Birte Pauls
Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Seefahrer sind abergläubische Menschen. Demnach sollen männliche Taufpaten und Grünes während einer Bootstaufe Unglück bringen. Sind die grünen Jacken der Staatssekretärin Julia Carstens und der Mitarbeitenden des LKN, die bei der Taufe getragen worden sind, etwa Schuld an der Misere, die sich seit Monaten in Missunde abspielt? – Wenn es doch so einfach wäre! Wenn es für die Menschen vor Ort und unsere Landeskasse nicht so tragisch wäre, wäre die ganze Entwicklung Stoff für Satire. Das ist tatsächlich schon umgesetzt. Die Missunde III hat 3,3 Millionen Euro gekostet – das Doppelte vom ursprünglich Geplanten. Mit Batterie und Solarzellen ausgestattet sollte es der Weg in die Zukunft sein – gut gedacht, schlecht gemacht! Die Schlei ist ein Gewässer, da könnte man schon einmal auf die Idee kommen, dass man es an der engsten Stelle der Schlei mit Strömungen zu tun hat. Am Wasser ist Wind auch keine Seltenheit. (Beate Raudies [SPD]: Echt?) Beim Probebetrieb war ganz schnell klar, dass das neue, vollkommen überdimensionierte Schiff – doppelt so lang und wir hätten eine Brücke gehabt – bei Strömung und Wind nicht fahrtauglich ist. Eine weitere Brücke wäre angesichts der katastrophalen Situation an der Lindaunisbrücke, von der wir schon gehört haben, vielleicht gar nicht so schlecht gewesen. (Heiterkeit und Beifall SPD und SSW) Aber damit nicht genug: Entgegen der sehr deutlichen Empfehlung – sehr deutlichen Empfehlung! – aus dem Gutachten, die alte Missunde II aus Sicherheitsgründen unbedingt in der Nähe zu behalten, wurde diese sehr schnell nach Anliefern der Missunde III zu einem Schrottpreis von 17.000 Euro nach Dänemark verkauft. Dabei griff sogar der Wirtschaftsminister Madsen selbst zum Hörer. Die Missunde III war also nicht fahrtauglich – ist sie immer noch nicht –, die alte Fähre verkauft, und nun? – Erneut standen die Menschen in der Region auf dem Schlauch beziehungsweise an Land und mussten wieder lange Umwege in Kauf nehmen. Was also tun? – Laut Antwort auf meine Kleine Anfrage machte man einen Deal mit dem Dänen, und so wurde die Missunde II im April für mehr als 45.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer zurückgekauft. Zusätzlich bekommt der Däne ein Vorkaufsrecht plus weitere 5.000 Euro monatlich. Das wurde mit einem weiteren Vertrag vom 30. Ju- (Birte Pauls) li 2024 mit einer einmaligen Zahlung von zusätzlichen 50.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer abgelöst. (Zurufe Thomas Hölck [SPD] und Beate Raudies [SPD]) Dieser Mann hat wahrscheinlich schon Hornhaut auf den Händen vom ganzen Händereiben. (Beifall Serpil Midyatli [SPD] und Beate Raudies [SPD]) Aber damit ja nicht genug. Die Missunde III muss also in die Werft. Darauf wartete sie von April bis August 2024 im Kappelner Hafen – Gesamtkosten 4.500 Euro. Stand heute wartet die Missunde III nun im Yachthafen Olpenitz. Der neue Liegeplatz kostet – Achtung! – 2.350 Euro pro Monat. Hinzu kommen monatlich 700 Euro Stromkosten – trotz Solaranlage. Zweimal wöchentlich fahren Mitarbeiter des LKN zur Fähre, um zu schauen, (Beate Raudies [SPD]: Ob sie noch da ist! – Heiterkeit) ob alles in Ordnung ist. Eine Werft beziehungsweise Pläne für den Umbau sind noch nicht gefunden. Die Kosten laufen fröhlich weiter. Was bedeutet das alles für die Menschen in der Region? – Im Sommer gab es kurzfristig die Situation, dass die ebenfalls störanfällige Brücke in Kappeln eventuell hätte gesperrt werden müssen. Die 200 Meter lange Brücke trennt beide Stadtteile Kappelns: Zentrum und Ellenberg. Schulen liegen auf der einen wie auf der anderen Seite. Da die Fähre in Arnis schon länger außer Betrieb ist, die Fähre in Missunde zu dem Zeitpunkt aus geschilderten Gründen ebenfalls nicht fuhr, die Brücke Lindaunis nur unter widrigen Umständen fußläufig und nicht barrierefrei zu überqueren ist, bleibt nur der Weg über Schleswig: schnellste Route eine Stunde 33 Minuten für 86 Kilometer – eine Strecke! Das gilt natürlich nicht nur für Schülerinnen und Schüler, sondern auch für Arbeitsverkehre, Arztbesuche, Apotheken, Einkäufe, Tagespflege und so weiter. (Zuruf Beate Raudies [SPD]) Bislang ist uns diese Situation erspart geblieben, aber sie könnte theoretisch jederzeit eintreten, zum Beispiel, wenn die Missunde II ausfällt. Deshalb ist es jetzt auch so wichtig, sich gut um die Missunde II zu kümmern, anstatt sie weiter kaputtzusparen. Was sagt eigentlich der direkt gewählte Abgeordnete auf der Schwansener Seite zu diesem Dilemma? Die Menschen in seinem Wahlkreis betrifft es ja genauso. – Nichts, gar nichts. Unser Schönwetterkapitän und dortiger direkt gewählter Wahlkreisabgeordneter Daniel Günther hält sich wieder vornehm zurück und geht wie immer unter Deck, wenn der Wind mal ein bisschen kräftiger von vorne weht. Nicht einmal eine Entschuldigung an die Menschen in der Region, Mitarbeitende und Pächter gab es seitens der Landesregierung. Die ohnehin schon viel zu lange Fähre soll jetzt weitere Rampen bekommen. Damit ragt das Konstrukt noch weiter in die Seeschifffahrtsstraße rein. Der Widerstand der Fischer ist gesetzt. Von der maritimen Wirtschaft habe ich noch gar nicht gesprochen. Wir stimmen dem Antrag des SSW zu. Ob er viel hilft, weiß ich auch nicht, schaden kann er aber nicht. Er wird allerdings, glaube ich, nicht wirklich helfen, denn schon heute lehnt die Landesregierung sämtliche Gesprächsangebote und konstruktive Vorschläge der Verantwortlichen in der Region ab. Die Menschen, die dort in der Region damit beschäftigt sind, sind alle schon bestens vernetzt und könnten, so glaube ich, am besten auf die Moderation dieser Landesregierung verzichten.
