Christopher Vogt
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Lieber Kollege Buchholz, auch die Älteren im Saal sollten sich ein bisschen konzentrieren können. (Zuruf Dr. Bernd Buchholz [FDP]) Auch wenn es mich gerade beim Thema Bildung immer wieder selbst ein wenig irritiert: Ich finde den Antrag der SPD-Fraktion wirklich gut. (Beifall FDP und SPD) Wir Freie Demokraten sind immer Feuer und Flamme, wenn die berufliche Bildung gestärkt werden soll, wenn der europäische Gedanke gestärkt werden soll und wenn insbesondere die deutsch-dänische Zusammenarbeit – vor allem in der gemeinsamen Grenzregion – gestärkt werden soll. Bei der gegenseitigen Anerkennung von Berufsabschlüssen gibt es innerhalb der Europäischen Union in der Tat Fortschritte. Aber ich denke, wir sind uns alle darin einig, dass es hier immer noch sehr viel Luft nach oben gibt. Das Modell des doppelten Berufsabschlusses ist dabei ein sehr gutes Modell und sollte in der Tat ausgeweitet werden. Dabei sollten aber aus unserer Sicht nicht nur die Kammern und die Gewerkschaften mit an den Tisch, sondern natürlich auch die berufsbildenden Schulen beziehungsweise die regionalen Bildungszentren, die dabei besondere Expertise haben. (Beifall FDP und SPD) Deshalb haben wir einen entsprechenden Änderungsantrag gestellt, der hoffentlich nach der Ausschussberatung eine Mehrheit finden wird. (Birte Pauls [SPD]: Natürlich!) – Das entscheiden ja nicht Sie. Frau Pauls, wenn wir das gut finden, reicht das nicht. Es bestehen ja teilweise seit vielen Jahren einige gute Beziehungen zwischen den berufsbildenden Schulen beziehungsweise den regionalen Bildungszentren in Schleswig-Holstein und den dänischen Ausbildungszentren. Es wurden bereits vielfach Kooperationen begründet, zum Beispiel zwischen Eutin und Nykøbing im Bereich der Bauberufe und der Metallbauer oder auch zwischen Schulen an der Westküste und den dänischen Kollegen im Bereich der Gastronomie. Das dänische Modell ist natürlich anders organisiert als das deutsche. Es findet überwiegend schulisch (Christopher Vogt) in den Ausbildungszentren statt mit den dazugehörigen Praktikumszeiten. Diese Kooperationen erscheinen mir äußerst wertvoll zu sein und sollten auch deshalb weiter ausgebaut werden. Frau Kollegin von Kalben hat an dieser Stelle natürlich recht. Beim Thema wechselseitige Anerkennung ist Deutschland das Problem, weil wir in der Tat hohe Standards im Bereich der dualen Berufsausbildung haben. Das ist auch gut so. Ich finde, an der einen oder anderen Stelle stünde es uns gut zu Gesicht, gerade mit Blick auf die Grenzregion, wenn wir bei der Anerkennung ein bisschen pragmatischer wären, insbesondere mit Blick auf Dänemark. (Beifall FDP, SSW und Birte Pauls [SPD]) In diesem Bereich gibt es aber auch große Chancen, die wir konsequenter nutzen sollten. Dies gilt allen voran für den Bau der Festen Fehmarnbeltquerung, durch die eine Art zweite Grenzregion mit Dänemark entsteht. Wir sollten den Austausch in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur mit Dänemark deutlich verstärken. Das Ziel sollte auch hier ein gemeinsamer Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sein, der sich entwickeln sollte. Davon sind wir bisher noch weit entfernt. Wenn man ehrlich ist, muss man feststellen, dass es da noch viel zu tun gibt. (Beifall FDP, SSW und Birte Pauls [SPD]) An dieser Stelle möchte ich ein Thema ansprechen, das mich heute mehr umtreibt als in der Vergangenheit. Das betrifft die Situation an der gemeinsamen Grenze. Immer wieder gibt es lästige Staus durch Grenzkontrollen der Dänen. Ich habe ein gewisses Verständnis mit Blick auf die Sicherheit, aber man kann bekanntlich die Sicherheit in Grenzregionen auch mit anderen polizeilichen Methoden verstärken. Die ständigen Staus behindern das Zusammenwachsen der Grenzregion. Deshalb bin ich der Meinung, man sollte sich in der Europäischen Union wieder stärker darauf konzentrieren, die Außengrenzen zu schützen, aber nicht die Binnengrenzen. Deutschland macht das auch und hat das auch im Rahmen der Europameisterschaft umfangreich gemacht. Darüber wird ja auch gerade diskutiert. Die Erfolge bei Grenzkontrollen gab es. Sie können trotzdem keine Dauerlösung sein. Ansonsten drehen wir diese wichtigen Errungenschaften im Schengen-Raum dauerhaft zurück. Das dürfen wir nicht zulassen. (Beifall FDP, SSW und Birte Pauls [SPD]) Sitzung (neu) – Mittwoch, 17. Juli 2024 4785 Ich will auch nicht daran denken, dass, wenn in wenigen Jahren der Belttunnel fertig ist, am Ende des Tunnels auf dänischer Seite auch Grenzkontrollen stattfinden und dann der Stau im Belttunnel ist. Ich glaube, das ist nicht im Sinne des Erfinders und auch nicht im Sinne der dänischen Interessen. Meine Damen und Herren, ich will noch ganz kurz etwas zum Wert der dualen Ausbildung sagen, für die wir in der Tat international beneidet werden. Sie hat eine große Bedeutung mit Blick auf den ausufernden Fachkräftemangel in SchleswigHolstein. Wir diskutieren gerade immer noch viel über den Masterplan berufliche Bildung. Ich habe zwar ein gewisses Verständnis dafür, dass man auf die sinkenden Schülerzahlen reagieren muss. Ich habe aber trotzdem weiterhin die Sorge, dass die Abwärtsspirale bei den Schülerzahlen im Bereich der Berufsbildung dadurch beschleunigt wird. Das Ministerium ist im Laufe dieses Prozesses bereits auf viele Kritikpunkte eingegangen. Es gibt aber noch an vielen Stellen massive Kritik und Unmut, weil man viele Sachen nicht nachvollziehen kann. Ich denke, hier muss man weiter nachsteuern. Ich denke insgesamt, die Berufsorientierung muss weiter verbessert werden. Der Antrag der SPD ist gut. Wir können gerne im Ausschuss darüber beraten. Ich freue mich darauf. Danke für die Initiative. Sie müssen mich nicht weiter ertragen, da die Bundesjugendspiele erst morgen aufgerufen werden. Deswegen wünsche ich Ihnen jetzt einen schönen Abend. (Beifall FDP, SSW und Birte Pauls [SPD])
