Serpil Midyatli
Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Vielen herzlichen Dank. Ich freue mich, dass wir so engagiert miteinander über gute Kitapolitik hier im Landtag diskutieren und miteinander um die besten Lösungen ringen, denn es geht um das Wertvollste, was wir haben: um unsere Kinder. Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn Mütter verzweifelt vor einem stehen und sie Beruf und Familie nicht mehr miteinander vereinbart bekommen, weil sie keinen Krippen- oder Kitaplatz mehr finden, dann macht das was mit mir. Wenn Familien vor einem stehen und sagen, sie müssen umziehen, weil sie die Großmutter dann in der Nähe haben, weil sie keine verlässliche Kita haben, dann macht das was mit mir. Wir leben in einer Zeit, in der wir die bestausgebildetsten Frauen haben. Wir Sozialdemokraten haben mit vielen anderen so viel für Gleichberechtigung gekämpft. Jetzt stehen diese Frauen vor mir und sagen: All das, für was wir gestanden haben, was wir gemeinsam in dieser Gesellschaft wollten, steht jetzt gerade auf kipp, weil sie die Betreuung nicht mehr organisiert bekommen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist toll, dass wir hier miteinander diskutieren, aber wir haben alle Post gekriegt. Sie reden gerade darüber, wie toll das jetzt für die Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas wird. Auf meiner Postkarte steht: Hallo Serpil, fehlende Zeit für zur Abwanderung der Fachkräfte. Wir können nicht mehr! – Erzieherin. (Die Rednerin hält ein Schriftstück hoch) Immer mehr spezielle Herausforderungen für Mitarbeiter, immer mehr Arbeit, immer mehr Stress, dadurch längere und mehr Krankheitstage, besorgte Eltern, viel zu viel Betreuungspersonal fehlt, Leitung unter Druck, weil Eltern sich zu Recht beschweren. Als Landespolitikerinnen und Landespolitiker ist es unsere Aufgabe, die Situation der Fachkräfte in den Kitas deutlich zu verbessern. Es ist unsere Aufgabe als Landespolitikerinnen und Landespolitiker, die Lücke von 15.600 Krippen- und Kitaplätzen zu schließen. Und es ist die Aufgabe dieser Landesregierung nach ihrer selbst in Auftrag gegebenen Evaluation, eine Finanzierungslücke von 120 Millionen Euro zu schließen. Das ist der Anspruch, den die Kommunen hier gemeinsam haben. Denn das haben Sie, Schwarz-Grün, Ihnen allen zu dieser Kitareform versprochen. Wir werden sie daran messen, ob Sie all Ihre Versprechen einhalten werden. Frau Ministerin, ich gehe fest davon aus, dass Sie genau auf diese drei Probleme, die bereits jetzt bestehen, eingehen. Wir haben mitbekommen: Dieser Gesetzentwurf von Schwarz-Grün räumt es noch nicht vollkommen aus. Ich gehe davon aus, dass Ihr Redebeitrag jetzt dazu führen wird, dass sich die Erzieherinnen und Erzieher gehört und gesehen fühlen, dass sich die Familien hier in Schleswig-Holstein auf eine gute Kinderbetreuung in diesem Land verlassen können und dass für die Kommunen, die mal wieder mit dieser Landesregierung auf der Zinne sind, die Finanzierungslücke nicht auf ihrem Rücken ausgetragen wird. – Vielen herzlichen Dank.
