Christopher Vogt
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Kollege Krüger hat meine Meinung zum Thema ja schon teilweise wiedergegeben. Trotzdem will ich ein paar Dinge anmerken: Medienkompetenz wird in Zeiten von immer neuen Social-Media-Plattformen insbesondere aus China, künstlicher Intelligenz, Fake News, Populismus und Propaganda immer wichtiger. Es geht dabei nicht nur darum, dass sich jede und jeder einzelne als mündiger Mensch eine vernünftige Meinung bilden kann und im Zweifel auch nicht Opfer von Attacken wird, sondern es geht dabei ganz konkret auch um die Stabilität unserer Demokratie. Ich glaube, so weit muss man an der Stelle gehen, und das will ich deutlich sagen. (Beifall FDP, SPD und SSW) Das Thema betrifft bei Weitem nicht nur die jungen Menschen, aber für sie hat das Land eben auch eine besondere Verantwortung. Der Kollege Junghans hat recht, dass muss in gewissem Maße bereits in der Kita beginnen, aber die Schulen stehen hier ganz besonders im Fokus. Aus meiner Sicht ist es ein Irrglaube, wenn man automatisch davon ausgeht, dass sich die junge Generation quasi automatisch im Netz gut zurechtfindet, weil sie ja mit der Technik aufgewachsen ist. Leider ist es so, dass verschiedene Studien vielen Jugendlichen bescheinigen, dass sie vor allem klicken und wischen beherrschen. Das reicht natürlich nicht aus. Ich bin der SPD-Fraktion deshalb dankbar dafür, dass sie das wichtige Thema Medienbildung mit ihrem Antrag aufgreift, auch wenn in der Tat keine wirklich neuen Vorschläge darin enthalten sind. (Christopher Vogt) Man muss festhalten, dass das Thema Medienbildung an unseren Schulen in den letzten Jahren völlig zu Recht deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Viele Schulen sind da wirklich auf einem guten Weg, das will ich sehr deutlich sagen. Aber die Medienbildung muss eben flächendeckend deutlich gestärkt werden. Ich glaube, darum muss es gehen. Die künstliche Intelligenz bedeutet, wie wir wissen, große Chancen, sie birgt aber auch große Risiken, gerade im Bereich der Fake News. Wenn man sich teilweise die Videos anguckt, dann kann man dies, wenn es nicht gebranded ist, im ersten Moment nicht erkennen. Am besten kann man natürlich Fake News erkennen, wenn man technisch auf dem neusten Stand ist und gleichzeitig über eine gute politische und am besten auch wirtschaftliche Bildung verfügt. Deshalb ist hier auch nicht nur das neue Pflichtfach Informatik so wichtig, sondern auch die von uns vorgeschlagene Stärkung des Faches Wirtschaft/Politik. (Beifall FDP und Martin Habersaat [SPD]) Die Vorredner haben es gesagt: die Medienbildung muss letztlich fächerübergreifend stattfinden, und das ist immer leichter gesagt als getan. Wichtig ist, dass Medienbildung immer altersangemessen erfolgen muss. Kinder im Grundschulalter wachsen mit digitalen Endgeräten auf. Sie müssen in der Schule wie auch zu Hause vernünftig herangeführt werden. Herr Kollege Junghans, um eines deutlich zu sagen: Private Handys haben aus meiner Sicht in Grundschulen nichts zu suchen. Ich will auch sagen: So einfach ist das Thema nicht, denn auch bei Smartwatches, die mittlerweile an Grundschulen weit verbreitet sind, muss das vernünftig laufen. Das ist nicht so einfach. Es wäre falsch, dass man Kinder künstlich von digitalen Endgeräten fernhält. Das funktioniert nicht, und das ist auch nicht richtig. Aber unangemessener Medienkonsum ist in vielen Familien ein großes Problem, gerade nach der Pandemie. Seien wir doch einmal ehrlich miteinander: Gerade politisch aktive Menschen sind besonders anfällig, was exzessiven Medienkonsum angeht. Zumindest möchte ich das für mich in Anspruch nehmen, und wenn ich die aktuelle Handynutzung hier im Saal sehe, dann glaube ich, dass ich richtigliege. Wir wollen die Familien nicht bevormunden, aber sinnvolle Empfehlungen oder Handreichungen von Medienkompetenzzentren – der Kollege Krüger hat es schon angekündigt – wären für viele Familien sicherlich eine hilfreiche Orientierung. Ich glaube, da gibt es noch Luft nach oben. Unsere Jugendlichen müssen verstehen können, wie Algorithmen wirken und was im Bereich der künstlichen Intelligenz, wo die technischen Fortschritte ja mittlerweile wirklich enorm sind, alles möglich ist. Die im SPD-Antrag thematisierten Medienscouts können ein Baustein sein, um hier besser zu werden. Es gibt aber so oder so enorme Herausforderungen für die Fortbildung unserer Lehrkräfte. Es wurde eine zuverlässige Ausstattung mit digitalen Endgeräten angesprochen. Das ist natürlich ein wichtiger Punkt, damit man es den Schulen erleichtert, eine gute Medienbildung zu leisten: Ich habe hier markige Worte zum DigitalPakt gehört. Ich freue mich darauf, dass Herr Özdemir das jetzt umsetzt. (Beifall FDP und Dirk Kock-Rohwer [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Wenn es bald vermutlich eine CDU-geführte Bundesregierung gibt, freue ich mich schon darauf, wenn dann hier weiterhin im Plenum massenhaft Anträge von Schwarz-Grün mit der Forderung „Der Bund muss das alles finanzieren“ kommen. (Beifall FDP und SPD) Das wird richtig gut. Herr Kollege Junghans, ich will abschließend ernsthaft sagen, wenn man ständig von substanzlosen Anträgen der Opposition spricht, (Lachen Habersaat [SPD]) empfehle ich Ihnen, beim nächsten Thema hierzubleiben. (Heiterkeit SPD) Dann schauen Sie sich, wenn Sie so ein Freund von Substanzlosigkeit sind, den Alternativantrag Ihrer Fraktion mit den Grünen zum Thema „Finanzielle Bildung“ an, (Beifall FDP, SPD und SSW) dann wissen Sie, was substanzlos ist. Digitaler Unterricht ist natürlich kein Selbstzweck, sondern er soll dazu dienen, die Unterrichtsqualität zu verbessern. Dafür braucht es aber auch bessere Anwendungen, denn der digitale Unterricht ist momentan eher auf dem Rückzug. Das liegt daran, dass die Anwendungen auch nicht so toll sind, wie sie sein sollten. Ich freue mich auf eine weitere Diskussion im Ausschuss. Ich glaube, wir haben einen guten Aufschlag der SPD, das kann noch besser werden. Ich (Christopher Vogt) würde mich freuen, wenn wir das im Ausschuss vertiefen. – Vielen Dank. (Beifall FDP, SPD und SSW)
