Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte ein bisschen von meinem Redemanuskript abweichen und einmal kurz auf meine Vorredner eingehen; denn diese beiden Anträge müssten eigentlich „Praktische Berufsorientierung“ heißen. Wieso sage ich das? An den Gymnasien ist Berufsorientierung zwar vorgesehen, diese findet aber eigentlich nur auf dem Papier statt. (Zuruf SPD) – Ich habe auch „eigentlich“ gesagt, und das habe ich ganz bewusst getan; denn es wird sehr unterschiedlich gehandhabt. Wir sind uns doch eigentlich alle darüber einig, dass die Berufsorientierung praxisorientierter und sinnvoller werden muss. Die jungen Menschen müssen endlich wissen, wozu sie ihre Hände gebrauchen können. (Beifall SSW und Martin Balasus [CDU]) Der Schulalltag ist weitgehend von Kopfarbeit in den Fächern, vom Lesen und vom Rechnen und vom Erlernen all dieser basalen Fertigkeiten geprägt. Wir möchten am Ende des Tages aber, dass die jungen Menschen tatsächlich einen Beruf erlernen, eine Ausbildung machen oder studieren. Deshalb glaube ich – und ich denke, auch darüber sind wir uns alle einig –: Wenn wir den jungen Menschen in der Schule nicht beibringen, dass sie auch andere Fähigkeiten haben und mehr als Lesen, Schreiben und Rechnen erlernen können, dann werden sie nicht wissen, wozu sie ihre Hände und ihre Kreativität auch gebrauchen können. Wir vom SSW werden beide Anträge unterstützen, weil sie – die FDP hat den Aufschlag gemacht – in die richtige Richtung gehen. Peer Knöfler hat vorhin darauf hingewiesen: Die Werkstatttage würden unsere beruflichen Schulen unter Druck setzen. Ich finde aber, dass wir hiermit in einen Dialog mit den Arbeitgebern, der Industrie, dem Handwerk oder den Innungen treten können. Ich glaube, sie alle sind daran interessiert, den jungen Menschen zu zeigen, wie die Arbeit bei ihnen funktioniert. Wir haben im Augenblick Praktikanten. Natürlich darf man nicht vergessen: Wenn man Praktikanten beschäftigt, dann bedeutet das erst einmal, dass man den Arbeitsalltag erklären muss. Es kann auch sein, dass der Praktikant oder die Praktikantin den Ablauf ein wenig aufhält, weil man Abläufe erklären muss. Man muss den Praktikantinnen und Praktikanten auch eine sinnvolle Aufgabe geben. Es darf nicht sein, dass sie einen Besen in die Hand gedrückt bekommen und fegen sollen oder Kaffee kochen müssen. Ich finde beide Anträge gut. Die Frage, ob wir das Thema Ausbildung in der Lehrkräftebildung schärfen wollen, ist ein richtiger Ansatzpunkt. Es ist aber (Jette Waldinger-Thiering) auch superwichtig, dass Schule sich öffnet und Betriebe einlädt. Wir alle waren gemeinsam bei einem richtig guten Frühstück der IHK, bei dem wir genau diese Dinge besprochen haben. Ich finde, beide Anträge gehören in den Ausschuss, damit wir sie dort beraten können. Ich finde, wir müssen für alle – das gilt für Schülerinnen und Schüler aller Schularten, egal ob am Förderzentrum oder am Gymnasium – ein gutes Angebot machen können. Darüber möchte ich mit Ihnen allen gemeinsam diskutieren. (Beifall SSW, FDP, vereinzelt SPD und Beifall Martin Balasus [CDU])
