Jasper Balke
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie haben meine Rede gerade gehört. (Jasper Balke) (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP und SSW – Heiterkeit – Zuruf CDU: Sehr gut!) So oder so ähnlich hätte ich es auch ausgedrückt. – Herzlichen Dank, Frau Kollegin Hildebrand. Das war auf jeden Fall astrein. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und CDU) Wir haben uns vorher nicht abgesprochen. Also, meine ersten zwei Seiten waren tatsächlich ähnlich. Ich wollte ein bisschen auf die Wirkung von Distickstoffmonoxid, also Lachgas, eingehen. Den entscheidenden Punkt des Vitamin B 12 haben Sie schon angesprochen. Es ist eine chronische Schädigung insbesondere der Blutbildung, die damit einhergehen kann. Es gibt große Probleme, weil ohnehin schon bei vielen Menschen ein Vitamin-B-12- Mangel besteht, den sie nicht mitbekommen. Gerade bei Jugendlichen oder Minderjährigen, die sehr viel Lachgas konsumieren, verstärkt sich das noch, was zu Entwicklungsschädigungen führen kann, die teilweise irreversibel sind. Außerdem ist es so, dass Lachgas Sauerstoff verdrängt. Wenn es auf unser zentrales Nervensystem wirkt, führt das am Ende einfach dazu, dass es an bestimmten Stellen am Körper zu hypoxieartigen, also sauerstoffarmen Zuständen kommt. Wenn kein Sauerstoff im zentralen Nervensystem und den Nervenbahnen ist, führt das dazu, dass Zellen absterben. Das ist das, was am Ende passiert, wenn man Lachgas konsumiert. Dieses wohlige Gefühl, dieses Entspannungsgefühl und so weiter, resultiert aus der Wirkung auf das zentrale Nervensystem. Wir haben diese Initiative jetzt unter anderem gestartet, weil wir ganz klar sagen wollen: Der Konsum von Lachgas ist nicht einfach mal so eine lustige Idee oder einfach mal so mit den Freundinnen und Freunden zu machen. Der Konsum von Lachgas ist zu schädlich, um ihn leichtfertig weiter zu betreiben. Deshalb ist es gut, dass gerade wir aus Schleswig-Holstein mit dieser Debatte ein klares Zeichen an die jungen Menschen senden und deutlich machen: Der Lachgaskonsum lohnt sich einfach nicht. Deswegen lasst bitte die Finger davon! (Beifall ganzes Haus) Leider ist es so, dass dieses Wissen gerade bei vielen jungen Konsumierenden fehlt. Insbesondere die freie Verfügbarkeit in Kiosken und Automaten, die sich teilweise ja sehr nah an der Lebensrealität vieler junger Menschen befinden, führt dazu, dass der Anreiz sehr hoch und die Schwelle sehr niedrig ist, das einmal auszuprobieren. Diese beiden Punkte sind sehr kritisch, gerade wenn es um einen so gefährlichen Stoff geht. Genau da wollen wir ansetzen, eingreifen und den Verkauf und die freie Verfügbarkeit einschränken. Das ist bei uns in Deutschland ehrlicherweise längst überfällig. Es ist so, dass man sich auch nicht irgendwie davon irritieren lassen kann, dass man sagt: Lachgas wird doch eigentlich irgendwie als Narkosegas verwendet. Wieso ist das jetzt plötzlich so schädlich? – Na ja, da besteht der Unterschied, dass das Narkosegas Lachgas gemeinsam mit Sauerstoff eingesetzt wird, um eben genau die negativen Folgen davon – – (Zuruf Serpil Midyatli [SPD] – Heiterkeit SPD und FDP) – Die Wirkung ist dann natürlich abgeschwächt. Natürlich ist die Dosis entscheidend. Das ist ja auch einer der Punkte: Gerade wenn ich mir eine große Lachgaskartusche kaufe und die in den Ballon reinmache, kann ich nie genau sagen, wieviel von dem Stoff ich eigentlich einatme. Deswegen haben wir ja die vielen Meldungen, unter anderem aus dem UKSH in Kiel, darüber, dass in der Neurologie immer wieder Einlieferungen gerade junger Menschen sind, die mit neurologischen Störungen kommen, weil sie einfach eine zu hohe Dosis dieses Lachgases eingeatmet haben und dadurch teilweise sehr schwerwiegende Folgen direkt und nicht nur indirekt erfahren. Jetzt ist es so, dass der Anreiz, sich auszuprobieren, eben auch daher kommt, dass man diese großen Kartuschen bekommen kann, sie mit vielen Freundinnen und Freunden ausprobieren kann. Das führt zu einer Niedrigschwelligkeit, eben diesem Anreiz, das Lachgas zu verwenden. Das ist noch einmal eine soziale, so eine Gruppenkomponente. Genau deswegen haben wir die Forderung zum Beispiel der Ärztekammer aus Niedersachsen aufgenommen, dass wir die Verfügbarkeit sehr großer Mengen von Lachgas einschränken wollen, nicht nur für Minderjährige, sondern für alle Menschen. Denn mir kann keiner erklären, warum jemand eine so große Menge Lachgas braucht, um beispielsweise ganz viele Sahnekartuschen aufzusprühen. (Heiterkeit Dagmar Hildebrand [CDU]) Das kann man mir nicht erklären; das wird missbräuchlich verwendet. Deswegen ist es richtig, den Verkauf auf handelsübliche Mengen zu beschränken. Das fordern wir in unserem Antrag, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Jasper Balke) Jetzt wollte ich eigentlich noch ein paar andere Worte sagen, nämlich, dass wir gerade bei Jugendlichen Schwierigkeiten haben, weil wir sehen, dass sich deren Drogenkonsum immer stärker diversifiziert. Wir erleben immer mehr Drogenkonsum, auch Medikamentenmissbrauch über Benzos und Opiate. Leider ist es so, dass die unterschiedlichen Drogen häufig parallel konsumiert werden. Wir haben einen großen Mischkonsum, und der Mischkonsum ist gerade bei Alkohol, aber auch was die Beruhigungsmittel und die schweren Schmerzmittel betrifft, noch einmal schwieriger.
