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Oliver Kumbartzky

FDP 18.10.2024 Sitzungen 20/71

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sowohl die Berner Konvention als auch die FFHRichtlinie stellen den Wolf unter sehr strengen Schutz. So war dann auch die Rückkehr des Wolfes in Europa möglich. Das ist grundsätzlich ein Erfolg für den Natur- und Artenschutz. (Beifall ganzes Haus) Seit mittlerweile Jahrzehnten vermehrt und verbreitet sich der Wolf nun aufgrund des strengen Schutzes exponentiell in Europa, insbesondere in Deutschland und selbst in Schleswig-Holstein, dem waldärmsten Bundesland. Wer hätte gedacht, dass wir im Jahr 2024 zwei Rudel in Schleswig-Holstein haben! Ich kann Ihnen sagen, wer das nicht gedacht hätte: Der NABU. Der sh:z titelte am 16. Oktober 2018: NABU glaubt nicht an Rudelbildung. Der NABU wird dort wie folgt zitiert: Dafür fehlen hier einfach die großen Areale, in denen die Tiere ungestört sind. Riesige Flächen ohne Autos und Menschen, so etwas gibt es noch in Niedersachsen und Brandenburg, nicht aber in Schleswig-Holstein. (Zurufe SPD: Sachsenwald!) Meine Damen und Herren, so kann man sich irren. Wölfe sind nun einmal ausgesprochen anpassungsfähig, Wölfe sind ausgesprochen lernfähig, aber Wölfe sind auch ausgesprochen hungrig. Genau das führt zu Konflikten. (Zurufe) Meine Damen und Herren, wir haben hier im Landtag schon oft über den Wolf debattiert, teilweise sehr emotional, insbesondere dann, wenn große Rissereignisse stattgefunden haben, auf Weiden, selbst auf Deichen. Vor vielen Jahren, im Mai 2015, warf der von mir sehr geschätzte Kollege Hauke Göttsch dem damaligen Umweltminister Dr. Robert Habeck – die Älteren werden sich an ihn erinnern – vor: Herr Minister, Sie haben den Wolf verpennt. Das stimmte auch. Nach 2015 wurde das Wolfsmanagement immer wieder angepasst, übrigens von unterschiedlichen Koalitionen und unterschiedlichen Mehrheiten, aber es wurde zu Recht angepasst, denn die Anzahl an Sichtungen nahm zu, die Anzahl an Nachweisen nahm zu und auch die Anzahl an Nutztierrissen. Gerade weil wir jetzt zwei residente Wolfspaare mit Nachwuchs in Schleswig-Holstein haben und die natürliche Folge daraus sein wird, dass die Jungwölfe irgendwann das Rudel verlassen und es bald noch mehr Wölfe in Schleswig-Holstein geben wird, war die Aufnahme des Wolfes ins Landesjagdrecht im letzten Jahr eine logische und vorausschauende Konsequenz dieser Entwicklung. (Beifall FDP, CDU und SSW) Genauso vorausschauend und konsequent ist der nun vorliegende FDP-Antrag. Wir machen der Landesregierung ein Angebot, frühzeitig die richtigen Weichen hin zu einem aktiven Bestandsmanagement zu stellen. Ja, ich weiß, dass das jetzt noch nicht geht. Deswegen steht im Antrag bewusst die Formulierung „vorbereiten“. Wir müssen vorbereitet sein, wir können nicht jede Fläche wolfssicher einzäunen, erst recht nicht unsere Deiche. (Oliver Kumbartzky) Wenn man eine Abwägung zwischen Wolfsschutz und Wolfsbestandsanstieg auf der einen Seite und Schutz der Weidetierhaltung und des Artenschutzes, der Pflege der Kulturlandschaft und des Küstenschutzes auf der anderen Seite vornimmt, dann liegt doch auf der Hand, welche politische Entscheidung jetzt ansteht: Wir brauchen ein aktives Bestandsmanagement und eine schadensunabhängige Bejagung des Wolfs. Das macht man bei anderen Wildtierarten schließlich auch so. Man hat das auch auf EU-Ebene erkannt. Die Europäische Kommission ist bereit, den Schutzstatus des Wolfes zu lockern, damit ein flexibleres Management möglich ist, ohne den günstigen Erhaltungszustand zu gefährden. Genau darauf muss man jetzt vorbereitet sein. Insofern ist unser Antrag eine Hilfestellung an den Umweltminister, damit dieser das Thema nicht verpennt wie sein Vorvorgänger. Wir dürfen unsere Weidetierhalter nicht alleinlassen. Wer möchte, dass Tiere in Freiland gehalten werden, der muss auch für ihren Schutz sorgen. Es geht uns nicht darum, den Wolf wieder auszurotten, sondern es geht um eine ausgewogene Politik, die die Weidetierhaltung und den Küstenschutz nicht außer Acht lässt. Deswegen bitte ich um Zustimmung. – Vielen Dank. (Beifall FDP und vereinzelt CDU)

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