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Dr. Bernd Buchholz

FDP 22.05.2024 Sitzungen 20/57

Schöne Anmoderation! – Zuruf FDP: Er kann Nachrichtensprecher werden!) Einsamkeit ist das subjektive Gefühl, bei dem die eigenen sozialen Beziehungen nicht den persönlichen Wünschen und Bedürfnissen entsprechen. Es betrifft Menschen aller Altersgruppen und kann ganz vielfältige Ursachen haben. Dabei ist das Risiko, im Alter einsam zu werden, zwar nicht signifikant höher als bei jüngeren Menschen, doch ältere Menschen – der Kollege Kalinka hat es vorhin angesprochen – haben größere Schwierigkeiten, aus dieser Einsamkeit wieder herauszukommen. Insbesondere die sozialen Medien verleiten oft zu falschen Gesellschaftsbildern, falschen Vorstellungen und irrationalen Vergleichen mit anderen, die gerade junge Menschen sich einsam, sich klein fühlen lassen. Wir haben es also mit einem Phänomen zu tun, das sehr komplex und vielschichtig ist und leider insbesondere infolge der Isolation und den leider notwendigen Kontaktbeschränkungen während der Pandemie noch zugenommen hat. Der Landtag Nordrhein-Westfalen hat sich deshalb zwischen Mai 2020 und März 2022 im Rahmen einer Enquetekommission mit dem Thema Einsamkeit befasst. Im Rahmen dessen wurden viele Befragungen und Studien als Basis durchgeführt, weil man auch in NRW aus der Versorgungsforschung genau weiß: Je besser die Datenlage, je spezifischer die Zielgruppe, desto wirksamer sind die darauf individuell angepassten Maßnahmen. Deshalb ist es genau richtig, dass die Landesregierung die Universität zu Lübeck mit einer Studie zu diesem wichtigen Thema beauftragt hat. Ich habe mich sehr darüber gefreut, als ich das gelesen habe, unter anderem auch deshalb, weil ich den einen Studienautor, Professor Jost Steinhäuser, sehr gut kenne. Er ist auch unter Studierenden sehr beliebt. Er hat wirklich eine tolle Herangehensweise im Bereich der Versorgungsforschung, und ich glaube, mit ihm als Koautor dieser Studie wird es spannende Ergebnisse für Schleswig-Holstein geben. Eine landesspezifische Studie zur Verbreitung, zu den Ursachen und den Lösungsansätzen von Einsamkeit schafft die Grundlage, um spezifische Lösungsansätze in Schleswig-Holstein zu entwickeln und die bisherigen Maßnahmen zu verbessern. Es gibt viele gute Ansätze, wie Einsamkeit bekämpft werden kann. Der Kollege Kalinka hat es angesprochen: Es gibt 15 Mehrgenerationenhäuser, die Begegnungs‑, Präventions- und Unterstützungsangebote für alle Altersgruppen anbieten. Es gibt etwa 70 Dorfkümmerer, die in ländlichen Gebieten aktiv sind und für die das Sozialministerium nun eine Stelle für Vernetzungsförderung und Fortbildungen auf den Weg bringt. Außerdem gibt es das tolle Landesnetzwerk seniorTrainer_in, das Anlaufstellen und Verantwortungsrollen für ältere Menschen bietet. Darüber hinaus unterstützt die Landesregierung die Bundestrategie gegen Einsamkeit mit ihren detaillierten und breit aufgestellten Analysen und Maßnahmen. Zentrale Instrumente sind hierbei das Kompetenznetzwerk Einsamkeit und das Pilotprojekt Einsamkeitsbarometer. Ein weiterer innovativer Ansatz ist zum Beispiel das Programm zur aufsuchenden Unterstützung in Bezug auf die Nutzung digitaler Medien und den Netzwerkausbau. Hier arbeiten Verbände, Vereine, Kommunen und Kreise zusammen, um digitale Kompetenzen zu fördern und soziale Netzwerke zu stärken. Es ist wichtig, dass auch in Schleswig-Holstein diese Initiativen mitgetragen und die Umsetzung auf Landesebene vorangebracht wird. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Thema Einsamkeit hat viele Ursachen und bedarf sehr komplexer Lösungen. Lassen Sie mich zum Schluss noch einen Appell auch des Kollegen Kalinka aufnehmen: Das Thema Einsamkeit ist eines, das sicher auch institutionell angegangen werden muss. Nichtsdestotrotz möchte ich an dieser Stelle sagen: Wir haben auch bei anderen, verwandten Themen wie der Anfrage zu Suiziden, aber auch bei Fragen der psychischen Gesundheit darüber gesprochen. Es geht um uns alle als Gesellschaft. Es geht darum, dass wir aufeinander achtgeben und auch dafür verantwortlich sind, dass es anderen Menschen nicht schlecht geht, dass sie nicht einsam werden, dass sie nicht in Einsamkeit hineingeraten. Dieser Appell gehört in der gesamten politischen Debatte genauso dazu. – Ich bedanke mich herzlich für die Aufmerksamkeit. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP, SSW und vereinzelt CDU)

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