Lars Harms
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich bin vielleicht einer der wenigen hier im Saal, der die Segelwettbewerbe im Jahr 1972 hier in Kiel bewusst wahrgenommen hat. (Serpil Midyatli [SPD]: Angeber! – Zuruf CDU: Ein Zeitzeuge! – Heiterkeit) Meine Damen und Herren, als achtjähriges Kind stand ich beeindruckt von den vielen Booten und Segeln und Flaggen in Schilksee. Überall bunte Fahnen, überall Freunde, und überall Tausende Menschen am Wasser. Das sind Erinnerungen, meine Damen und Herren, die bleiben. Das muss man auch sagen. Ich weiß nicht, wie es für Sie war, aber auch in diesem Jahr haben die Olympischen und Paralympischen Spiele meinen Sommer begleitet. Egal, wen ich fragte: Alle saßen immer wieder wie gebannt vor dem Fernseher, um irgendeinem der Wettbewerbe zu folgen, oft mit der ganzen Familie oder auch im Freundeskreis. Wir bangten in jeder Kurve um die Radsportlerinnen, die beim Keirin im Velodrom fuhren, sprangen von der Couch auf beim Staffellauf, jubelten beim letzten Spiel von Mikkel Hansen beim Handballfinale und machten uns einen Spaß daraus, Dirk Nowitzki, der groß genug dafür ist, im Publikum zu erspähen. Die Olympischen Spiele in der Form, in der wir sie kennen, begeistern die Menschen seit über 100 Jahren, und ich würde Schleswig-Holstein immer wieder aufs Neue wünschen, Teil dieses Spektakels sein zu können. (Beifall SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und FDP) Damit verbunden ist selbstverständlich ein hoher Arbeitsaufwand, und aus diesem Grund kann das nur Hand in Hand mit der Stadt Kiel passieren. Deswegen bin ich besonders froh, dass wir mit der Stadtverwaltung schon jetzt gut zusammenarbeiten und in die gleiche Richtung gehen. Großveranstaltungen dieser Art bieten immer ein enormes Potenzial für die Region – sei es im Marketing oder in handfesten infrastrukturellen Veränderungen. Olympische Spiele in Schleswig-Holstein: Bessere Werbung kann es für den Segelstandort doch gar nicht geben, von den Effekten in den verschiedenen Bereichen ganz zu schweigen. In der Vergangenheit war das bereits der Ausbau des Schilkseer Hafens, der Bau der Autobahn 7 und deren Anbindung mitsamt des Neubaus einer Brücke über den Kanal, die gerade neu gebaut wird. Das ganze Land hat davon einen Riesenerfolg. Ich kann mich tatsächlich noch daran erinnern: Es gab keine Autobahn, die hier herführte. Wenn wir von Husum fuhren, fuhren wir zweieinhalb bis drei Stunden. (Christopher Vogt [FDP]: Wie heute! – Sybilla Nitsch [SSW]: Anderthalb Stunden!) Das ist alles etwas schneller und vor allem nachhaltiger und ökologischer geworden. Mit der Bewerbung bieten sich immer gute Chancen auf verschiedene Bundesförderungen. Vor allem in den derzeitigen Haushaltslagen sollte man (Lars Harms) diese Möglichkeit eben nicht ausschlagen. Man soll keine Angst davor haben, sondern wir können hier wirklich viel für unsere Region gewinnen. Im Gegensatz zu Hamburg haben sich die Bürgerinnen und Bürger in Kiel bereits 2015 beim Volksentscheid über die Olympischen Spiele 2024 mehrheitlich für die Ausrichtung der Segelwettbewerbe ausgesprochen. Ich bin guter Hoffnung, dass das Stimmungsbild in der Stadt in der Zwischenzeit nicht gekippt ist. Jedenfalls steht die Mehrheit der Ratsversammlung hinter dem Projekt. Wichtig wäre es für uns als SSW hier im Landtag genauso wie für den SSW in der Kieler Ratsversammlung, dass bei den anstehenden Planungen nicht nur Schilksee, sondern der gesamte Kieler Norden in den Blick genommen wird. Es bietet sich einfach an, hier nachhaltig und vor allem bei der Infrastruktur großflächig zu planen. Ich denke da an den öffentlichen Nahverkehr, Potenziale bei der anvisierten Stadtbahn, Pendlerparkplätze, aber auch an den Wohnungsbau, der bereits jetzt eine Herausforderung für die Stadt darstellt. Unterkünfte für die Spiele anschließend als bezahlbaren Wohnraum zu nutzen, wäre für alle Seiten ein absoluter Gewinn. (Beifall SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD) Bei so großen Veranstaltungen gibt es immer auch ein paar Sorgen, die im Raum stehen. Deswegen ist es gut, mit der Bewerbung sofort in Gang zu gehen und alle gesellschaftlich relevanten Gruppen einzubeziehen. Hinter dieser Idee muss man eine ganze Stadt, teilweise eine ganze Region, ein ganzes Bundesland versammeln, damit sie auch wirklich zu etwas wird. Wir als SSW sind definitiv dazu bereit und freuen uns auf alle Planungen. Ich sage es noch einmal: Es ist ein fantastisches Erlebnis, wenn man nicht nur am Fernseher dabei ist, sondern tatsächlich vor Ort dabei ist. Das prägt Menschen, und das führt dazu, dass man auch für andere Menschen offen wird. Ähnlich wie bei der Kieler Woche werden die Olympischen Spiele noch größer und imposanter sein und noch mehr dazu führen, dass Menschen aller Nationen sich hier in Freiheit und Frieden und in gegenseitigem Vertrauen treffen können. Das alleine ist schon wirklich ein Punkt, bei dem man fragen muss: Wo kann das besser gelingen als in Schleswig-Holstein? Deswegen lassen Sie uns alle daran arbeiten, dass die Olympischen Spiele zu uns kommen. – Vielen Dank. (Beifall ganzes Haus)
