Bina Braun
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Auch von meiner Seite zunächst einmal herzlichen Dank für den Bericht. Die Rehabilitation der Wärmepumpe – man hätte die ARGE-Studie auch gut mit diesem Titel überschreiben können. Was wurde schon für ein Unsinn über Wärmepumpen geschrieben? Unsinn, der zu solchen absurden Situationen geführt hat, dass sich selbst nach dem Angriff, dem Überfall Putins auf die Ukraine, Menschen noch neue Gasheizungen haben einbauen lassen. Ich kann gut verstehen, wenn jemand keine Lust hat, für eine Fußbodenheizung sein Haus leerzuräumen, die Böden und den Estrich rauszureißen, und alles nur, damit eine Wärmepumpe eingebaut werden kann. Aber das ist gar nicht mehr nötig. Die Studie zeigt, dass für viele Häuser im Bestand moderne Wärmepumpen bereits jetzt eine richtig gute Lösung sind. Besonders im ländlichen Raum mit vielen Ein‑ und Zweifamilienhäusern, wo wir weniger klimaneutrale Wärmenetze bekommen werden als in der Stadt, sind Wärmepumpen das Mittel der Wahl. Die richtig gute Nachricht dabei ist: Wärmepumpen bringen etwas für den Klimaschutz, selbst wenn noch nicht das ganze Haus saniert ist. In Zeiten steigender Bau- und Sanierungskosten wird diese Erkenntnis den einen oder anderen erleichtern. Klimaschutz darf eben nicht am Geld scheitern. Deshalb brauchen wir Wege, um mit den verfügbaren Mitteln das Maximum rauszuholen. Die ARGE-Studie zeigt nun, dass die Wärmepumpe ein solcher Weg sein kann. Denn nun haben wir es schwarz auf weiß. Ich wiederhole es noch einmal deutlich: Der Einbau der Wärmepumpe lohnt sich in den meisten Häusern bereits vor der Komplettsanierung. Einen Punkt möchte ich allerdings auch deutlich machen: Wir dürfen uns da nicht zurücklehnen und sagen: Das war‘s, Wärmepumpe einbauen und fertig! – Denn die Wärmepumpen brauchen Strom. Liebe Kolleg_innen, auch mit dem Strom aus erneuerbaren Energien müssen wir sparsam umgehen, denn diese Energie ist kostbar, und die Abnehmer stehen bereits Schlange. Wir wollen in SchleswigHolstein klimaneutrales Industrieland werden, und auch die Industrie benötigt Strom. Das aktuelle KfW-Energiewende-Barometer zeigt, dass auch Eigenheimbesitzer_innen diese Tatsache längst verstanden haben, in Energiewendetechnologien investieren und so langfristig Kosten sparen. Sie spüren es am eigenen Geldbeutel. Bei Mietobjekten hingegen werden die Betriebskosten durchgereicht. Hier ist der Anreiz geringer, laufende Kosten einzusparen. Dennoch lohnen sich auch hier die Investitionen in energetische Sanierung, um die Betriebskosten in Zukunft möglichst niedrig zu halten, damit die Gesamtmieten nicht ins Unendliche steigen. Unsere Innenministerin hat in einem Interview mit dem NDR darauf hingewiesen, dass die Kosten für die Sanierung Sowieso-Kosten sind, denn – das ist doch allgemein bekannt – um den Wert eines (Bina Braun) Gebäudes zu sichern, muss man es regelmäßig in Schuss halten. Das gilt auch für Mietshäuser. Auch insgesamt müssen wir sparsam mit unseren Ressourcen umgehen – und das nicht nur beim Stromverbrauch. Das bedeutet zum Beispiel, bereits verbaute Elemente wie Fenster möglichst lange zu nutzen und sie nicht vor der eigentlichen Fälligkeit auszutauschen. Sparsamkeit ist in dieser Hinsicht auch bei Neubauten eine Tugend, denn wenn ich weniger Material verbaue, muss weniger Material produziert, transportiert und eingebaut werden. Das spart auch CO ein. 2 Genau aus diesem Grund ist der Regelstandard Erleichtertes Bauen ein wichtiger Schritt hin zu günstigerem und klimafreundlicherem Bauen. Bis zu 25 Prozent der Baukosten können durch die Anwendung des Regelstandards gespart werden. Das kann sich sehen lassen. Es ist deshalb auch richtig, den Regelstandard konsequent in der sozialen Wohnraumförderung anzuwenden. Es gibt einen weiteren Aspekt, der für den Umstieg auf die Wärmepumpe spricht, und das ist die Unabhängigkeit. Als wir 2004 unser erstes Haus gebaut haben, haben wir eine Gasheizung eingebaut. Das war damals der Standard. Nach zwei oder drei Jahren bekam ich eine horrende Nachzahlungsaufforderung und habe nachgefragt, wieso jetzt hier die Kosten so hoch geworden sind, obwohl der Verbrauch gar nicht gestiegen ist. Die Antwort lautete, das Gas an sich sei nicht teurer geworden, aber der Ölpreis sei gestiegen, und der Gaspreis sei an den Ölpreis gekoppelt. Das fand ich so absurd, dass ich beim zweiten Hausbau vor zehn Jahren gesagt habe: Es kommt nur noch Erdwärmepumpe in Kombination mit Photovoltaik infrage, etwas anderes macht gar keinen Sinn. Was hatten wir 2022 nach dem Überfall Putins auf die Ukraine hier in Deutschland für Sorgen, wie wir durch den Winter kommen würden? – Unabhängigkeit ist also bei Weitem nicht nur ein Klimaschutzthema. Heizen mit Öl und Gas ist die Vergangenheit, nicht die Zukunft. Wichtig ist es, die Menschen mitzunehmen. Da zeigen uns die Ergebnisse der Studie einen sehr guten Weg auf. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und CDU)
