Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Seit Jahren drehen wir uns beim Thema Lehrkräftegewinnung im Kreis. Wir haben zu wenig Lehrerinnen und Lehrer. Zu wenig junge Menschen entscheiden sich für ein Lehramtsstudium, vor allem in den Mangelfächern. Folglich werden vor allem die Mangelfächer an den Schulen nicht ausreichend gelehrt, weshalb dann noch weniger junge Menschen ein Studium in diesen Fächern aufnehmen. Insofern ist der Antrag der FDP-Fraktion erst mal sehr gut gedacht: Das Masterstudium wird attraktiver, weil es bezahlt ist und die Absolventinnen und Absolventen den Job für danach schon in der Tasche haben. – Und doch greift, finde ich, der Antrag ein bisschen zu kurz. (Christopher Vogt [FDP]: Na, na, na! Denk an deine Mitfahrgelegenheit!) – Was? Okay, alles klar. (Heiterkeit SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, FDP und vereinzelt CDU – Zuruf CDU: Das ist Abgeordnetenerpressung!) Wir haben den Mangel nicht nur im Fach Informatik, sondern in vielen Fächern, lieber Christopher Vogt, in Kunst, Musik und Religion und an manchen Orten sogar in fast allen Fächern. Wir haben den Mangel vor allem nicht nur an den weiterführenden Schulen, sondern schon an den Grundschulen, wo die Schülerinnen und Schüler dann von fachfremden oder studierenden Vertretungskräften unterrichtet werden. Und dann wundern wir uns (Jette Waldinger-Thiering) wieder, dass die Kinder nicht ausreichend lernen und keine MINT-Fächer studieren möchten und so weiter und so weiter. Meine Vorredner haben es schon eingehend gesagt: Wir haben das duale Studium für die Sonderpädagogik. Das klappt, glaube ich, sehr gut. Da so viele andere Bundesländer das jetzt auch machen, finde ich, dass wir wirklich einmal darüber nachdenken können, die Möglichkeit des dualen Studiums auf weitere Fächer auszudehnen. Wieso sage ich das? Wenn man sich die Abbrecherquote anguckt, stellt man fest, dass sie auch damit zusammenhängt – ich glaube, einer meiner Vorredner hat das schon gesagt –, dass die Studierenden, wenn sie im Studium das erste Mal in die Schule kommen, verschreckt sind und denken: Oh mein Gott! Ich glaube, das wollte ich gar nicht. – Dann sagen ganz viele Menschen: Oh nee, das war eigentlich gar nicht das, was ich studieren wollte; so möchte ich nicht arbeiten. – Deshalb ist dieses duale Studium als Verbindung von Theorie und Praxis – erst die Theorie, dann in die Praxis kommen und die Theorie ausprobieren – einfach der bessere Weg, um zum Erfolg zu kommen, um in einem angemessenen Zeitraum das Studium zu beenden und am Ende des Tages auch tatsächlich Lehrkraft bei uns in Schleswig-Holstein zu werden. Damit geben wir – ich finde, das ist superwichtig – unseren Schulen in Schleswig-Holstein die Möglichkeit, einen Input von jungen Menschen zu erhalten, von Studierenden, die neues Wissen und hoffentlich viele neue gute Ideen haben. Ich glaube, das ist ein guter Weg. Das sollte man ausweiten auf die anderen Fächer, um mehr Menschen vom Lehramtsstudium und vom Lehramtsberuf zu überzeugen. Insofern werden wir, sehr geehrter Christopher Vogt, obwohl ich gerade etwas kritisch war, dem Antrag zustimmen, (Heiterkeit SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD, FDP und vereinzelt CDU – Lukas Kilian [CDU]: Driving home for Christmas!) sofern wir nicht beide Anträge in den Ausschuss überweisen wollen, um dort noch mal darüber zu reden. Die Ministerin hat ja schon ganz viel dazu gesagt. Ich glaube, wir sollten noch mal darüber reden. Vielleicht können wir ja auch die Lehramtsstudierenden aus Flensburg dazu einladen, um zu erfahren, welchen Effekt das im Bereich Sonderpädagogik hatte. Ich nutze meine Redezeit nicht aus. – Vielen Dank. (Beifall SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und FDP)
