Wiebke Zweig
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich halte die Rede heute stellvertretend für meinen Kollegen Knöfler. – Noch nie hatten junge Menschen so viele Möglichkeiten wie heute und damit verbunden so viele Fragen: Mache ich eine Ausbildung? Gehe ich weiter zur Schule? Mache ich doch erst ein Praktikum oder ein FSJ? Für all diese Fragen stehen Coaching-Fachkräfte an Schulen beratend zur Seite. (Wiebke Zweig) Durch die Coaching-Angebote an allen Schulen sollen Schülerinnen und Schüler gezielt auf die Berufs- und Arbeitswelt vorbereitet werden. Das ist zwingend notwendig. Die Berufliche Orientierung ist vor allem Teil des Auftrags der Schule. Bei der Umsetzung unterstützen auch Kooperationen mit außerschulischen Partnern. Oft brauchen Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf individuelle Beratung und Unterstützung. Genau hier setzen die Coaching-Angebote an. Durch stärkenorientierte Bedarfsanalysen lernen die Jugendlichen ihre eigenen Stärken und Potenziale besser kennen und können die für sie richtige Entscheidung für Beruf oder Studium treffen. In den Schulen wird die Berufliche Orientierung als schulgesetzlich definierte verbindliche Querschnittsaufgabe in allen Fächern aufgegriffen: Sie fördern die Stärken und Interessen der Schüler genauso wie deren Motivation, Vorstellungen über die eigene und insbesondere auch die berufliche Zukunft. Entscheidend sind hierbei eine alters- und entwicklungsgerechte Förderung von Selbstwirksamkeit, Aktivierung und Eigenverantwortlichkeit der Schülerinnen und Schüler sowie eine ausgeprägte Handlungsorientierung. Ein systematisches Schulkonzept setzt sich aus vielfältigen, auch digitalen, und ausgewogenen fächerübergreifenden Angeboten für die Schüler zusammen. Diese Angebote unterstützen die Schüler in ihrem Orientierungsprozess und in der Entwicklung ihrer Berufswahlkompetenz. Folglich kommt den Coaching-Angeboten eine sehr wichtige Rolle in der schulischen beruflichen Orientierung zu, gerade für junge Menschen, bei denen reibungslose Übergänge in eine Berufsausbildung zunächst eher unwahrscheinlich erscheinen und für die diese Zeit eine Herausforderung darstellt. Auch werden abbruchgefährdete Auszubildende und ihre Unternehmen durch Coaching-Fachkräfte beraten und unterstützt, um möglichen Vertragsauflösungen vorzubeugen und diese zu vermeiden. Über das Handlungskonzept STEP ist sichergestellt, dass beeinträchtigte und gerade schwerbehinderte Jugendliche die notwendige Unterstützung durch Coaching-Fachkräfte schon ab der allgemeinbildenden Schule erhalten. Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollen durch entsprechende Praktika eine Beschäftigung beziehungsweise Ausbildung auch auf dem ersten Arbeitsmarkt anstreben können. So begegnet man gleichzeitig dem Fachkräftemangel und fördert die Möglichkeiten Sitzung (neu) – Mittwoch, 17. Juli 2024 4757 zur selbstbestimmten gesellschaftlichen Teilhabe entsprechenden der UN-Behindertenrechtskonvention. (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zusätzlich wird die Attraktivität in der dualen Berufsausbildung erhöht. Hierfür stehen drei Maßnahmen beziehungsweise Coaching-Angebote zur Verfügung: Coaching an berufsbildenden Schulen und RBZ, IT-Scouts, die bei den jungen Menschen ein Interesse an beruflichen Perspektiven in der IT wecken sollen, regionale Ausbildungsbetreuung, Anschlussperspektiven für abbruchsgefährdete Auszubildende. Bei dem Modellprojekt ÜSB-INKLUSIV – Übergang Schule-Beruf INKLUSIV – handelt es sich um ein bundesweit einmaliges Modellvorhaben der Förderzentren Geistige Entwicklung an den berufsbildenden Schulen in den vier Regionen Kiel, Lübeck, Schleswig-Flensburg und Segeberg. Hier besuchen Schüler anstatt der dreijährigen Berufsausbildungsstufe am Förderzentrum die Kooperationsmaßnahme an berufsbildenden Schulen. Ziel ist hierbei die Einmündung der Jugendlichen auf den ersten Arbeitsmarkt. Zu den Hauptaufgaben des Coachings im Übergangsmanagement zählen individuelle Begleitung und Lernunterstützung der jungen Menschen und die Vernetzung und Kooperation der Institutionen und Akteure. Am besten unterstützen können Coaching-Fachkräfte in multiprofessionellen Teams. Hierzu gehören unter anderem Sonderpädagogen, Erzieher, Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen, Schulbegleiter und viele mehr. Für die Anstellung von Coaching-Fachkräften ist eine AZAV-Zertifizierung für die Träger und deren Umsetzer verpflichtend. Seit 2021 waren 4.784 Schülerinnen und Schüler im Coaching des Handlungskonzepts STEP. Von ihnen haben 3.569 das Programm bereits komplett durchlaufen. Weitere 1.215 Schülerinnen und Schüler befinden sich derzeit noch im Programm. Mehr als drei Viertel der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler erreicht eine nachhaltige Anschlussperspektive. Rund 80 Prozent der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler haben in den letzten Jahren einen ESA erreicht, obwohl genau dies vor ihrem Eintritt in das Coaching beziehungsweise in die flexible Übergangsphase gefährdet war. Als Fazit ziehe ich: Coaching-Fachkräfte werden weiterhin zwingend gebraucht, um auch den Fachkräftemangel abzubauen. – Vielen Dank. (Wiebke Zweig) (Beifall CDU und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
