Christopher Vogt
Liebe Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die SPD-Fraktion hat erneut einen interessanten bildungspolitischen Antrag eingereicht. (Beifall FDP und Sybilla Nitsch [SSW]) Bereits die Überschrift ist ein Highlight. (Rasmus Vöge [CDU]: Du bist leicht zu begeistern! – Beifall Dr. Heiner Garg [FDP]) Ich hätte dem Kollegen Habersaat diese bemerkenswerte Anleihe aus dem Glücksspiel gar nicht zugetraut und kann nur sagen: Wenn das Ralf Stegner noch erleben könnte, dann wäre hier was los. (Dr. Kai Dolgner [SPD]: Wissen Sie da mehr als wir?) – Ich glaube, er ist in der Tat noch lebendig, aber beim Landtag vielleicht nicht mehr ganz so nah dran. Herr Krüger, wenn man mit Pokerbildern hantiert: Ich spiele nur einmal im Jahr an Weihnachten Poker und muss sagen, dass man bei Ihnen immer all-in gehen muss, da kann bei Ihnen irgendwas beim Pokerspiel nicht stimmen. (Beifall Dr. Bernd Buchholz [FDP] und Martin Habersaat [SPD]) Ebenso bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Kollege Habersaat im Vorfeld der Debatte für seinen Vorschlag zwar die Unterstützung vom Philologenverband, aber nicht von der GEW erhalten hat. Aus liberaler Sicht spricht auch diese Tatsache erst mal für diesen Antrag. (Lebhafter Beifall FDP – Zuruf Martin Habersaat [SPD]) Es gibt in unserem Bildungssystem sicherlich viele noch größere Probleme als dieses, aber dennoch hat die SPD-Fraktion hier aus unserer Sicht einen Punkt, denn die nicht unerheblichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Bundesländern bei den Abi-Noten fallen ja schon auf und haben für (Christopher Vogt) die Abiturienten natürlich im Zweifel auch negative Folgen für ihren weiteren Weg. Wenn die Abiturienten aus Schleswig-Holstein regelmäßig am schlechtesten abschneiden, verringert dies vor allem erst mal ihre Chancen im Wettbewerb um begehrte Studienplätze. Das kann man ja nicht wegdiskutieren. Die recht großen Unterschiede zwischen den AbiNoten zum Beispiel aus Schleswig-Holstein und Thüringen haben vermutlich in der Tat mehrere Gründe: ein anderes Schulsystem mit teilweise anderen weiterführenden Schulen – das fällt doch sehr schnell auf –, eine andere Historie mit Blick auf das System in Thüringen und in der DDR und sicherlich die Unterschiede bei der Abiturientenquote mit dem anhaltend sehr großen Trend zum Abitur in Schleswig-Holstein. Es ist zum Beispiel auch keine Neuigkeit, dass der Notenschnitt an den Gemeinschaftsschulen rund zwei Punkte unter dem an den Gymnasien liegt und dass immer mehr Kinder auch ohne Gymnasialempfehlung diese Schulform besuchen, weil die Eltern dies schlichtweg wollen. (Beifall Annabell Krämer [FDP]) Aus diesem Grund müsste man noch einmal über die Schulartempfehlung sprechen. Wenn ich höre, dass in vielen 5. Klassen jetzt mittlerweile um oder über 50 Prozent gar keine Gymnasialempfehlung haben, dann ist da vielleicht irgendwas auch ein Stück weit aus dem Ruder geraten. (Beifall FDP) Jede und jeder, der beziehungsweise die die Voraussetzungen hat, soll selbstverständlich gerne Abitur machen. Aber ich glaube, man muss sich auch um das Wohl der Kinder kümmern, und das ist da ein Stück weit übertrieben. Auch die unzureichende Ausstattung vieler Oberstufen, gerade an den Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein, und den Unterrichtsausfall halte ich für ebenfalls ernstzunehmende Probleme, die in Schleswig-Holstein eine Rolle spielen. Die Landesregierung hat gestern angekündigt, man will die Unterrichtsversorgung von rechnerisch 101 auf 100 Prozent reduzieren. Das klingt erst mal nicht so schlimm. Wir wissen aber: Eigentlich bräuchte man 110 Prozent oder mehr, weil viele Sachen reingerechnet werden, wo gar kein Unterricht stattfindet. (Annabell Krämer [FDP]: So ist es! – Beifall FDP) Insofern ist auch das ein Problem. Die Landesregierung meint, dass die Unterschiede vor allem an der härteren Benotung in SchleswigHolstein liegen würden. Auch der Bildungsforscher Professor Köller hatte dies in den Medien erklärt. Da mag etwas dran sein, aber es ist sicherlich nur ein Teil der Wahrheit. Wie dem auch sei, die SPD-Fraktion möchte nun anonymisiert und gemeinsam mit Thüringen überprüfen, ob diese Erklärung wirklich zutreffend ist. Ich finde, es ist einen Versuch wert, dies zu prüfen. Und mal ganz ehrlich, meine Damen und Herren: CDU und Grüne prüfen hier doch im Bildungsbereich immer gerne alles Mögliche. Alles soll geprüft werden. (Martin Balasus [CDU]: Jetzt wird es aber wieder platt!) Jetzt haben Sie mal einen Punkt, bei dem Sie was prüfen könnten und wo wirklich etwas als Erkenntnis folgen würde, meine Damen und Herren. Deswegen sind wir hier auch mal mit der SPD gemeinsam fürs Prüfen. (Beifall FDP und Martin Habersaat [SPD]) Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich sehe die seit Jahren diskutierte Noteninflation, wie es in einigen Medien teilweise genannt wird, kritisch. Ich bin aber auch skeptisch, ob es wirklich angemessen ist, sich für eine vermeintlich härtere Benotung in Schleswig-Holstein selbst ein bisschen auf die Schulter zu klopfen. Ich habe ein Abitur gemacht, das über dem heutigen Notendurchschnitt in Schleswig-Holstein lag, muss aber sagen: Auch damals gab es diese Diskussion schon. (Beifall Dr. Heiner Garg [FDP] – Unruhe FDP – Zuruf FDP: Wann war das?) An unserer Schule hat bei 128 Abiturienten fast keiner eine eins vor dem Komma gehabt; an der Schule nebenan die Hälfte. Da haben wir natürlich auch diskutiert, wie das sein kann. Wir bewerben uns um die gleichen Studienplätze. Ja, vielleicht ist auch das Trinkwasser in Schwarzenbek besser als in Ratzeburg. Ich weiß es nicht. Aber da sieht man eben, dass es unterschiedliche Strukturen gibt und man damit umgehen muss. Es geht um Fairness, Herr Kollege. Ich finde, wir brauchen auch nicht so zu tun, als bräuchten wir beim Abitur nicht mehr gemeinsame Standards. Wir brauchen auch nicht so zu tun, als sei alles in Ordnung. Studierfähigkeit, MSA in Mathe, katastrophale Noten – –
