Jette Waldinger-Thiering
Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Fangen wir mit dem Guten an: Wir werden auch nicht das Haar in der Suppe – weder in dem einen noch in dem anderen Antrag suchen –, sondern werden beiden Anträgen zustimmen. Warum werden wir das tun? Weil KI schon längst den Einzug in die Schulen gefunden hat und wir einige Punkte dessen teilen, was meine Vorredner gesagt haben. Ja, KI und IT gehört in die Lehrkräfteausbildung und in die Fortbildung. Das ist superwichtig – genauso, wie wir IT an all unseren Schulen und nicht nur in Form eines Flickenteppichs haben müssen. Jetzt kommt das Wasser, das ich in den Wein kippen muss. Ich bin sehr dankbar, dass Christopher Vogt das gerade gesagt hat: Unsere Schülerinnen und Schüler besitzen auch noch natürliche Fähigkeiten. Wenn Martin Habersaat sagt, dass er immer nach Hamburg guckt, dann gucke ich – wie Sie alle wissen – immer gerne nach Dänemark. (Lars Harms [SSW]: Besser ist das!) Da haben die schon lange Digitalisierung. Sie haben ihre Evaluation darüber geführt und haben jetzt damit angefangen, die Bildschirmzeit zu reduzieren, weil sie herausgefunden haben, dass sich, nachdem die Kinder mit der vielversprechenden Lese-App, von der es vielleicht nur noch eine Lizenz gibt, die sich Malte Krüger und Martin Balasus und vielleicht noch Martin Habersaat teilen werden, das Lesen gelernt haben, die Lesefertigkeiten deutlich verschlechtert haben. In Dänemark geht man deshalb einen Schritt zurück. Insofern glaube ich, dass wir bei aller Euphorie darüber, dass wir KI an unseren Schulen haben wollen, einfach gucken sollten, wie wir das gut mit den natürlichen, basalen Fertigkeiten zusammengekoppelt bekommen. Wir brauchen den Fehler nicht noch einmal machen, den man in Dänemark bereits gemacht hat, weil man massiv auf Digitalisierung gesetzt hat, sondern wir sollten auch die natürlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler unterstützen. Dann ist das Thema Armut ein weiterer Punkt, den ich bei der ganzen Diskussion einbringen will. Wir haben heute um 15 Uhr mit dem Thema Prävention angefangen, und da war Thema, dass Armut, also die soziale Herkunft, den Gesundheitszustand bestimmt. Genauso wird es hier auch sein. Wir haben immer noch Schülerinnen und Schüler, die kein Endgerät besitzen. Wir haben immer noch Schülerinnen und Schüler, die zu Hause nicht über einen WLAN-Anschluss verfügen. Wenn wir uns angucken, wie unsere Bildungsungerechtigkeit immer größer wird, die Schere immer weiter auseinandergeht – wir sprechen über Kinderarmut –, dann müssen wir in dem Zusammenhang, wenn wir über KI sprechen, auch über Bildungsgerechtigkeit sprechen. Das bedeutet für mich, dass alle Schülerinnen und Schüler den Zugang zu einem WLAN haben müssen, damit sie das auch zu Hause gebrauchen können. Davon sind wir noch (Jette Waldinger-Thiering) weit entfernt. Was den DigitalPakt 2.0 betrifft, Herr Kollege Christopher Vogt, da gebe ich Ihnen recht. Der muss kommen; der muss ganz schnell kommen. Denn wir müssen das Geld nutzen, um allen Kindern gerecht zu werden. Mir ist außerdem bei der ganzen Diskussion über die Künstliche Intelligenz die Frage wichtig, wie wir auf die Schülerinnen und Schüler mit besonderen Handicaps schauen. Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen. Dieses System – die KI – kann auch vielen Schülerinnen und Schülern helfen, die besondere Herausforderungen haben. Das sollten wir auch einmal gemeinsam in den Blick nehmen und uns nicht immer nur auf die Oberstufen oder auf die weiterführenden Schulen konzentrieren, sondern das muss auch da hin, wo wir Kindern mit einem Handicap helfen können. (Beifall SSW und SPD) Insofern: Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SSW und SPD)
