Lars Harms
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich werde es in der Tat etwas ruhiger angehen lassen und zunächst einmal erzählen, was in der „Zeit“ im Jahr 2023 stand. Dort hat man nämlich die Leserinnen und Leser befragt und erhielt daraufhin 30 Kommentare. Die Erlebnisse reichten von: „Das war der beste Tag im Schuljahr“, bis hin zu: „Es war für mich der Tag des legitimierten Mobbings“. (Lars Harms) Weitere Medien berichten regelmäßig pünktlich zu den Sommerferien über die Bundesjugendspiele. Diese würden abgeschafft, es gehe nicht mehr um Leistung, es gebe keinen Wettkampf mehr. Dass das nicht stimmt, merkt man relativ schnell, wenn man sich anschaut, was denn tatsächlich verändert worden ist. Klar ist, dass irgendwie jeder von uns eine Meinung dazu hat und die allermeisten von uns eigene Erinnerungen an die Bundesjugendspiele haben. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man sich die Entstehungsgeschichte anschaut. Die Bundesjugendspiele finden nämlich schon seit 1951 statt. Also habe auch ich schon teilgenommen. (Vereinzelt Heiterkeit) Seit 1979 wurde ihre jährliche Durchführung durch einen Beschluss der Kultusministerkonferenz für die allgemeinbildenden Schulen und die Teilnahme daran für alle Schülerinnen und Schüler bis zur Jahrgangsstufe 10 verbindlich. Damit ist eigentlich auch selbsterklärend, dass bundesweit angelegte Wettbewerbe, die über Jahrzehnte organisiert stattfinden, bestenfalls regelmäßig überprüft, zeitgemäß angepasst oder systematisch reformiert, aber mit Sicherheit nicht abgeschafft werden. Genau das ist es auch aus meiner Sicht, was mit den vergangenen Änderungen passiert ist, die zwar erst seit dem vergangenen Jahr konsequent umgesetzt, aber bereits seit 2001 empfohlen werden und seit 2021 eine Vorgabe sind. Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass diese Reformen nicht von irgendwelchen Privatpersonen angestoßen wurden oder von Menschen, die mehr oder weniger gute Erinnerungen an die eigenen Bundesjugendspiele von vor 20, 30 oder 40 Jahren haben, sondern von Profis. Dem Ausschuss für die Bundesjugendspiele gehören Mitglieder der Kommission Sport der Kultusministerkonferenz, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, aber vor allem eben auch des Deutschen Olympischen Sportbundes, des Deutschen Behindertensportverbandes, des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, des Deutschen Schwimm-Verbandes und des Deutschen TurnerBundes an. Ich muss nun sicherlich nicht mehr die gesamte Systematik darstellen. Wichtig ist vor allem eines: Es gibt die Bundesjugendspiele weiterhin von der 1. bis zur 10. Klasse. Es gibt weiterhin die drei Grundsportarten Leichtathletik, Schwimmen und Turnen. Es gibt weiterhin Bewertungen der erbrachten Leistungen. Es gibt weiterhin die Sparten Wettbewerb, Wettkampf und Mehrkampf. Der Wettbewerb umfasst einen alters- und entwicklungsgemäßen Vielseitigkeitswettbewerb in einer der drei Sportarten mit nicht normierten Übungen, die vor Ort angepasst werden können. Der Wettkampf baut darauf auf, ist aber normiert. Die Neuerung, die medial wie auch politisch an der einen oder anderen Stelle etwas überdramatisiert diskutiert worden ist, ist die, dass fortan nur für die Klassenstufen 3 bis 4 der Wettbewerb und nicht mehr der Wettkampf vorgeschrieben ist. Das ist die einzige Änderung. Ich kann daran mit besten Willen nichts weiter erkennen als eine altersgemäße Anpassung. Es gibt ihn weiterhin, den Leistungsgedanken, aber er ist pädagogisch klüger verpackt. Er ist vor allem darauf angelegt, auf den eigenen Körper zu achten, herauszufinden, wozu man als Kind fähig ist, und vor allem eines dabei zu haben, nämlich Spaß. Das ist es, was nachhaltig motiviert. Die individuelle Leistung aller Kinder anzuerkennen und in Gemeinschaft eigene Erfolge zu erleben, dient natürlich einem Ziel. Ich zitiere aus einem Artikel des Deutschen Olympischen Sportbundes: „Beim Gemeinschaftserlebnis Bundesjugendspiele soll es vor allem darum gehen, sich zu bewegen, Freude zu haben und sein Bestes zu geben. Die Erfahrung der eigenen Leistung sowie die Selbsteinschätzung und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sind wichtige Lernschritte auf dem Weg einer persönlichkeitswirksamen Entwicklung.“ Es geht also nicht um ein „ich muss unbedingt besser als die anderen sein“, sondern darum, die eigenen Fähigkeiten kennenzulernen und dabei sein Bestes zu geben. Genauso wichtig sind dabei aber auch Fairness, Respekt, Teamfähigkeit und das Erlernen sozialer Kompetenzen. Besonders gut finden wir als SSW, dass die Bundesjugendspiele in Zusammenarbeit mit Sportvereinen durchgeführt werden, wo man sein Sportabzeichen machen kann. „Kein Kind ohne Sport!“: Sie kennen die Initiative des Landessportverbandes. Darum muss es gehen. Das wurde uns auch gerade erst wieder im Rahmen der Anhörung des Bildungsausschusses zur psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern mitgegeben. Kinder, die körperlich aktiv sind, entwickeln weniger depressive Symptome. Sport kann sich enorm steigernd auf die Lebensqualität auswirken. Darum muss es uns schlussendlich vor allem gehen, dass die Kinder Spaß haben, dass sie gesund (Lars Harms) sind. Das ist das Entscheidende. Erst danach kommt der Wettbewerb. (Beifall SSW, SPD und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
