Serpil Midyatli
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich wirklich sehr, dass wir heute ganz konkret den ersten Schritt gehen können, um die Beschäftigten der Tochtergesellschaft Service Stelle Nord des UKSH in den Tarifvertrag überleiten zu können. Herzlichen Glückwunsch an alle Beteiligten, aber vor allem an GdS und ver.di, dass Sie das mit dem Betriebsrat möglich machen. (Beifall SPD und FDP) Es geht um faire und gerechte Löhne, es geht darum, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Beschäftigten zu stärken, es geht darum, die Fachkräfte beim UKSH zu halten, und vor allem geht es darum, das Ende der Zweiklassenbeschäftigung einzuläuten. Genau darum geht es heute, verehrte Kolleginnen und Kollegen. (Beifall SPD, FDP, vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und SSW) Ich war beim Fachgespräch nicht dabei; denn ich war in der vergangenen Woche – den entsprechenden Termin hatte ich schon zuvor bestätigt bekommen – mit den Kolleginnen und Kollegen von der Gewerkschaft bei der Service Stelle Nord, der Servicekräfte im UKSH in Lübeck, unterwegs. Das war wirklich sehr beeindruckend. Ich kann hier vielleicht stellvertretend Monika Heinold, aber auch Ihnen, liebe Kolleginnen und (Serpil Midyatli) Kollegen, sagen: Es ist Wahnsinn, wie engagiert und mit wie viel Leidenschaft die Beschäftigten bei der Service Stelle Nord Tag für Tag im Einsatz sind. Die Kollegen, die mit mir gelaufen sind, haben gesagt: Das sind aber lange Wege heute, und es sind viele Schritte für Sie. – Darauf entgegnete die Angesprochene: Nein, nein. Ich gehe jeden Tag circa 20.000 Schritte; dies schaffe ich jedes Mal. – Das zeigt bereits, wie groß der Einsatz ist. Ich konnte dort aber auch sehr eindrücklich erfahren, was es für die Beschäftigten bedeutet, in diesen zwei Systemen tätig zu sein, beispielsweise für eine Hauswirtschafterin und deren Kolleginnen und Kollegen, wenn sie das vorbereitete Essen verteilen und dabei nicht an den Vorgesprächen teilgenommen hatten, nicht der direkten Patientenübergabe beigewohnt hatten. Es wurde klar, was es bedeutet, vor der Tür zu warten, um dann hinterher von einer weiteren Person wieder die gleichen Instruktionen zu bekommen, die kurz zuvor im selben Raum gegeben worden waren. All das behindert natürlich die Arbeit der Beschäftigten, und tagtäglich wird klar, dass es auch ein bisschen wehtut, wenn man nicht zu einer Gesamtbelegschaft dazugehört. Neben gerechten Löhnen und Gehältern geht es also auch darum, einen respektvollen Umgang miteinander zu haben. Und dies muss, finde ich, auch heute im Vordergrund stehen. Wir hatten hier bereits im Februar 2024 einen entsprechenden Antrag gestellt, und ich erinnere daran, dass ich auch bereits im vergangenen Jahr eine Kleine Anfrage gestellt hatte, in der ich auf den Koalitionsvertrag aufmerksam gemacht habe. Aber die Antworten der Landesregierung wie auch die Briefe, die ich von den Fraktionsvorsitzenden darauf erhalten hatte, gingen noch nicht in die Richtung, dass man diesen Schritt miteinander würde gehen können. Deswegen freue ich mich ganz besonders, dass es hier tatsächlich dazu gekommen ist. Ich hätte nicht gedacht, dass wir das schon so schnell gemeinsam auf den Weg bringen, und freue mich, dass wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten hier tatsächlich überzeugen konnten. (Ole-Christopher Plambeck [CDU]: Die Gewerkschaften haben uns überzeugt!) Ich möchte mich nun aber, wie gesagt, ganz herzlich – zu den Gewerkschaften komme ich jetzt gleich – bei den Beschäftigten, bei der GdS und bei ver.di bedanken. Diese beiden Gewerkschaften machen diesen Schritt heute tatsächlich möglich. Ganz besonders aber möchte ich mich bei den Kolleginnen und Kollegen von CDU und Grünen bedanken, die die Gespräche sehr schnell aufgenommen haben, und dabei insbesondere bei Lasse Petersdotter. Ich habe es bereits gesagt: Ich hätte gedacht, dass wir, wenn alles gutgeht, im Juni oder dann nach der Sommerpause so weit wären. Ole Plambeck hatte ja schon nach der Debatte im Februar signalisiert: Serpil, wir sollten uns einmal zusammensetzen; da geht was. Ich bedanke mich aber auch noch einmal ganz herzlich bei dir, Lasse, dass wir tatsächlich schon jetzt, im Mai, miteinander darüber sprechen können – und das nach so vielen Jahren. Denn zur Ehrlichkeit gehört auch, was die Kolleginnen und Kollegen der Service Stelle Nord betrifft – ich habe mit vielen gesprochen, aus allen Abteilungen –: Ich habe zwei Personen davon erzählt und gesagt, dass wir eine gemeinsame Initiative haben und dies auch beschließen werden. Die eine guckte daraufhin sehr erstaunt und sagte dann: Wirklich jetzt? Ehrlich? Nicht, dass ihr das jetzt wieder sagt, und es kommt dann doch nichts. – So viele Jahre nämlich kämpfe man bereits dafür. – Da war also wirklich große Freude. Heute können wir sehr deutlich sagen, dass es gerade in diesen Krisenzeiten wichtig ist, zu betonen, dass Tarifbindung ein zentraler Baustein für gute Arbeit ist. Vor diesem Hintergrund ist es der richtige Zeitpunkt, zu sagen, dass wir als Arbeitgeberinnen – Frau Ministerin Heinold – hier auch als Vorbild fungieren können. Deswegen ist heute ein richtig guter Tag für die Beschäftigten am UKSH, und ich freue mich wirklich sehr: Ihr Kampf hat sich gelohnt, Ihr Einsatz hat sich gelohnt. Ich freue mich auch, dass wir einen kleinen Beitrag dazu leisten konnten. – Vielen herzlichen Dank. (Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und vereinzelt CDU)
