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Christian Dirschauer

SSW 22.05.2024 Sitzungen 20/57

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch als SSW begrüßen wir, dass das Thema Einsamkeit und Isolation wieder auf der Tagesordnung des Landtages ist. Vielen Dank dafür an die SPD, denn wir haben es hier mit einem gesellschaftlichen Problem und einer sozialen Problematik zu tun, die uns nicht nur in Schleswig-Holstein betrifft, sondern die bundesweit zu verzeichnen ist. Gerade nach Corona ist dieses gesellschaftliche Problem stärker in den Fokus der Sozialpolitik gerückt, und das völlig zu Recht. Dabei wurde deutlich, dass wir es mit einem generationenübergreifenden und vielschichtigen Problem zu tun haben und dass die Datenlage zu dem Thema tatsächlich nur sehr gering war. Aus diesem Grund haben wir hier im Landtag vor einem Jahr einen interfraktionellen Antrag auf den Weg gebracht, in dem wir unter anderem gefordert haben, bundesweit differenzierte Daten und Informationen zum Thema Einsamkeit und Isolation zu erheben. Das war im Januar 2022. Wo stehen wir heute? Der vorliegende Antrag der SPD fordert unter anderem die Landesregierung auf, nicht nur Studien in Auftrag zu geben, sondern aktiv zu werden und Maßnahmen zu fördern. Auch ich denke, das ist mittlerweile überfällig. Wir sind zwar immer noch an einem Punkt, an dem wir durchaus weitere Daten benötigen können, um die unterschiedlichen Ursachen von Einsamkeit und Isolation zu erkunden, aber wir brauchen auch aus dem medizinischen Bereich weitere Informationen darüber, wie sich Einsamkeit ganz faktisch auf die Psyche und auf die Physis auswirken kann. Hier haben wir tatsächlich immer noch ein Erkenntnisdefi- (Christian Dirschauer) zit. So detaillierte Informationen haben wir dann doch nicht. Einsamkeit und Isolation sind daher nicht nur sozialgesellschaftlich zu betrachten, sondern sehr stark auch aus medizinischer Sicht. Erst eine umfangreiche Datengrundlage ermöglicht uns, zielgenaue Maßnahmen zu ergreifen und entsprechend zu handeln. Daher haben mich die Antworten der Landesregierung auf meine Kleinen Anfragen, Drucksache 20/1485 und Drucksache 20/1622, schon etwas verwundert beziehungsweise ernüchtert. Daraus geht unter anderem hervor, dass seit Annahme des interfraktionellen Antrags, also seit Januar 2022, nichts erhoben wurde, um an entsprechende schleswigholstein-spezifische Daten über Einsamkeit zu gelangen. Dies gilt sowohl für Einsamkeit im Alter als auch für alle anderen Altersgruppen. Es ist also schlichtweg nichts passiert. Gleichwohl wird darauf hingewiesen, dass im Januar 2024 eine Studie in Auftrag gegeben wurde, die eine Bedarfs- und Angebotsanalyse beinhaltet, um daraus den Bedarf an Maßnahmen gegen Einsamkeit im Alter herzuleiten. Was die Landesregierung hier bisher gemacht hat, ist also eindeutig zu wenig. Wie lange müssen Betroffene denn noch auf entsprechende Maßnahmen warten? Hier muss auch die Landesregierung endlich erkennen, dass wir es mit einem Problem zu tun haben, von dem viele Menschen unterschiedlichen Alters betroffen sind. Mit der Studie, deren Ergebnisse laut Medien dann im Frühjahr 2025 vorliegen, sollen dann auch für Ältere Wege aus der Einsamkeit aufgezeigt werden. Wäre ich heute ein von Einsamkeit und Isolation Betroffener, würde ich mich bei der Landesregierung für genau nichts bedanken. Denn es ist tatsächlich nichts passiert. Die Landesregierung muss hier endlich aus ihrem Schneckenhaus herauskommen und muss tätig werden. Das wird ja auch mit dem Antrag der SPD gefordert. Es darf nicht sein, dass wir dieses große gesellschaftliche Problem allein dem Ehrenamt aufbürden. Wir brauchen Hauptamtlichkeit, auch von öffentlicher Seite, die professionell mit dem Thema umzugehen weiß und die bereits frühzeitig die Symptome – nicht nur bei Seniorinnen und Senioren – erkennt. Der Kollege Dr. Garg hat gerade die Dänemarkreise angesprochen. Da funktioniert das ganz gut, ja, sogar sehr gut; da gibt es nämlich eine aktive und aufsuchende Sozialarbeit mit einem entsprechenden örtlichen Netzwerk. Das ist notwendig, und das ist das, was in Dänemark existiert. Gerade für viele ältere Menschen ist Einsamkeit schambehaftet, sodass mit dem Gefühl der Einsamkeit eine große Unsicherheit einhergeht. Die Betroffenen müssen aus ihrer Situation herausgeholt und aktiv begleitet werden. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, genauso wichtig ist es, präventiv zu agieren und Einsamkeit und Isolation gar nicht erst aufkommen zu lassen. Die Erhebung entsprechender Daten muss fortgeführt werden – ja. Aber wir können auch nicht so tun, als gebe es keine Informationen darüber – auch das haben wir schon gehört; da stimme ich mit den Kollegen Garg und Birte Pauls überein. Es müssen insoweit endlich Maßnahmen und echte Hilfsangebote in Gang gesetzt werden. Hier hat Schleswig-Holstein, auch im Vergleich zu anderen Ländern, bereits viel zu viel Zeit verloren. Einsamkeit und soziale Isolation sind jedoch nicht nur bei älteren Menschen zu verzeichnen – das haben wir gehört –, sondern auch bei jungen Menschen und bei Kindern ist Einsamkeit mittlerweile wohl weiter verbreitet, als wir alle vermuten. Auch hier sind die Gründe sicherlich unterschiedlich. Ein Zusammenhang zwischen Kinderarmut und sozialer Isolation lässt sich an dieser Stelle wohl nicht leugnen, sodass wir auch hier dringend einen Schwerpunkt setzen müssen. – Herzlichen Dank. (Beifall SSW, FDP und vereinzelter Beifall SPD)

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