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Serpil Midyatli

SPD 17.10.2024 Sitzungen 20/70

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Sprache ist eine wesentliche Grundlage für den weiteren Bildungsweg. Sie ist die notwendige Voraussetzung. Je früher wir mit der Sprachförderung starten, desto mehr Chancen haben die Kinder in der Schule. Warum ist das so wichtig? – Ein Blick in die Bildungsstudien zeigt, dass die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler immer schlechter werden. PISA-Studie: Schülerinnen und Schüler in Deutschland können schlechter lesen als je zuvor; Bildungstrend IQB: Rund ein Drittel der Neuntklässlerinnen und Neuntklässler erreicht nicht den Mindeststandard für den mittleren Schulabschluss im Lesen; IGLU: Jedes vierte Kind in der 4. Klasse kann noch nicht einmal ein Pixi-Buch lesen. Die Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern hat sich in den letzten 20 Jahren verschlechtert. All diese Defizite haben einen gemeinsamen Kern: Die fehlende beziehungsweise unzureichende deutsche Sprache. (Beifall SPD) Nun war Schleswig-Holstein nicht allein mit diesem Problem. Andere Bundesländer standen vor ähnlichen Herausforderungen. Was ich aber Herrn Günther und Frau Prien vorwerfe, ist, dass sie über sieben Jahre lang die Hände in den Schoß gelegt und nicht gehandelt haben. Die CDU geht sogar so weit und gibt die Schuld für das schlechte Abschneiden den Schülerinnen und Schülern, statt dafür zu sorgen, dass es besser wird, Frau Ministerin. (Beifall SPD und Sybilla Nitsch [SSW]) Dabei müssten Sie sich noch nicht einmal etwas einfallen lassen, denn es gibt gute Beispiele, und die sind direkt in der Nachbarschaft: Hamburg hat seit Jahren ein sehr erfolgreiches und verbindliches Screening von Viereinhalbjährigen eingeführt. Neben dem kostenlosen Ganztag, neben dem Recht auf Nachhilfe und den Jugendberufsagenturen sind die Screenings mit Monitoringberichten einer der Bausteine, die Hamburg in den jüngsten Bildungsvergleichen ganz nach vorn gebracht haben. Welch eine Chance für die Kinder in Hamburg, dass sie eine Landesregierung haben, die sich sorgt und die sich um die Kinder kümmert! (Beifall SPD) Pech leider für die Kinder in Schleswig-Holstein, weil seit Jahren unsere Forderungen, die der SPDFraktion, hier nicht gehört werden. Verehrte Kolleginnen und Kollegen, dabei sprechen wir, die SPD, seit unserer Gründung Deutsch. Wir fordern ein verbindliches Screening und, wenn der Bedarf festgestellt wird, auch verbindliche Fördermaßnahmen. Nun haben wir leider viele Jahre verloren. Ganze Jahrgänge von Kindern wurden ohne entsprechende Förderung in die Grundschule geschickt. Aber jetzt soll es endlich losgehen. Ende gut, alles gut? – Weit gefehlt, denn von den über 1.800 Kitas und den über 400 Grundschulen in Schleswig-Holstein starten lediglich sieben bis zehn Kitas. Frau Prien, merken Sie eigentlich bei der Konzepterstellung, dass das vorn und hinten nicht reichen wird? Das kann doch nicht Ihr Anspruch sein! Ich will nicht unterschlagen, dass die Landesregierung bis zum Jahr 2028/2029 für alle Kinder eine flächendeckende Maßnahme anbieten will. Aber, ganz ehrlich, wenn das Screening der Schlüssel zum Erfolg für einen gelingenden Start in der Grundschule sein soll, dann fordern wir Sie auf, noch in dieser Legislatur eine flächendeckende Maßnahme für alle Kinder einzuführen. Die Kinder, die jetzt nicht die Chance auf eine verbindliche Förderung haben, werden das in den nächsten Jahren kaum bis gar nicht mehr aufholen. Deshalb sind doch die Ergebnisse in den Bildungsstudien in Schleswig-Holstein so schlecht. Verehrte Kolleginnen und Kollegen, es geht tatsächlich noch schlimmer, denn die Kinder, die keine Kita besuchen, haben komplett Pech. In Hamburg und Rheinland-Pfalz hat man dafür eine Lösung gefunden und sich entschieden, auch diese Kinder fest in den Blick zu nehmen. Aus Studien wissen wir, dass gerade Familien, in denen kein Deutsch gesprochen wird, oftmals keinen Kitaplatz finden. Noch einmal zur Erinnerung: Über 15.000 Kitaplätze fehlen in Schleswig-Holstein. Verehrte Kolleginnen und Kollegen, wir, die SPD, fordern Sie auf, eine flächendeckende Maßnahme und eine Verbindlichkeit bei der Förderung hier in Schleswig-Holstein einzurichten. Ja, Sie haben richtig gehört: Beim Erlernen der Sprache hört nämlich die Freiwilligkeit auf, denn ohne deutsche Sprache gibt es keine Aussicht auf einen erfolgreichen Bildungsabschluss. (Serpil Midyatli) Verehrte Kolleginnen und Kollegen, eine weitere gute Nachricht aus Hamburg habe ich ganz zum Schluss noch für Sie dabei. Dort haben sich die Arbeitsbedingungen in den Grundschulen deutlich verbessert, weil sich die Startchancen für die Kinder verbessert haben. Das wollen wir auch für unsere Kinder in Schleswig-Holstein, und das so schnell wie möglich. (Beifall SPD) Wir haben genug Zeit verloren. Jetzt ist Zeit zum Handeln. Kinder sind unsere Zukunft. Verehrte Kolleginnen und Kollegen, jedes Kind ist wertvoll. Deswegen verdient auch jedes Kind in SchleswigHolstein eine Chance auf gute Bildung. (Beifall SPD, FDP und Sybilla Nitsch [SSW])

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