Birte Pauls
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Es gibt kein deutsch-dänisches Treffen, bei dem nicht die berufliche Mobilität als wichtigster Baustein gelobt wird. Circa 12.000 Menschen pendeln regelmäßig nach Dänemark, um dort zu arbeiten. Der Arbeitsmarkt und die Rahmenbedingungen scheinen attraktiv zu sein. Warum funktioniert das nicht für die Ausbildungen? Was ist es doch für ein kultureller, sprachlicher und fachlicher Gewinn für junge Menschen, in dem einen Land die schulische und in dem anderen Land die praktische Ausbildung zu absolvieren. Seit 2012 gibt es die EU-Anerkennungsrichtlinie. Im Jahre 2013 erfolgte eine Ministererklärung der jeweiligen nationalen Bildungsminister. Vorbildcharakter hat in diesem Zusammenhang das EU-INTERREG-Projekt STaRForCE, das die IHK Flensburg in den Jahren 2015 bis 2020 durchgeführt hat, mit dem Ziel des Erwerbs eines doppelten Abschlusses. Aber die Anerkennung funktioniert noch nicht in allen Bereichen. In einigen sogenannten reglementierten Berufen braucht es weiterhin eine zusätzliche Anerkennung. Es ist leider auch so, dass es trotz der Möglichkeiten und des sehr erfolgreichen Projekts der IHK kaum angenommen wird. Die SPD-Fraktion hat gerade die Baustelle Fehmarnbelt besucht. Unser damaliger, für die deutschskandinavischen Beziehungen zuständiger Bundestagsabgeordneter Franz Thönnes hat schon zu Beginn der Planungen die Idee formuliert, auf der Baustelle eine gemeinsam anerkannte Ausbildung in den verschiedenen Berufen zu organisieren. Ausgebildet wird zwar auf der Baustelle – das ist vertraglich vereinbart –, aber die automatische gegenseitige Anerkennung der praktischen wie der schulischen Ausbildung fehlt. Eine grenzüberschreitende Ausbildung gibt es an dieser Stelle nicht. Chance verpasst, würde ich sagen, aber ein paar Jahre dauert der Bau ja noch, vielleicht tut sich da ja noch etwas. Hier hätte die Landesregierung ganz konkret die Möglichkeit, sich endlich für eine wirklich grenzüberschreitende Ausbildung einzusetzen. Das würde auch das Zusammenwachsen unserer neuen Grenzregion fördern. Na klar sind uns die Probleme allseits bekannt: geburtenschwache Jahrgänge, Fachkräftemangel, mangelnde Sprachkenntnisse und zu wenig Interesse an grenzüberschreitender Ausbildung. Aber wäre Sitzung (neu) – Mittwoch, 17. Juli 2024 4781 es nicht eine gute Idee für die Landesregierung, das Interesse endlich einmal zu wecken? Bislang waren die Bemühungen der Landesregierung diesbezüglich sehr überschaubar, gefruchtet haben sie jedenfalls nicht. Sie haben das Thema auch in ihrer Dänemark-Strategie bisher sträflich vernachlässigt. Das ist sehr schade. Unsere Bundesregierung hat erkannt, dass es diesbezüglich Handlungsbedarf gibt. Deshalb gab es im Mai dieses Jahres eine erneute Ministererklärung dazu. Die Ziele sind klar definiert: Förderung der Mobilität, Kooperation und Austausch von Informationen über die Internationalisierung der Berufsausbildung, Austausch zwischen den relevanten Akteuren in beiden Staaten, um die Qualität der Ausbildung in beiden Staaten zu verbessern. Wir erwarten von der Landesregierung, dass sie sich an diesem Prozess, den der Bund gestartet hat, konstruktiv und aktiv beteiligt. Bringen Sie sich in die nationale AG zur Umsetzung der Erklärung ein, und setzen Sie sich dort für eine Steigerung der Mobilität in der deutsch-dänischen Grenzregion im Bereich der Berufsausbildung ein! Nutzen Sie auf Landesebene jetzt endlich die Chance, selbst aktiver zu werden! Das können Sie nämlich. Nicht alles wird auf Bundesebene entschieden, um es einmal vorwegzunehmen. Wir fordern Sie also als Landesregierung auf, die bewusste Entscheidung für eine Karriere auf der anderen Seite der Grenze gezielter zu fördern. Werben Sie aktiv für die Möglichkeit, eine deutsch-dänische Ausbildung zu machen! Werben Sie für den doppelten Abschluss, nutzen Sie dabei die Multiplikatoren und das Wissen der Berufsschulen! Herr Vogt, hier steht das selbstverständlich mit drin. Wir haben die Berufsschulen selbstverständlich mitgedacht. Tatsächlich konnte ich Ihren Antrag heute Morgen nicht richtig verstehen. Ich fragte mich: Was wollen die denn? Da steht doch das Gleiche. – Natürlich, die Berufsschulen sind mitgedacht. Vielen Dank für den Änderungsantrag. (Christopher Vogt [FDP]: Wir sind hochmotiviert!) – Das ist gut. – Nutzen Sie also das Wissen der Berufsschulen, der Kammern, der Gewerkschaften, des Info-Centers Grenze mit seiner Mobilitätsberatung, und beziehen Sie die Minderheiten mit ihrem Schwarmwissen als Brückenbauer ein. Sorgen Sie für die gezielte Beratung, wie dies beispielsweise mit dem aktuellen Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich durch die Bundesregierung auf den Weg gebracht wurde. (Birte Pauls) Es gibt beste Möglichkeiten, denn es gibt nur Vorteile. Eine grenzüberschreitende Ausbildung ist auch eine Antwort auf den Fachkräftemangel. Sie fördert die Zweisprachigkeit einer Region, sie schafft Vertrauen und Verständnis für die jeweiligen kulturellen Unterschiede. Sie macht die Region als Standort für die jungen Menschen attraktiver. Menschen, die in mehreren Ländern ausgebildet sind, sind attraktive Arbeitnehmer_innen. Sie haben gute Jobchancen. Sie sind meist sehr flexibel, können sich auf interkulturelle Herausforderungen einstellen und stärken somit auch den europäischen Zusammenhalt.
