Christopher Vogt
Liebe Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Gewinnung von neuen Lehrkräften ist eine der größten bildungspolitischen Herausforderungen dieser Zeit. Das ist hier sicherlich unstrittig. Es gibt da keine Zauberformel und kein Allheilmittel. (Beifall FDP und Nelly Waldeck [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN] – Zuruf: Das war auch mein erster Satz! Damit wollte ich auch anfangen!) – Das ist immer das Problem, wenn die Pressestelle schon die Reden raushaut, bevor man geredet hat, Frau Ministerin. Tut mir leid, jetzt müssen Sie sich neue Buzzwords ausdenken. Ich konnte nicht widerstehen, tut mir leid. Die Bildungsministerin hat deshalb immerhin bereits drei Maßnahmenpakete zu diesem wichtigen Thema auf den Weg gebracht. Diese angekündigten Maßnahmen sind aus meiner Sicht überwiegend gut und sinnvoll. Aber sie sind bei Weitem nicht ausreichend, um die große Herausforderung absehbar zufriedenstellend meistern zu können. Denn es wurden ja eher kleine Stellschrauben gedreht. Wir sind deshalb der Meinung, dass es weitere konkrete Maßnahmen braucht, und man wird dabei auch mutigere neue Wege gehen müssen. Dazu hatten wir Ihnen bereits im vergangenen Herbst gemeinsam mit der SPD- und der SSWFraktion zwölf verschiedene Punkte vorgeschlagen. Wir schlagen Ihnen heute noch einmal sehr konkret vor, auch bei der Lehramtsausbildung verstärkt auf das duale Studium, also auf einen guten Mix aus Theorie und Praxis, bereits während des Studiums zu setzen. Dies sollte aus unserer Sicht ein weiterer Baustein sein, um mehr junge Menschen für einen der wichtigsten Berufe zu begeistern, den es in unserer Gesellschaft überhaupt gibt. Wir werden ja gleich wieder das Argument der Koalition hören: Das allein reicht aber nicht aus – das hatten wir schon bei den Werkstatttagen. Nee, das sagt auch keiner, deswegen ist das ein Pseudoargument. Aber das ist ein weiterer Baustein, den Sie aus meiner Sicht nutzen sollten. Wir sehen in der frühzeitigen und dauerhaften Verzahnung von Theorie und Praxis während des Lehramtsstudiums viele Vorteile. Das ist übrigens in vielen Bereichen ein sehr erfolgreiches Modell. Auch ich habe ein duales Studium absolviert. Aber daran möchte ich gar nicht festmachen, dass das weitestgehend alles gute Leute sind. (Heiterkeit) Andere Bundesländer wie Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen-Anhalt oder Thüringen – es sind also nicht nur Länder in Ostdeutschland, sondern auch im Süden – haben sich hier zuletzt auch im (Christopher Vogt) Bereich der Lehramtsausbildung auf den Weg gemacht. Die Kultusministerkonferenz hat sich im vergangenen März darauf verständigt, diesen Weg bundesweit zu ermöglichen, weil es natürlich auch immer um die Anerkennung geht. Mir ist bekannt, dass hierzu die Ratschläge des Wissenschaftsrats und der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz auseinandergehen. Aber ich sehe eine große Chance in diesem Weg. Das duale Studium wäre auch in Schleswig-Holstein im pädagogischen Bereich nicht komplett neu. Aber es sollte auch kein Nischenthema mehr sein. Das Beispiel Flensburg wird wahrscheinlich gleich mehrfach genannt werden. Dort gab es unter anderem schon einen Masterstudiengang zur beruflichen Bildung, der eingestellt wurde. Allerdings muss ich sagen: Ja, man muss sich auch anschauen, woran das lag. Ich glaube nicht, dass das duale Studium an sich unattraktiv ist, sondern dass es in dem Fall vielleicht nicht richtig aufgestellt war. Es geht aus unserer Sicht nicht nur um einen deutlich besseren Praxisbezug, mit dem der sogenannte Praxisschock vermieden werden kann, der mit ein entscheidender Faktor für die sehr hohe Abbrecherquote im Lehramtsstudium zu sein scheint. – Der Kollege Balasus nickt wissend. Sondern es geht auch um das Anwerben neuer Zielgruppen durch eine attraktive Ausbildungsvergütung, durch das Nutzen der starken regionalen Verwurzelung der möglichen Bewerberinnen und Bewerber, die dann später auch regional besser gebunden werden können, und durch eine nach Möglichkeit kürzere Ausbildungsdauer, durch eine sinnvolle Verbindung von Studium und Referendariat. Ich glaube, es ist generell ein Thema, dass Studium und Referendariat stärker miteinander verzahnt werden müssen. Das jetzige Modell ist reformbedürftig. Man sollte sich aus unserer Sicht zunächst auf Mangelfächer wie zum Beispiel Informatik oder Musik konzentrieren. Man könnte dafür beispielsweise den Studienstandort Lübeck nutzen, um auch im Süden vertreten zu sein. (Dagmar Hildebrand [CDU]: Machen wir doch schon!) – Ja, verstärkt auf Lübeck setzen. (Martin Balasus [CDU]: Is ne scheene Stadt!) – Ja, is ne scheene Stadt. Man sollte auf die bei der Lehrkräfteausstattung besonders unterversorgten Regionen wie die Westküste oder den Südosten des Landes mit den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg als Standorte für die Ausbildungsschulen setzen. Der Alternativantrag der Koalitionsfraktionen ist aus meiner Sicht, wie diese Alternativanträge der Koalition halt so sind. (Malte Krüger [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Gut!) – Na ja. Er ist nicht ganz so weitgehend, nicht ganz so konkret. Es sind viele kleine Aufträge an die Regierung drin, an das Kultusministerium. Herr Balasus, ich sage deutlich – denn wir werden das Thema morgen ja noch haben –, dass man, wenn man Aufträge an die Regierung erteilt, dann später auch darlegen muss, dass man diese Aufträge erfüllt hat. Das werden wir morgen miteinander besprechen. Das scheint mir schon ein Problem, gerade im Bildungsministerium, geworden zu sein. Da haben Sie viele Aufträge auf den Weg gebracht, und jetzt bekommen wir immer die Rückmeldung: Das schaffen wir nicht, das haben wir nicht geschafft und so weiter. Das ist ein Problem. (Zuruf Patrick Pender [CDU]) Meine Damen und Herren, Schleswig-Holstein sollte dem Beispiel anderer Bundesländer folgen und hier mutiger vorangehen. Das wäre ein Gewinn für unsere Bildungslandschaft. Ich beantrage daher eine Überweisung der beiden Anträge an den Bildungsausschuss, freue mich auf die weitere Diskussion und wünsche Ihnen noch einen schönen Nachmittag. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall FDP, vereinzelt SSW und Beifall Martin Habersaat [SPD])
