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Christopher Vogt

FDP 21.11.2024 Sitzungen 20/73

Liebe Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich freue mich über die große Einigkeit in dieser Sache. Ich sage aber auch sehr deutlich: Auch für kontroverse Debatten braucht man ein Parlament, dafür ist es da. (Beifall FDP, SPD und SSW – Lasse Petersdotter [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Ist ja gut!) Man muss kein ausgewiesener Fan des Internationalen Olympischen Komitees sein, um ein großer Anhänger des olympischen Gedankens zu sein. Der olympische Gedanke ermöglicht, Menschen aus aller Welt an einem Ort zusammenzubringen und sich einander mit Respekt, Toleranz und gegenseitigem Verständnis zu begegnen. Was für eine großartige, zeitlose Botschaft in diesen wirklich schwierigen Zeiten! Sollte sich Deutschland um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele im Jahr 2036 oder 2040 bewerben – wir sind als FDP-Fraktion sehr dafür –, dann sollte Schleswig-Holstein unbedingt mit am Start sein. Ich will noch einmal (Christopher Vogt) deutlich sagen: Es geht auch um die Paralympischen Spiele, die in Paris beeindruckend waren, die gezeigt haben, dass auch Menschen mit Behinderung in der Lage sind, Großartiges, Sportliches zu leisten. Auch das ist ein Punkt, den man nicht unter den Tisch fallen lassen sollte; er ist sehr wichtig. (Beifall FDP, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, SSW und vereinzelt CDU) Kiel war – zumindest für das Segeln – bereits zweimal ein Austragungsort der Olympischen Sommerspiele und wäre auch jetzt prädestiniert für das Segeln, für das Küstenrudern und das Freiwasserschwimmen. Unsere Landeshauptstadt zeigt der Welt mit der Kieler Woche Jahr für Jahr, dass große nationale Sportereignisse hier reibungslos funktionieren und zu Hause sind. Wir freuen uns darüber, dass Kiel einer der Austragungsorte der Handball-Weltmeisterschaft im Jahr 2027 sein wird. Unserer Fraktion ist sehr wichtig, dass im Falle einer deutschen Bewerbung frühzeitig und ernsthaft geprüft wird, ob unser Bundesland für die Austragung weiterer Disziplinen infrage kommt. (Beifall Beate Raudies [SPD]) Insbesondere dann, wenn es zu einer gemeinsamen Bewerbung von Hamburg und Berlin kommen sollte, was ich sehr hoffe, würde das Hamburger Umland für die Austragung einer ganzen Reihe von Disziplinen in den Fokus rücken. (Beifall FDP, CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW – Zuruf Beate Raudies [SPD]) Auch das möchte ich sehr deutlich an dieser Stelle betonen. Das erklärt vielleicht auch ein Stück weit die Begeisterung des Kollegen Koch und von mir. Ich möchte noch auf einen Punkt hinweisen, der auch schon in der Debatte eine Rolle gespielt hat. 1936 haben die Nazis die Olympischen Spiele in Berlin für ihre Propaganda massiv missbraucht. Deswegen gibt es natürlich auch international die Debatte: Na ja, gerade im Jahr 2036 sollte das dann in Berlin oder in Deutschland stattfinden. Das könnte möglich sein, gerade um einen Kontrapunkt gegen die Propaganda der Nazis damals zu setzen. Aber auch das Jahr 2040 wäre natürlich ein guter Zeitpunkt. Wie auch immer, Schleswig-Holstein ist ein sportbegeistertes und sehr weltoffenes Bundesland. Es wurde schon gesagt: Im Jahr 2015 ist die Olympiabewerbung in Hamburg im Volksentscheid an der Mehrheitsmeinung der Bevölkerung gescheitert; hier in Kiel gab es eine klare Mehrheit für die Bewerbung zu den Olympischen Spielen. Es geht hier nicht um Größenwahn, sondern um eine echte Win-win-Situation. Die Welt des Sports würde von großartigen Gastgebern in Norddeutschland