Jasper Balke
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich finde, es wurde schon sehr viel Richtiges gesagt, deswegen werde ich mich an dieser Stelle auf vier Punkte beschränken. Erstens ganz herzlichen Dank an die Ministerin für den mündlichen Bericht, in dem – finde ich – viele (Jasper Balke) gute Punkte waren, auf die ich noch einmal eingehen werde. Ehrlicherweise möchte ich von dieser Stelle ganz klar sagen: Es ist gut, dass wir uns hier im Parlament über das UKSH austauschen und darüber sprechen, was dort geleistet wird beziehungsweise was vielleicht nicht funktioniert. Ich muss aber gestehen, ich habe die Ministerin genau so verstanden, dass es richtig ist, über diese Punkte zu sprechen. (Widerspruch Dr. Heiner Garg [FDP]) Allerdings habe ich sie so verstanden, dass wir aufpassen müssen, wie wir bestimmte Punkte – auch in der Presse – formulieren. Wenn wir jetzt darüber reden, dass das UKSH und die Versorgung am UKSH flächendeckend oder strukturell eingeschränkt ist, dann kann ich verstehen, dass es bei vielen Menschen zu Verwirrungen kommen kann. Das ist der Kritikpunkt gewesen. Den kann man hier natürlich besprechen. (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und CDU) Der zweite Punkt: Ich finde es sehr positiv, dass das UKSH intern so schnell gehandelt hat, um die Personalengpässe zu begrenzen. Es wurden viele unterschiedliche Vorschläge vorgelegt. Einige davon finde ich sehr spannend. Unter anderem war ein Vorschlag, dass es für Medizinstudierende interessanter gemacht werden soll, im OP eingesetzt zu werden, um schon erste Erfahrungen zu sammeln. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Das ist sehr, sehr interessant. Ich glaube, davon profitieren sowohl die Lehre als auch die angehenden Ärztinnen und Ärzte. Das ist eine gute Sache, und ich glaube, von diesen Punkten brauchen wir mehr. Drittens die Personalschwierigkeiten, die angesprochen wurden: Die bestehen in jedem Krankenhaus, nicht nur im UKSH. Das heißt, wir haben ein Problem, das im gesamten Gesundheitswesen vorhanden ist. Das UKSH hat aber den Vorteil, dass es andere Mittel hat, um Personal anzuwerben. Hier möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass wir ja von einem Universitätsklinikum sprechen. Das heißt, wir sprechen nicht ausschließlich über die Patient_innenversorgung, sondern wir sprechen davon, dass an diesem Standort exzellente Forschung, Lehre und Wissenschaft betrieben wird, was natürlich auch ein Anziehungsfaktor für Menschen ist, die sich beispielsweise für Spitzenmedizin oder für Innovationen interessieren. Viele Dinge bewegen wir auch von der Landesebene aus, durch die Landesregierung. Der Digitalisierungsminister ist aktuell hier. Viele Punkte im Bereich künstliche Intelligenz finden am UKSH teilweise als Pilotprojekte statt. Ich fände es als Arbeitnehmer interessant, an Standorten zu arbeiten, wo man die neueste Technologie auch direkt mit erproben kann. Das ist ein Vorteil, den das UKSH hat, und den sollten wir an dieser Stelle nicht kleinreden. (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und Werner Kalinka [CDU]) Allerdings braucht es dafür natürlich noch mehr. Ein zentraler Punkt, der mir sehr wichtig ist und den wir hier an anderer Stelle auch schon einmal debattiert haben, ist die Lehre am Uniklinikum. Wir haben zwei Standorte, die CAU und die Universität zu Lübeck, an denen Medizin und andere Dinge studiert werden können. Praktische Ausbildungen finden am UKSH statt. Wir müssen uns aber ganz ehrlich machen: Wenn wir wollen, dass die sehr gut ausgebildeten Menschen, die wir hier bei uns in Schleswig-Holstein ausbilden, auch bei uns in der Versorgung bleiben, dann geht das am besten über eine attraktive Lehre. Denn die Leute, die sagen: „Hier, da habe ich in meiner Lehre eine gute Erfahrung gemacht, da möchte ich sehr, sehr gern bleiben!“, die bleiben eben auch, bekommen ein Übernahmeangebot, und wir verlieren sie nicht an andere Standorte. Wir haben vor Kurzem hier im Parlament einen interfraktionellen Beschluss zum Thema Praktisches Jahr im Medizinstudium gefasst. Ich weiß, dass da die Landesregierung bereits ins Handeln gekommen ist. Der Staatssekretär und die Ministerin initiieren bestimmte Gespräche mit Medizinstudierenden, um genau zu gucken: Wie können wir in der Lehre Dinge verbessern, wie können wir es schaffen, dass die Tätigkeit – auch im Praktischen Jahr – am Ende nicht von einem ambitionierten Oberarzt abhängt, sondern dass das institutionalisiert gelebt wird? – Hier gibt es Nachbesserungsbedarf – auch am UKSH, das ist gar keine Frage. Allerdings ist das ein Punkt, der zentral und am Ende für die Versorgungssicherheit relevant ist. Deswegen finde ich das einen guten Weg und weiß, dass vieles in diese Richtung getan wird. Der vierte Punkt, den ich nennen möchte – dafür, dass sie das noch einmal erwähnt hat, bin ich der Ministerin auch sehr dankbar –, ist: Wenn wir in diesen Debatten über den stationären Bereich sprechen, über überlastete OP-Säle, über überlastetes Personal, dann muss man so ehrlich sein, dass eine Entlastung nicht primär im stationären Bereich hergestellt werden kann, sondern in den Strukturen (Jasper Balke) davor: im ambulanten Bereich, im öffentlichen Gesundheitsdienst oder beispielsweise an den Schulen, in bewegungsfördernden Einrichtungen und so weiter. Das heißt, die wahre Entlastung, auch für große stationäre Einrichtungen, findet vorher statt – Stichworte: Prävention und Gesundheitsförderung. (Dr. Heiner Garg [FDP]: Und Patientensteuerung!) – Und intelligente Patient_innensteuerung. Herzlichen Dank, Herr Dr. Garg. Genauso ist es. Deswegen bin ich dankbar, dass Sie darauf hingewiesen haben, Frau Prien. (Beifall BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und CDU) Ein allerletzter Punkt, weil es darum ging, wie gut oder schlecht es jetzt ist, über bestimmte Dinge zum UKSH zu debattieren: Ich gehe davon aus, dass uns sowieso nichts anderes übrigbleibt, als in Zukunft weiter über das UKSH zu debattieren, weil, wie Sie es auch gesagt haben, eine Krankenhausstrukturreform auf den Weg kommt. Herr Kollege Dr. Garg, Sie haben es angesprochen: Der CEO Jens Scholz ist sehr dicht dran an der Erstellung dieser Krankenhausstrukturreform, (Heiterkeit und Beifall Dr. Heiner Garg [FDP]) weswegen alle Analysten aktuell davon ausgehen, dass die Universitätskliniken in besonderem Maß von der Strukturreform profitieren werden. Das wird selbstverständlich ein Punkt sein, der uns hier im Land beschäftigten wird, den wir definitiv hier im Parlament gemeinsam debattieren und besprechen müssen: Was passiert dann mit eventuell mehr Geldern, eventuell sogar mehr Aufgaben oder Ähnlichem? Das müssen wir besprechen. Ich glaube, dass es deswegen richtig ist, dass wir heute den Aufschlag gemacht haben. Ich bedanke mich noch einmal bei der Ministerin und bei den Mitarbeitenden im UKSH. – Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU und FDP)
