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Birte Pauls

SPD 30.01.2025 Sitzungen 20/79

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Auch das ist ein Antrag, den Sie aus der letzten Legislaturperiode schon kennen. Auch das ist ein Wiederholungsantrag, weil nämlich sein Inhalt richtig bleibt. (Beifall SPD und Christian Dirschauer [SSW]) Wir haben nach dem eindeutig positiven Fachgespräch, das wir im Ausschuss zu diesem Thema hatten, angekündigt, dieses Thema erneut auf die Tagesordnung zu setzen. Deswegen liegt Ihnen jetzt dieser Antrag vor. Wir haben das ganze Thema damals unter dem Einfluss der Coronapandemie diskutiert. Ich glaube, zwischenzeitlich wissen wir alle, wie wichtig die Stärkung der eigenen Gesundheitskompetenz ist. Damit fängt man bestenfalls so früh wie möglich an. Jedes Kind hat das Recht, gesund aufzuwachsen. Manche Kinder haben diese Chance aus vielfältigen Gründen nicht. Es ist für jeden Menschen von großem Vorteil zu wissen, was der eigene Körper braucht und wie man sich verhalten kann, um die psychische und physische Gesundheit zu stärken. Das entlastet auch das Gesundheitssystem. Schule ist angesichts der Ganztagsangebote ein wichtiger Lebensraum von Kindern, und das wird weiter zunehmend der Fall sein. Dort hat man alle Kinder im Blick – und zwar unabhängig ihrer sozialen Herkunft –, und deshalb ist Schule der richtige Ort, um dort neben Mathe und Deutsch auch etwas über die eigene Gesundheit zu lernen. (Beifall SPD) Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Gesundheits- und Bildungserfolg. Kinder und Jugendliche lernen am besten, wenn man auch ihren Gesundheitsbedürfnissen gerecht wird. In der AWO-ISS-Kinderarmutsstudie wird deutlich belegt, dass Gesundheit und Bildung mit dem Thema Armut sehr eng zusammenhängen. Alle drei Faktoren beeinflussen den Lebensweg der Kinder. Auch das ist ein Argument dafür, wie wichtig es ist, dass alle Kinder die gleichen Bildungschancen erhalten. Auch der aktuelle Gesundheitsbericht der Stiftung Kindergesundheit hat Schule und Gesundheit in den Fokus genommen. Gesundheitsministerin von der Decken schreibt neben Karl Lauterbach ein Grußwort, und dort heißt es, ich zitiere: „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, kindgerechte Rahmenbedingungen zu schaffen und die Gesundheit von Kindern zu fördern. Schulen sind für diese kindgerechten Bedingungen von sehr hoher Bedeutung.“ Der Kindergesundheitsbericht zeigt Lösungsansätze auf, und ein Lösungsansatz ist: „Schule braucht Gesundheitsfachkräfte“. – Ein sehr lesenswerter Beitrag. Frau von der Decken schreibt in ihrem Grußwort auch – ich zitiere –: „Aus diesem Bericht können alle … wichtige Erkenntnisse gewinnen und mögliche Handlungsfelder ableiten.“ Genau das haben wir jetzt mit unserem Antrag gemacht. (Beifall SPD und SSW) Vielen Dank auch für die Worte an dieser Stelle, Frau von der Decken. Viele wünschen sich die Einführung von Schulgesundheitsfachkräften – Kinder- und Jugendärzte, Schulträger, der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe, die Deutsche Gesellschaft für Kinderund Jugendmedizin. Auch der von Gesundheitsund Bildungsexperten erarbeitete Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz empfiehlt die Einführung von Schulgesundheitsfachkräften. Schulgesundheitsfachkräfte können bei Krankheiten wie Diabetes, Asthma und einer akuten Erstversorgung beraten und helfen. Sie verbessern so die Inklusion von chronisch Erkrankten oder Kindern mit Behinderungen. Sie dienen als fachkompetente Ansprechpartner für Eltern und Kinder. Sie geben Hilfestellung für gesunde Mahlzeiten und Bewegungsangebote. Sie leisten Aufklärung und so wichtige Präventionsarbeit. Es geht um Stressbewältigung, es geht um psychosoziale Gesundheit und um den Umgang mit Medien. In akuten Notfällen sind sie diejenigen, die über weiteres Vorgehen entscheiden. Das entlastet tatsächlich die Lehrkräfte. Den Kindern fällt es wahrscheinlich ein bisschen leichter, sich bei Bauchschmerzen einer neutralen Person anzuvertrauen als demjenigen, der die nächste Mathearbeit benoten soll. Schulgesundheitsfachkräfte ergänzen das multiprofessionelle Team an den Schulen in hervorragender (Birte Pauls) Weise und können so den Bedarfen der Kinder gerecht werden. Es gibt gute Beispiele in vielen anderen Ländern – Finnland, Schweden, USA, England, Australien. Da gibt es die School Nurse, und auch hier haben sich mittlerweile einige Bundesländer in Zusammenarbeit mit den Krankenkassen auf den Weg gemacht. Schleswig-Holstein ist noch nicht so weit. Außer an zwei Grundschulen in Flensburg und an den Schulen der dänischen Minderheit gibt es keine Schulgesundheitsfachkräfte. Ein Argument, das wahrscheinlich wieder kommt: Alles viel zu teuer, können wir uns nicht leisten! Wo sollen wir das Personal hernehmen? – Professor Dr. Catharina Maulbecker-Armstrong von der Technischen Hochschule Mittelhessen hat im Kindergesundheitsbericht 2024 in ihrem Beitrag zu den Schulgesundheitsfachkräften aufgezeigt, dass jeder in den Einsatz von Gesundheitsfachkräften investierte Euro in der Lebenslaufperspektive der Schülerinnen und Schüler je nach Verlauf bis zu 43 Euro generiert. Das klingt für mich tatsächlich nach einer sehr guten Investition. – Ich danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall SPD, SSW und vereinzelt FDP)

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