Wiebke Zweig
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Am Ende jeder Schulzeit sollte ein Abschluss stehen. Denn er ermöglicht bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, bei der gesellschaftlichen Teilhabe sowie bei der Gestaltung der individuellen Lebensführung. Man kann mächtig stolz auf seinen Abschluss sein, schließlich hat man jahrelang darauf hingearbeitet. Dazu kommt noch die wirtschaftliche Perspektive: In Zeiten des Fachkräftemangels brauchen wir qualifizierten Nachwuchs. (Wiebke Zweig) Leider gibt es in Schleswig-Holstein viel zu viele Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss. 4,9 Prozent waren es im Jahr 2023, im Jahr davor waren es vier Prozent. Wenn man die Schülerinnen und Schüler, die einen sogenannten Förderabschluss erzielt haben, dazurechnet – der Förderabschluss ist zwar ein Abschluss, er qualifiziert aber nicht für einen Ausbildungsplatz –, liegen wir mittlerweile bei elf Prozent ohne Abschluss. Das ist ein Zustand, den wir nicht hinnehmen wollen und den wir nicht hinnehmen werden. Unsere Ziele lauten: Möglichst jede Schülerin und jeder Schüler soll am Ende der Schulzeit einen Abschluss haben. Ich sage „möglichst“, da es nie eine 100-Prozent-Quote geben wird, und man sollte nichts versprechen, was man nicht halten kann. Wir wollen die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die die Mindeststandards nicht erreichen und deren Abschlüsse gefährdet sind, in den nächsten zehn Jahren halbieren. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Ganz klar, das ist eine ambitionierte Zielsetzung, doch wir haben den Willen und die passenden Werkzeuge, die wir zur Umsetzung brauchen. Doch bevor ich zu den Maßnahmen komme, lassen Sie mich noch einen Blick auf die Gründe für die hohe Anzahl der Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss werfen. Seit 2018 fällt die Quote besonders hoch aus, da eine hohe Anzahl an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund als Abgänger ohne Abschluss gemeldet wurde. Viele haben das Schulsystem wieder verlassen, da sie zum Beispiel in ihr Heimatland zurückgekehrt sind, das Bundesland gewechselt haben oder an eine berufsbildende Schule gewechselt sind. Manche haben aber auch zu große sprachliche Defizite, um einen Abschluss zu schaffen. Wer im Alter der neunten Jahrgangsstufe zu uns stößt, hat nur wenig Zeit, ausreichend Deutsch zu lernen. Dazu kommen noch die Auswirkungen von Corona, die so manche Bildungsbiografie durchgeschüttelt haben. Nach Lockdown und Schulschließungen fand nicht jeder in den Alltag zurück. Doch was wurde nun gegen diesen Missstand unternommen? Die Antwort lautet: eine ganze Menge. Aufholprogramme für Coronafolgen, Verstärkung der Schulpsychologen, stetiger Ausbau des DaZAngebots, um dem stetig wachsenden Bedarf gerecht zu werden, Fokus auf durchgängige Sprachbildung, Stärkung der basalen Kompetenzen, also mehr Deutschunterricht in Klasse 1 und 2, Sprachstandserhebung bei Viereinhalbjährigen mit anschließender Förderung – erst als Pilot, anschließend soll das Programm aufs ganze Land ausgerollt werden –, (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) aber auch Verdoppelung der Zahl der PerspektivSchulen im Land, die ja besondere Ressourcen erhalten, und Realisierung des Ganztagsschulanspruchs ab 2026. Zu diesen Großmaßnahmen kommen unzählige kleine, wie zum Beispiel eine Operatorenliste für den Matheunterricht. Diese soll sicherstellen, dass auch alle die Aufgabenstellung verstehen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, damit geben wir uns nicht zufrieden. Wir wollen, dass die Landesregierung ein Konzept für die Schüler-ID erarbeitet. So können Bildungsverläufe auch über die Grenze des allgemeinbildenden Schulsystems, sogar über Bundeslandgrenzen nachvollzogen werden. Wozu das Ganze? Wir wollen herausfinden, wo es genau hapert, um dann anschließend gezielt unterstützen zu können. Die Schüler-ID darf nicht auf die lange Bank geschoben werden. Deshalb wollen wir nicht auf die Einführung eines nationalen Bildungsregisters warten. Es muss jetzt losgehen. Außerdem wollen wir die Arbeit der Jugendberufsagenturen weiterentwickeln und Schulabsentismus bekämpfen. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) So sollen in die Evaluierung des Landeskonzepts pädagogische, jugendhilferechtliche und psychologische Hilfen einbezogen werden. Liebe Kolleginnen und Kollegen, uns in SchleswigHolstein ist jedes Kind wichtig. Wir übernehmen Verantwortung für jedes Kind. Unser Grundsatz lautet: niemanden zurücklassen. Damit wir auch wirklich kein Kind zurücklassen, bitte ich Sie: Stimmen Sie unserem Antrag zu! – Vielen Dank. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
