Jette Waldinger-Thiering
Vielen Dank. – Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erteile ich nun das Wort der Abgeordneten Catharina Nies. Catharina Johanna Nies [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Auch ich bedanke mich ganz herzlich bei Ministerin Touré für die zwei Berichte zu der Fachkräfte- und Ausbildungssituation in Schleswig-Holstein und den zukünftigen Bedarfen in Kita und Jugendhilfe. Der Arbeits- und Fachkräftemangel ist im öffentlichen Dienst und in nahezu allen Wirtschaftsbereichen angekommen – auch in den Kindertageseinrichtungen in Schleswig-Holstein. Wir wissen das seit geraumer Zeit, und im Herbst 2022 bereits haben wir deshalb die Fachkräfte-Stärken-Strategie in der frühkindlichen Bildung eingeleitet und seit 2023 damit begonnen, gegen dieses Problem anzuarbeiten. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Nach der Erhöhung auf zunächst 5 Millionen Euro 2023 investieren wir seit diesem Jahr nun jährlich 10 Millionen Euro in die Fachkräftestärkung, Fachkräfteausbildung und Fachkräftefortbildung der SPAs, Erzieherinnen und Heilpädagoginnen. Ich finde, das kann sich sehen lassen. Klar ist aber auch, dass so ein Aufholmanöver, das wir jetzt gestartet haben, Zeit braucht. Eine einfache Patentlösung gibt es auch in anderen Bundesländern nicht – vor dieser Herausforderung stehen alle gleichermaßen. Damit die Fachkräfte-Stärken-Strategie aufgeht, müssen die Arbeitsbedingungen in der frühkindlichen Bildung attraktiver werden, und darüber haben wir zum Beispiel gestern gesprochen. Beim Finanzierungssystem und der Novellierung des Kindertagesförderungsgesetzes haben wir das im Blick gehabt. Deshalb haben wir mit dem neuen Anstellungsschlüssel Bürokratie abgebaut, Vorgaben vereinfacht, Überstundenabbau erleichtert und mehr Flexibilität in den Kitas geschaffen. Wir geben ab 2025 zusätzlich 60 Millionen Euro ins System, um Tarifsteigerungen, erhöhte Platzzahlen, Steigerungen der Sozialversicherungsabgaben und die Bildungs- und Betreuungsqualität abzusichern. Mit der Stärkung der praxisintegrierten, bezahlten Ausbildung neben den Erzieher_innen, nun auch offen für SPAs und Heilpädagog_innen, machen wir die Ausbildung wesentlich attraktiver für die jungen Menschen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Außerdem werden die Ausbildungskapazitäten stetig weiter ausgebaut. 1.433 Schüler_innen sind aktuell im ersten Weiterbildungsjahr als Erzieher_innen, im Schuljahr 2024/2025 werden bereits 1.799 Plätze zur Verfügung stehen. 600 Plätze in der praxisintegrierten Ausbildung fördert das Land aktuell im ersten Ausbildungsjahr; im nächsten Schuljahr werden es mehr als 900 sein. Mit der Kitanovelle schaffen wir die neue Möglichkeit für Kitas, unabhängig von dem weiter existierenden Landesförderprogramm PiA Auszubildende einzustellen und über das SQKM zu finanzieren. Mehr als 60 zusätzliche Stellen wurden den Berufsund Fachschulen zur Verfügung gestellt. Wir bilden endlich eigene Lehrkräfte für Sozialpädagogik aus. Der Studiengang lief vor gut einem Monat an der CAU Kiel an. Den Berichten ist zu entnehmen, dass in den Kindertageseinrichtungen in Schleswig-Holstein heute knapp 50 Prozent mehr Menschen arbeiten als noch vor zehn Jahren. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) 2014 waren es noch 17.000 Fachkräfte, 2023 rund 25.000. Die Zahl der Kinder aber ist im gleichen Zeitraum deutlich weniger gestiegen. Das Verhältnis hat sich (Catharina Johanna Nies) also zugunsten der Betreuungsqualität verbessert. Das ist ein gutes Zeichen. Von 2021 auf 2022 hatte Schleswig-Holstein mit 5,8 Prozent sogar den bundesweit höchsten Zuwachs an Arbeitsplätzen an Kitas, was sicher mit dem damals eingeführten Fachkraft-Kind-Schlüssel von 2,0 zusammenhängt. Diesen Schlüssel führen wir mit unserer Gesetzesnovelle, die wir gestern auf den Weg gebracht haben, nicht nur fort, sondern stärken ihn durch weitere 36 Millionen Euro für Vertretung von Leitungsund Verfügungszeiten sowie zusätzliche Stellenanteile für eingruppige Einrichtungen. Je mehr Puffer genau an dieser Stelle im System ist, desto eher kann die Betreuungsqualität in der Realität trotz unplanmäßiger Ausfälle eingehalten werden. Auch wenn es schwierig ist, den Personalanspruch von 2,0 flächendeckend umzusetzen, und er die Nachfrage für Fachkräfte weiter verstärkt hat und weiterhin verstärkt, ist es gleichzeitig ein Erfolg der Kitareform, diesen Qualitätsstandard zu haben. Wir brauchen langfristig eine belastbare Prognose des Fachkräftebedarfs in der frühkindlichen Bildung. Der Bericht zeigt, wie das gelingen kann. Wir wissen schon jetzt, dass wir in den nächsten fünf Jahren dringend jede Fachkraft brauchen, die wir kriegen können. Aus meiner Sicht werden wir deshalb auch nicht darum herumkommen, uns noch mehr auf den Quereinstieg und auf die Anerkennung ausländischer Teilqualifikationen zu konzentrieren, als wir das bisher getan haben. Die Zahlen aus den Berichten zeigen eindrücklich, dass die bisherigen Bemühungen wichtig sind und alle an den aufgezeigten Stellen weiterhin notwendig sein werden. Wir dürfen also nicht nachlassen. Wir machen weiter. Eine letzte Bemerkung: Der Landesrahmenvertrag der Jugendhilfe ist nicht Aufgabe des Landes, sondern wird zwischen Kommunen und Trägern verhandelt. (Zuruf Sophia Schiebe [SPD]) Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU)
