdigkeit und zunehmend chronisch erkrankten Menschen. Jeder Lehrer kennt die Situation, dass viele Kinder bei Unwohlsein und kleinen Verletzungen nach Hause geschickt werden müssen. Die Gesundheitsfachkraft und die Lehrkräfte gaben die Rückmeldung, dass mehr als 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen nach dem Besuch im Krankenzimmer wieder in den Unterricht zurückkehren konnten. Lehrer müssen sich nicht nur um eine einzelne Person kümmern, sie müssen sich um eine ganze Klasse kümmern. Lehrkräfte können hierdurch eine Entlastung erfahren, darüber haben wir heute Morgen schon gesprochen, weil sie ihren Unterricht fortführen können. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die sich wegen Erkrankungen oder Behinderung gehänselt gefühlt haben, die sich ausgegrenzt gefühlt haben, konnte reduziert werden, und auch die Schulleitungen sprachen sich positiv über Schulgesundheitsfachkräfte aus. (Beifall FDP, SSW und vereinzelt SPD) Im Ganzen lässt sich zusammenfassen, dass die gesundheitliche Unterstützung die Teilhabe der Schülerinnen und Schüler am Bildungsprozess erhöht und ein bildungsförderlicher Effekt auf das Schulleben verzeichnet werden konnte. Dies gilt nicht nur für Schülerinnen und Schüler, sondern auch für Eltern. Für Lehrerinnen und Lehrer könnten diese Themen zu Entlastungen führen und mehr Nachhaltigkeit in Gesundheitsfachthemen bringen.

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