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Jette Waldinger-Thiering

SSW 23.05.2024 Sitzungen 20/58

Sehr geehrte Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Künstliche Intelligenz kann in Windeseile auch ohne Programmierkenntnisse Kunstwerke erschaffen, indem sie sich bei bestehenden Werken bedient: einzelne Bestandteile werden kopiert und neu arrangiert. Was heute noch experimentellen Charakter hat, ist im Bereich der Architektur bereits ein echtes Problem. Die Sorge, dass Berufe in der Kreativbranche gefährdet sind, wenn einfache Grafiken mittels KI-Bildgeneratoren schneller und kostengünstiger gefertigt werden können, ist also durchaus realistisch. Das gilt auch für andere Bereiche. Darum ist es gut, dass wir über die künstliche Intelligenz im Bereich der Kultur beraten. Die Politik muss hier klare Rahmen setzen, um die Kulturschaffenden gegenüber privatwirtschaftlichen TecUnternehmen zu schützen. Andererseits ist künstliche Intelligenz gerade im Kulturbereich ein enormer Fortschritt. Das gilt vor allem für die Minderheiten. Eine entwickelte KI mit dänischer oder friesischer Literatur zu füttern, um Übersetzungs- und Lernkurse zu entwickeln, erscheint mir ein lohnendes Unterfangen. (Beifall Lars Harms [SSW] und Uta Röpcke [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]) Gerade aber die kleinen Sprachen drohen bei der KI-Entwicklung hinten runterzufallen: zu aufwändig erscheint die entsprechende Programmierung. Das halte ich für eine gefährliche Entwicklung, bei der nur noch wenige große, globale Sprachen unterstützt werden. Das wäre eine Kulturverarmung durch die Hintertür. Das Gleiche gilt übrigens auch für die plattdeutsche Sprache, die als Regionalsprache erst noch die passenden Programmiererinnen und Programmierer finden muss. Dieser Bereich fehlt in dem Antrag. Da müssen wir nacharbeiten. Ich will klar sagen: Die neue Technik bietet viele Chancen, gerade im Ausstellungsbereich und in der Kulturvermittlung. Eine Technikfeindlichkeit ist hier absolut fehl am Platz. Künstliche Intelligenz ist eine Technik, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. In den kommenden Jahren werden die entscheidenden Weichenstellungen in Sachen KI getätigt werden. Also, welche Technik eines Anbieters sich durchsetzen wird, diese Entwicklung muss durch eine gute und nachhaltige Gesetzgebung begleitet werden. Monopole nützen nämlich niemanden. Deswegen müssen wir Sorge dafür tragen, dass die Entwicklungen keine neuen Ungleichgewichte schaffen, also große Sprachen und große Kunstbereiche bevorzugen. Wir wollen keinen KI-Mainstream, sondern die passgenaue Unterstützung der sehr lebendigen Szene in Schleswig-Holstein. Kulturschaffende müssen von ihren Werken leben können und dürfen nicht durch KI kaltgestellt werden. Wie die Kulturszene durch KI unterstützt werden kann, muss konkret benannt werden, bevor wir solche Anträge abstimmen. Allgemeine Formulierungen helfen niemandem. (Jette Waldinger-Thiering) Ich bin auch gespannt, was genau sich Kulturschaffende von KI wünschen, nicht nur die regierungstragenden Fraktionen. Deshalb wäre es echt gut, wenn wir den Antrag in den Ausschuss überweisen könnten, damit wir dort dazu ein Fachgespräch durchführen können – auch im Zusammenhang mit unserem Kulturdialog und unseren digitalen Knotenpunkten. Dort können wir ein Fachgespräch zur Kultur führen und sehen danach, wie wir daraus eine Strategie entwickeln können. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall SSW, vereinzelt SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

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