profitieren. Die gesamte Region würde die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit genießen können und über Jahrzehnte von einer modernisierten Sport- und Verkehrsinfrastruktur profitieren, die hier auch nachhaltig genutzt werden würde. Wir konnten im vergangenen Sommer in Paris sehen, was für ein Feuer der Begeisterung Olympische Spiele entfachen können, wie der Sport für eine gewisse Zeit in den Mittelpunkt rückt und viele positive Emotionen – was in diesen Zeiten besonders wichtig ist – auslösen kann. Für uns ist klar: Olympia ist weit mehr als nur ein sportliches Großereignis. Es bringt Millionen von Menschen aus aller Welt, aus verschiedenen Nationen und Kulturen zusammen und schafft ein Fest des friedlichen Miteinanders und der Völkerverständigung. Auf die Bilder mit den Nord- und Südkoreanern wurde hier schon hingewiesen. Ich will noch mal daran erinnern, dass es auch zu Zeiten der deutschen Teilung in den Jahren von 1956 bis 1964 dreimal eine gesamtdeutsche Mannschaft gab. Auch danach war das immer ein Punkt, an dem Ost- und Westdeutsche zusammengekommen sind; Ostdeutsche leider in sehr eingeschränktem Rahmen, wie wir wissen. Für Deutschland war das auch während der Teilung unseres Landes immer ein wichtiger Punkt. Insbesondere für nachfolgende Generationen könnte Olympia in Deutschland wertvolle Impulse setzen. Ich will es deutlich sagen: Die Sportförderung sollte und müsste nachhaltig gestärkt werden, was für den Breitensport, aber auch gerade für den Spitzensport sehr wichtig wäre. Olympia ist eine große Inspiration, ein Symbol dafür, was durch Einsatz, Disziplin und Gemeinschaft erreicht werden kann. Die letzten Olympischen Spiele in Paris, so schön sie waren, haben uns noch mal sehr deutlich aufgezeigt, dass die Sportförderung in Deutschland, gerade im Spitzensport, stark reformbedürftig ist. Wir können uns nicht darüber beschweren, dass wir immer weniger Medaillen holen, wenn wir eine Sportförderung haben, durch die die beruflichen Nachteile für viele Athleten so groß sind, dass sie sich überlegen müssen, ob sie überhaupt diesen Weg gehen. Ich glaube, diesbezüglich müssen wir uns besser aufstellen. (Christopher Vogt) Wir sollten einen Paradigmenwechsel haben. Das könnte eine Chance für Deutschland sein, dass man den Kindern wieder stärker altersangemessen vermittelt, dass Anstrengungen und Leistungen wichtig sind, dass zum Sport und zum Leben auch immer Niederlagen gehören. Diese notwendige Frustrationstoleranz braucht es, um im Sport und im Leben voranzukommen. Bei meinem Antrag zu den Bundesjugendspielen haben mir die Grünen „Turbokapitalismus im Sandkasten“ vorgeworfen. (Zuruf BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Oh! – Heiterkeit Sybilla Nitsch [SSW]) Ich hoffe, dass man im Regierungslager mittlerweile ein bisschen schlauer geworden ist, nicht nur, weil es um den eigenen Wahlkreis geht. Abschließend möchte ich sagen: Wir würden sehr profitieren; die Autobahn 215 wurde schon genannt. Ich hätte mir in den letzten 20 Jahren gewünscht, dass auch die Autobahn A 21 im Jahr 1972 fertiggebaut worden wäre. (Beifall FDP, CDU, SSW und Beate Raudies [SPD] – Heiterkeit SSW) Dann wäre uns und mir persönlich viel erspart geblieben. Abschließend will ich sagen: Schleswig-Holstein würde sehr profitieren. Ich freue mich über die große Einigkeit. Es muss auch alles dafür getan werden, damit die Bewerbung erfolgreich ist. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall FDP, CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW und vereinzelt SPD)

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