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Werner Kalinka

CDU 22.05.2024 Sitzungen 20/57

Frau Präsidentin, vielen Dank. – Einsamkeit lässt sich meistens nicht mit einer Maßnahme begegnen. (Beifall Christopher Vogt [FDP]) Einsamkeit kann komplex sein, kann verschiedene Ursachen, aber auch verschiedene Hilfemöglichkeiten haben. Wichtig ist, etwas zu tun, damit man nicht selbst vereinsamt. Meine Mutter sagte, als sie alt wurde: Im Kopp musst du fit blieben. – Für die, die nicht Plattdeutsch können: Im Kopf muss man fit bleiben. Man muss dabei sein, man muss sich am Gespräch beteiligen, sich dem Geschehen zuwenden, auch wenn man körperlich eingeschränkt sein sollte. Körperliche Einschränkungen sind ein erhebliches Risiko, einsamer zu werden. Man ist nicht mehr so mobil, ist auf Hilfe angewiesen, man ist häufiger allein. Wichtig ist, dies zu wissen, dies zu erkennen und etwas dagegen zu tun. Durch das Gespräch, das Telefonat, den Besuch, Lesen, Teilhabe am Geschehen, Termine nach Hause zu verlegen, wenn man es kann – das alles kann hilfreich sein –, oder sich auf etwas zu freuen. Sich Ziele zu setzen, ein Konzert, ein Highlight zu setzen – das alles mag manchem selbstverständlich sein. Für den Menschen aber, der beeinträchtigt ist, ist dies alles andere als der Fall. Nicht immer ist das alles möglich, deshalb ist gegebenenfalls professionelle Hilfe wichtig. Wir haben es in unserem Antrag formuliert: Wohlfahrtsverbände, Vereine, Verbände, Kirchen, Seniorentrainer, Mehrgenerationenhäuser, Wohngemeinschaften, Seniorenbeiräte, Familienzentren, Kompetenzzentren und Gemeindeschwester. Der Gedanke an eine Gemeindeschwester vor Ort ist gut; wir haben dies in Anhörungen gehört. Die Gemeindeschwester, wie wir sie früher im Land gehabt haben, war die gute Seele vor Ort. Eine Vernetzung ist das Beste bei der Geschichte. Das Land fördert jetzt die Koordination der Gemeindeschwesterangebote. Alle Hilfsangebote zusammenzuführen und optimal nutzen zu können, das ist das Ideale. Mehr an Gemeindeschwestern zu haben, muss allerdings auch finanzierbar sein. Wir können nicht bei jedem Thema, das wir haben, sagen: Es geht alles. – Es geht eben nicht alles. (Zuruf Birte Pauls [SPD]) Einsamkeit ist keine Frage des Alters. Es gibt Einsamkeit am Computer, es gibt Einsamkeit ohne Partner, es gibt Einsamkeit in Gesellschaft. Auch erfolgreiche Menschen können einsam sein. Viele kennen den Spruch: Es wird einsam um ihn. – Auch das gibt es in der Politik. Insofern ist Einsamkeit ein breit gefächertes Feld. Corona hat viel Einsamkeit gebracht, aber auch gezeigt, dass man sie häufig wieder überwinden kann. Der weitaus größte Teil der Menschen ist nicht einsam – auch das ist festzuhalten –, jedenfalls nach den Befragungen und Studien, die bundesweit vorgenommen worden sind. Aber wenn nur 10 bis15 Prozent der Menschen sind, die sagen, sie fühlten sich oder seien einsam, ist das eben kein persönliches Problem, sondern ein gesellschaftspolitisches, das jeden betreffen kann. Es ist ja auch im Altenparlament ständig ein Thema. Die Hilfestrategie des Bundes nehmen wir gern an; wir haben das im Antrag zum Ausdruck gebracht. Die Studie der Uni Lübeck wird eine gute Möglichkeit sein, dieses Thema weiterzuentwickeln, weiter zu erforschen. Ich messe dem durchaus eine hohe Bedeutung bei. (Beifall CDU und vereinzelt BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN) Meine Damen und Herren, ich nenne noch einen Aspekt. Es ist bedrückend, wie viele Menschen einsam sterben und zum Teil erst Wochen später gefunden werden. Das ist ein Thema, auf das wir noch etwas genauer schauen sollten. Ich habe dazu einige Zahlen gehört – das kann einen nur erschrecken. Mit unserem Antrag umreißen wir das von mir Gesagte. Wir werden das weiter in die Arbeit einfließen lassen. Ich bitte um Zustimmung für unseren Antrag. – Danke für die Aufmerksamkeit und der Frau Präsidentin für die wohlwollende Behandlung. (Beifall CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und SSW)

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