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Christian Dirschauer

SSW 20.06.2024 Sitzungen 20/61

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Ministerin, herzlichen Dank für den Bericht. Ich will keinen Hehl daraus machen, dass mich das Konzept der PerspektivKitas vom Grundsatz her überzeugt. Wenn wir die Bildungschancen zumindest annähernd angleichen wollen, macht es natürlich Sinn, den sozioökonomischen Status der Herkunftsfamilie zu berücksichtigen. Seit Jahrzehnten belegt eine Studie nach der anderen, dass ein überdeutlicher Zusammenhang zwischen Elternhaus und Bildungs- und Teilhabechancen besteht. Es ist doch weiterhin ein Armutszeugnis für unser Land, dass es bis heute eben kaum gelungen ist, diese Ungerechtigkeit zumindest abzuschwächen. Wir stagnieren da komplett – im Gegenteil, es wird eher schlimmer. Deshalb ist es aus Sicht des SSW umso wichtiger, dass wir uns stärker mit dem Problem ungleich verteilter Chancen auseinandersetzen, und zwar von Beginn der Bildungslaufbahn an. Wie wir gehört haben, ist die Idee hinter den sogenannten PerspektivKitas, bestimmte Einrichtungen so weiterzuentwickeln und auszustatten, dass Familien und Kinder mit besonderen Herausforderungen besser unterstützt werden können. Ausschlaggebende Faktoren können ein geringer Bildungsstand, Migrationserfahrung oder Armut sein. Dies und der Ansatz, sich auf vergleichbare Sozialräume wie jene der PerspektivSchulen und auf den Übergang zwischen Kita und Schule zu konzentrieren, halte ich für logisch und zielführend und damit schlechtweg für richtig. Ich halte es aber auch für überfällig, denn wir sehen leider weder bei der Verbreitung von Armut noch bei den Schulabbrecherquoten im Land eine irgendwie nennenswerte Verbesserung. Eine gute und vor allem nach unterschiedlichen Startchancen der Kinder differenzierte frühkindliche Bildung ist hier ein effektives Gegenmittel, das wir unbedingt aufbauen müssen. Die 250.000 Euro, die die Koalition für die PerspektivKitas in den Haushalt eingestellt hat, sind natürlich löblich. Ich habe gerechnet und kam erst auf eine wesentlich kleinere Anzahl an Kitas. Da beruhigt es mich, Frau Rathje-Hoffmann, dass Sie die Katze hier aus dem Sack gelassen haben und von 2,05 Millionen Euro gesprochen haben, die dann ab 2025 eingestellt werden sollen. Aber von diesen Mitteln muss in den betreffenden Einrichtungen dann jeweils nicht nur eine halbe Fachkraftstelle, sondern auch ein erheblicher Kooperations- und damit Verwaltungsaufwand finanziert werden. Noch dazu stellen sich Träger und Einrichtungen eine ganze Reihe Fragen zu den Details der Ausgestaltung, und viele vermuten, dass mit der Anerkennung und Arbeit als PerspektivKita weitere Kosten verbunden sind. Wenn ich recht informiert bin, dann soll das finale Konzept im September 2024 stehen. Wenn man sich mit den Trägern austauscht, wird man feststellen, dass es auch hier erhebliche Unsicherheiten und noch einen Haufen unbeantworteter Fragen gibt. Das fängt damit an, wann dieses Modell denn eigentlich konkret starten und enden soll. Zum Start haben wir etwas gehört. Das Ende ist natürlich auch immer eine Frage: Lohnt es sich sozusagen, in ein Projekt zu investieren? Das bedeutet ja auch für die Träger immer, erst mal Ressourcen reinzustecken. Sie fragen sich auch, wie die Kooperation mit den Schulen aussehen, verbindlich gestaltet werden soll und überhaupt kann und ob diese Arbeit in speziellen Räumen oder in der Gruppe stattfindet. Auch fragen sie sich: Ist eine wissenschaftliche Begleitung geplant, und wenn ja, durch wen, und welche Ressourcen stehen zur Verfügung? – Alles das habe ich gehört. Außerdem fragen sich die Träger (Christian Dirschauer) auch, ob die halbe Stelle, die von der Kollegin Rathje-Hoffmann benannt wurde, unabhängig von der Größe der Einrichtung vergeben wird. Welche Qualifikation soll diese Fachkraft mitbringen? Wie wird sie überhaupt in das Team integriert? Ich denke, so gut der Ansatz auch ist, die Landesregierung sollte hier dringend und zügig konkret werden, damit man dort dann wirklich fachlich arbeiten kann. Ich will hier gewiss nichts zerreden, aber darüber hinaus wird auch die Regierung zugeben müssen, dass es wohl kaum einen Verantwortlichen im Kitasystem gibt, der es überhaupt für möglich hält, im laufenden Prozess, in dem wir uns ja auch ganz generell befinden, und in dem kommenden Gesetzgebungsverfahren mit seinen Unsicherheiten weitere Programme zu implementieren. Das führt bei den Trägern wirklich zu einer großen Unsicherheit und durchaus auch zu Unsicherheit beim Personal. Nicht nur wir fragen uns, welche Hauptziele die Landesregierung überhaupt in Bezug auf die Verbesserung von Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern hat. Sicher: Zusätzliche Fachkräfte für die Kitas in benachteiligten Stadtteilen sind dringend nötig. Das ist Konsens, darüber herrscht hoffentlich weitestgehend Einigkeit. Den Eindruck kann man haben. Doch auch wenn es schnell Antworten auf die vielen Fragen gibt, zweifle ich daran, dass wir die Herausforderung in diesem Bereich durch die PerspektivKita allein meistern können. Ich denke, wir sollten uns ehrlich machen und gemeinsam feststellen, dass wir hier keine Projekte, sondern eigentlich eine Regelfinanzierung brauchen. Der Kollege Garg hat es auch gesagt. – Herzlichen Dank.

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