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Christian Dirschauer

SSW 20.06.2024 Sitzungen 20/61

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Krankenhauslandschaft in Schleswig-Holstein steht vor großen Herausforderungen. Das wissen wir nicht erst seit gestern, aber das ja wird gerade vor dem Hintergrund der vom Bund geplanten Krankenhausreform noch einmal mehr als deutlich. Ohne Frage brauchen wir eine Krankenhausreform, die Fehlanreize für die Kliniken abschafft und das Vorhalten notwendiger Leistungen – auch derjenigen, mit denen man kein Geld verdienen kann – sicherstellt. Wir sehen aber auch, dass die geplante Reform ein Flächenland wie Schleswig-Holstein vor große Herausforderungen stellt. Denn auch wenn auf der einen Seite eine Spezialisierung nötig ist, um eine gute Behandlungsqualität zu sichern, braucht es auf der anderen Seite Krankenhäuser in der Fläche, die eine wohnortnahe Versorgung, vor allem eine Akutversorgung, sicherstellen können. Das ist ein Spagat, da kleine Standorte weniger spezialisierte Leistungen anbieten können und oft im Werben um qualifizierte Fachkräfte unterlegen sind. Trotzdem können wir den Menschen keine uneingeschränkt weiten Wege zum nächsten Krankenhaus zumuten, liebe Kolleginnen und Kollegen. Vor allem in der Geburtshilfe haben wir das bereits hinlänglich diskutiert; aber auch in anderen Bereichen spielt das eine Rolle. Auch das macht deutlich, dass wir eine Krankenhausplanung künftig noch größer und noch strategischer denken müssen – und eben gemeinsam mit unseren Nachbarn. Vor allem im Hamburger Umland – wir haben es eben gehört – haben die Patienten uns das längst eigenständig abgenommen, indem sie sich für eine Behandlung in einem Hamburger Krankenhaus entscheiden. Circa 35 Prozent der Patienten in Hamburger Krankenhäusern haben ihren Wohnsitz außerhalb Hamburgs, 20 Prozent davon in Schles- (Christian Dirschauer) wig-Holstein. Nicht umsonst hat die Hamburger Gesundheitssenatorin kürzlich gefordert – wir haben es gehört –, dass sich Schleswig-Holstein und Niedersachsen an den Krankenhausinvestitionskosten in Hamburg beteiligen sollten, weil sie dadurch eigene Strukturen einsparen. Als seinerzeit die Regio Klinik in Wedel schloss, hat man in Hamburg in der Asklepios Klinik Nord 140 neue Betten geschaffen. Auch im Bereich der Geburtshilfe wissen wir, dass es entsprechende Wanderungstendenzen nach Hamburg gibt. Auch wenn es hier schon lange einen Austausch auf ministerieller Ebene gibt, sollte dies perspektivisch im Rahmen der Fortschreibungen der Krankenhausplanungen fest institutionalisiert werden. Die anstehende Klinikreform ist somit auch eine einmalige Chance, bestehende Strukturen aufzubrechen und eine engere Kooperation einzugehen. Nur gemeinsam können wir stärker spezialisierte Klinikstandorte vernünftig planen; denn eine Spezialisierung, die in Hamburg-Nord vorgehalten wird, brauchen wir nicht – sorry, jetzt kommt es wieder – in Pinneberg. Umgekehrt müssen die Hamburger aber auch in Rahlstedt nicht den gleichen Klinikschwerpunkt haben, wie wir ihn in Reinbek vorhalten. Auch im Norden Schleswig-Holsteins – manchmal sind Landes- und Bundesgrenzen eben doch noch Grenzen in Bezug auf die Versorgung – lohnt sich übrigens der Blick über die Grenze. Wo wir in Flensburg sechs Wochen auf einen MRT-Termin warten – sogar in der Klinik –, gibt es den in Kollund, einem Ort nur wenige Kilometer hinter der Grenze, innerhalb weniger Tage; in der letzten Woche betrug die Wartezeit drei Tage. Viele Jahre gab es in Flensburg eine gut funktionierende Zusammenarbeit mit der Region Süddänemark, insbesondere im Bereich der Strahlentherapie. Auch hier gibt es Potenziale, die man bei der Krankenhausplanung mitdenken sollte, nicht nur für die dänischen Patienten, sondern eben auch für die aus SchleswigHolstein. Soll die Krankenhausreform zum Wohle der Patienten gelingen, müssen wir in größeren Strukturen denken als bisher. Für Kleinstaaterei ist an der Stelle absolut kein Platz mehr. Sonst haben wir am Ende eben wieder nur ein Reförmchen, bei dem jedes Bundesland seine eigene Suppe kocht. Das wäre fatal für die Patienten, aber eben auch für unsere Kliniken. Also lassen Sie uns die einmalige Gelegenheit beim Schopfe packen und die Krankenhauslandschaft gemeinsam mit unseren Hamburger Freunden neu denken! Und lassen Sie uns gerne eine neue – oder eine erstmalige; das muss man fast so sagen – Kooperation mit der Region Süddänemark anstreben. – Herzlichen Dank. (Beifall SSW und vereinzelt FDP)

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