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Jan Kürschner

GRÜNE 12.12.2024 Sitzungen 20/76

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Abgeordnete! Jetzt haben bisher nur Frauen zu diesem Thema gesprochen. Deswegen möchte ich mal nach vorne kommen und etwas Grundsätzliches sagen: Die größte Gefahr für Frauen lauert in den eigenen vier Wänden. Das ist so; das ist statistisch eindeutig. Was bedeutet das eigentlich? – Als Mann in einer Beziehung mit einer Frau muss ich akzeptieren, dass ich der gefährlichste Mensch in ihrem Leben bin. Niemand möchte sich bitte automatisch für eine Ausnahme halten. Das ist nämlich nicht so. Worüber wir hier die ganze Zeit sprechen, ist in allererster Linie ein Männerproblem. Das muss man hier auch einmal genau so sagen. (Beifall ganzes Haus) Wie gehen wir als Männer eigentlich damit um? Als Politik kann man Leitbilder vorgeben; das versuchen wir hier. Aber ganz am Ende muss sich jeder selbst die Antwort darauf geben. Die Antwort hängt in jedem Fall damit zusammen, was für ein Bild man als Mann von sich selbst hat. In dem Zusammenhang: Aus Femiziden kann man eine Lehre ziehen. Diese Männer erleiden aus ihrer Sicht einen Verlust der Machtausübung und der von ihnen gewünschten Stellung als Mann. Dieser Verlust trifft sie derartig in ihrem Kern, dass sie die Frau töten müssen, und zwar egal, was mit ihnen selbst und mit ihren Kindern passiert. Das zu erfassen, ist schwierig, aber so ist es. Das ist die Lehre, die man daraus ziehen muss. Die Gefühle, die diese Männer haben, kommen nicht aus dem luftleeren Raum. Das Kernmerkmal von Partnerschaftsgewalt ist immer noch die Vorstellung der Ungleichwertigkeit der Geschlechter. Frauen werden teilweise eben immer noch untergeordnet, und dann gibt es Gewalt. Liebe Abgeordnete, jeder Tag ist ein orangener Tag. Jeden Tag gilt es, daran zu arbeiten, die Stereotypen der Geschlechter zu überwinden, im Privaten, im Beruflichen, einfach überall. – Das wollte ich hier gesagt haben. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP, SSW und vereinzelt SPD)

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