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Christopher Vogt

FDP 20.11.2024 Sitzungen 20/72

Na ja, gut. – Bei der Stärkung der finanziellen Bildung geht es nicht um irgendeinen Fetisch der FDP – vielleicht auch, aber nicht nur –, sondern um eine wichtige Frage der Chancengerechtigkeit. (Beifall FDP, SPD und SSW) Finanzkompetenz ist laut OECD die „Kombination aus finanziellem Problembewusstsein, Wissen, Fähigkeiten, Einstellungen und Verhaltensweisen, die notwendig ist, um solide Finanzentscheidungen zu treffen und damit letztlich das finanzielle Wohlergehen zu sichern“. Deutschland ist aktuell das einzige G‑20-Mitgliedsland, das über keine Finanzbildungsstrategie ver- (Christopher Vogt) fügt. Dieser Befund hat vermutlich auch mit dem deutschen Bildungsföderalismus zu tun. Das Finanzkompetenzniveau in Deutschland ist im internationalen Vergleich eigentlich relativ hoch. Es liegt bei 76 von 100 Punkten, aber es gibt eben an vielen Stellen noch viel Luft nach oben, und es gibt erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen gesellschaftlichen Gruppen. Finanzwissen ist sowohl bei Geringverdienern im Vergleich zu Besserverdienern als auch bei Frauen im Vergleich zu Männern deutlich geringer ausgeprägt. Man sollte daran arbeiten, dass sich dies ändert. Eine bessere Finanzkompetenz stärkt nicht nur die eigene individuelle Situation, insbesondere bezüglich der Altersvorsorge, was vor allem für die junge Generation ja von elementarer Bedeutung ist oder sein wird, sondern trägt auch zur allgemeinen Wohlstandssicherung des Landes bei. Den Wunsch vieler Jugendlicher nach einer besseren wirtschaftlichen und auch finanziellen Bildung für einen guten Start ins Erwachsenenleben hört man bei fast allen Veranstaltungen in den Schulen: Welche Verpflichtungen und Risiken gehe ich ein, wenn ich einen Handyvertrag oder eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio abschließe? Welche Versicherungen gibt es, und welche davon brauche ich eigentlich wirklich? Wie läuft das mit den Steuern und Abgaben? Wie funktioniert das mit Aktien und Zinsen? Wie kann ich Vermögen aufbauen, um für das Alter vorzusorgen oder mich gegen längere Krankheit abzusichern? Leider haben wir in Deutschland bisher keine ausgeprägte Aktienkultur wie in anderen westlichen Ländern, zum Beispiel wie in Skandinavien, was den Wohlstand unseres Landes mindert, gerade auch mit Blick auf unser stark reformbedürftiges System der gesetzlichen Rentenversicherung. Im Frühjahr des letzten Jahres hatte die Bundesregierung den Startschuss für eine Initiative zur finanziellen Bildung gegeben, weil sie den Bedarf damals zu Recht erkannt hat. Es soll zu diesem Bereich mehr Forschung, mehr Vernetzung zwischen den beteiligten Akteuren, eine nationale Finanzbildungsstrategie geben. Es geht ausdrücklich nicht darum, jungen Menschen zu hemmungslosen Spekulanten ohne Rücksicht auf Verluste zu machen, wie einige Kritiker, namentlich Attac, es in verschiedenen Medien behauptet haben. Es geht vielmehr darum, den jungen Menschen die Grundlagen für ein eigenverantwortliches Leben mitzugeben, denn unser Alltag ist ständig und überall von Finanzthemen geprägt. Wir wollen, dass dafür gesorgt wird, dass alle Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein zukünftig eine bessere finanzielle Bildung genießen können. Dafür braucht es entsprechende Fortbildung für die Lehrkräfte und ein geeignetes zeitgemäßes Unterrichtsmaterial; auch die angemessene Einbindung externer Akteure kann den notwendigen Praxisbezug erhöhen. Nun habe ich den SPD-Änderungsantrag gesehen; dort wird an dieser Stelle Neutralität eingefordert. Das ist für uns selbstverständlich. Ich weiß, Herr Kollege Habersaat, wir sind da für Sie ein bisschen verdächtig. Aber glauben Sie mir, für uns ist das selbstverständlich. Wir können uns dem gerne anschließen. (Martin Habersaat [SPD]: Vielen Dank!) Der Koalitionsvertrag sagt immerhin aus: Ja, bei der Altersvorsorge muss es noch besser werden. Ansonsten ist man zufrieden, Herr Kollege Junghans. Also wirklich, man ist mit sich selbst wieder sehr zufrieden und sehr im Reinen; das finde ich super. Das reicht aber für die Menschen in Schleswig-Holstein nicht aus. (Beifall FDP und SSW) Insofern: Es braucht an dieser Stelle ein gemeinsames Vorgehen von Bund und Ländern, denn nicht jedes Bundesland muss das Rad neu erfinden. Die Landesregierung sollte sich konstruktiv auf der Bundesebene einbringen und das Land in eine nationale Finanzbildungsstrategie einbinden. Ich würde mich freuen, wenn die anderen Fraktionen unserem Vorschlag offen gegenüberstehen, denn das Thema ist wirklich wichtig. Auch hier schlage ich vor, das im Ausschuss weiter zu vertiefen. Jetzt reicht es auch. – Schönen guten Abend! Vielen Dank. (Beifall FDP, SSW und Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

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