Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Herzlichen Dank für den schriftlichen Bericht zum kostenfreien Mittagessen für Kinder und Jugendliche in Kitas und Schulen. Dort wird natürlich – das haben wir schon ein paar Mal gehört – auch auf diesen positiven Effekt der gemeinsamen Mahlzeit in der Kita und der Schule hingewiesen. Wir haben auch gehört, dass unter anderem die Deutsche Gesellschaft für Ernährung darauf hinweist, dass eine gesundheitsfördernde und nachhaltige Verpflegung die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder fördert. In der Empfehlung des Bürgerrates wird die Finanzierung der Mahlzeit als Investition in die Zukunft, als Investition in die Gesundheit und sogar als Schlüssel für gerechte Bildungschancen gesehen. Das ist doch genau das, was wir wollen. Wir wollen Bildungsgerechtigkeit. Damit Kinder und Jugendliche sich körperlich und kognitiv gesund entwickeln und in der Lage sind, die Bildungsangebote in Kindertagesstätten und Schulen erfolgreich anzunehmen, müssen sie regelmäßige und ausgewogene Mahlzeiten bekommen. Wenn wir schon keine Lernmittelfreiheit bieten können, dann sollte zumindest das grundlegende Ernährungsbedürfnis durch das kostenfreie, warme Mittagessen abgedeckt werden und somit als Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit dienen. Auch wenn wir eine Sozialstaffelung haben und den einkommensschwachen Familien das Bildungsund Teilhabepaket zur Verfügung gestellt wird – bedeutet das wirklich, dass wir alle Kinder und Jugendlichen abgedeckt haben? Dem Bericht ist zu entnehmen, dass die Bildungsund Teilhabemittel je nach Region entweder beim Jobcenter, beim Sozialamt, bei der Leistungsbehörde für Asylbewerber oder bei der Wohngeldstelle zu beantragen sind. Sogar Familien ohne Transferleistung dürfen BuT-Mittel beantragen. Wissen die Familien das wirklich? – Wenn sie gut vernetzt sind, vielleicht, aber ich wette, auch hier fallen einige durchs Raster – vielleicht weniger in den Kitas, aber bestimmt an den Schulen, in denen man sein Kind freiwillig zum Essen anmeldet. Drei bis fünf Euro am Tag sind zum einen auch für Familien mit einem Durchschnittseinkommen mit einem Kind oder mehreren Kindern viel Geld. Zum anderen würde ein kostenfreies, warmes Mittagessen alle Familien entlasten. Denn wenn Eltern nach einem Voll- oder Teilzeitarbeitstag ihre Kinder am Nachmittag in der Kita oder in der Schulbetreuung abholen, dann vielleicht noch mit den Kindern zum Sport oder Klavier gehen oder einfach nur noch einkaufen müssen, dann ist es Abend, bevor die Familie nach Hause kommt. Alle sind müde und erschöpft und wollen nur noch schnell etwas essen, bevor es ins Bett geht. Dann noch eine frische und ausgewogene warme Mahlzeit auf den Tisch zu bringen, ist eine echte Herausforderung für alle. Wenn man aber weiß, dass das Kind sein Obst aus der Brotdose und dann warm und gesund am Mittag gegessen hat, reicht abends häufig ein Käsebrot mit ein paar Gemüsesticks. (Vereinzelte Heiterkeit SPD) Im Koalitionsvertrag setzt man sich für eine gesunde, ausgewogene und regionale Mittagsverpflegung in Kitas ein. Das sollte auch für die Mittagsverpflegung an Schulen gelten. Wir müssen eine Lösung finden, mit der alle Kinder und Jugendlichen davon profitieren, egal, welche sozioökonomische Herkunft sie haben. Der Bürgerrat empfiehlt eine Finanzierung über Bundesmittel mit einer Kofinanzierung des Landes. Ein guter und pragmatischer Vorschlag dazu ist, dass man die Mittel für die geplante Kindergelderhöhung für die Finanzierung der kostenfreien Mahlzeit nutzt. So könnten die Mittel ohne große (Jette Waldinger-Thiering) Bürokratie für das Wohl der Kinder eingesetzt werden. Ich möchte noch einmal ein paar Sätze zu dem EU-Programm für Schulobst und -gemüse sagen. Das ist ein gutes Programm. Es ist aber sehr bürokratisch, und es kann leider nicht für ein warmes Mittagessen umgewidmet werden. Das geht leider nicht. (Zuruf Martin Habersaat [SPD]) Aber ich finde, wir sollten wirklich da ansetzen, dass wir das warme Mittagessen für die Kita und aufwachsend meinetwegen für die Grundschülerinnen und -schüler einführen. Denn wie schon in so vielen anderen Reden davor gesagt wurde: Wenn der Motor nicht vernünftig versorgt wird, dann kann der Motor auch nichts leisten. Es gibt ein dänisches Sprichwort, das sagt: „Uden mad og drikke duer helten ikke“, also: „Ohne Essen und Trinken funktioniert der Held nicht!“ Ich glaube, wir brauchen Heldinnen und Helden in den Schulen und in den Kitas. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SSW und Catharina Johanna Nies [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])
