Jan Kürschner
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Liebe Kolleginnen und Kollegen von der FDP, wie schön, dass ich hier nach der EM zu Fußball und Entkriminalisierung sprechen darf – großartige Themen für mich als Fußballfan. Gut, dass Sie den Antrag nicht noch als dringlich bezeichnet haben wie Ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Bremischen Bürgerschaft. Und gut auch, dass der Schleswig-Holsteinische Fußballverband es noch aus dem Antrag geschafft hat. Einige Punkte in dem Antrag führen in meinen Augen etwas in die Irre. So hat die Stadt München im Januar an die UEFA appelliert, keine Pyrotechnik bei der EM-Eröffnungsfeier einzusetzen und dabei „insbesondere auf die fragwürdige Signalwirkung Richtung Fans verwiesen, deren nicht genehmigter Pyro-Einsatz regelmäßig zu konkreten Gefährdungen und Verletzungen führt“. Dass ist etwas anderes, als Sie in Ihrem Antrag suggerieren. Da steht, die Stadt habe die Veranstaltung nicht untersagt, solange „die Produkte zertifiziert sind, durch zertifiziertes Personal eingesetzt werden und hiervon keine Gefährdungen ausgehen“. Aber sei es drum: DFB und UEFA untersagen beide Pyrotechnik in Stadien, und die eigene PyrotechnikShow zur Eröffnungsfeier der EM hätte die UEFA selbst eigentlich 130.000 Euro Strafe gekostet – nach dem Strafenkatalog des DFB. Nun lassen Sie in Ihrem Antrag Ihren Emotionen freien Lauf, wie es im musikalischen Sommerhit weiter heißt, leider auf Kosten des Verstandes, wie ich finde. Ich deutete das schon an. Seit vielen Jahren gibt es in allen Landesparlamenten von nahezu allen Fraktionen immer und immer wieder Anträge zu diesem Thema, mehr oder minder medial zeitlich klug vor oder nach großen Turnieren oder kurz vor der Sommerpause gesetzt. 2012 forderte ein Dortmund-Fan namens Christian Lindner im Landtag von Nordrhein-Westfalen noch, (Zuruf Annabell Krämer [FDP]) Polizeispürhunde speziell zu schulen, um Pyrotechnik zu erschnüffeln. 2017 eröffnete ein OsnabrückFan namens Boris Pistorius eine Debatte, Pyrotechnik in besonderen Stadionbereichen eingeschränkt zu nutzen. Der Respekt vor der bronzenen Ehrennadel des FC St. Pauli verwehrt mir hier weitere Ausführungen. (Zuruf Dr. Kai Dolgner [SPD]) Nun zur Forderung, die Planung und Evaluierung von sechs Pilotaktionen wissenschaftlich begleiten zu lassen: Der Inhalt des Antrags ist damit ungefähr genauso neu wie das Zulassen von Trikotwerbung in der Bundesliga. Liebe Sportsfreundinnen und Sportsfreunde, kein Wort zur ZIS, der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze, in Ihrem Antrag, auch kein Wort zur 49. Sportministerkonferenz aus dem April und den Beschlüssen dort, kein Wort aus den 32 – ich betone –: 32! – relevanten Studien zwischen 2007 und 2023 zu diesem Thema, stattdessen die Forderung nach weiterer wissenschaftlicher Begleitung. Ich verweise an dieser Stelle einmal auf das Literatur-Review über die Wirksamkeit der DFB-Sportgerichtsmaßnahmen aus dem Jahr 2023. Die ISBN teile ich Ihnen gern mit: 978-3779972688, Verlagsgruppe Beltz Juventa, (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und vereinzelt CDU) Titel: „Mit Sicherheit am Ziel vorbei?“, Kemme und andere. Dort gibt es bereits die Informationen, die Sie mit Ihrem Antrag erreichen wollen. (Zuruf Dr. Bernd Buchholz [FDP]) Um endlich zum Schluss und zur Entkriminalisierung zu kommen: Cannabis und Pyrotechnik. Wenn Sie als nächstes auch dafür kämpfen und Ihren Parteikollegen Marco Buschmann motivieren können, endlich das Schwarzfahren aus dem StGB zu streichen, dann schenke ich Ihnen mein Holstein-Trikot aus den Nuller-Jahren, und dann können wir zusammen unseren Emotionen freien Lauf lassen. Den Antrag müssen wir aber ablehnen. – Vielen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) 4906 Schleswig-Holsteinischer
