Lars Harms
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben damals in der Zeit der Küstenkoalition die Landesentwicklungsstrategie ins Leben gerufen. Ich erinnere mich noch gut und vor allem gerne an den Prozess. Wir haben mit einem großen Kongress gestartet, Regionalkonferenzen durchgeführt und Workshops abgehalten. Außerdem haben wir neben den offiziellen größeren Formaten noch eine Vielzahl von Gesprächen mit Einzelpersonen geführt und ein Beteiligungsverfahren im Internet eingerichtet. Was die Landesentwicklungsstrategie ausgemacht hat, war vor allem eines, nämlich die ernst gemeinte und breit angelegte Bürgerbeteiligung. Es ging uns darum, über Wahlperioden hinaus zu denken, lange Planungsprozesse zu koordinieren und dabei die Bevölkerung von Anfang an mitzunehmen. Wir haben damit als erstes Bundesland in Deutschland den Schritt gewagt, die Zukunft des Landes über Wahlperioden hinaus zu denken. Und das liegt eben an Thomas. Die Lösung muss nämlich größer sein als das Problem, hat er immer gesagt. Das zu betonen, ist er wirklich nicht müde geworden. (Beifall Martin Habersaat [SPD]) Unsere Lösung als Koalition damals waren elf Leitlinien: Digitalisierung, Lebensqualität, Bildung, Innovationen und Forschung, Regionen im Wandel, natürliche Lebensgrundlagen, Mobilität der Zukunft, Vernetzung und Kooperation, Zuwanderung – damals schon – und natürlich: moderner Staat und Gesellschaft – das subsumiert man heute immer gern auch unter Digitalisierung. Wir hatten von Anfang an daran gedacht, dass es sich hierbei um einen Prozess in Bewegung handeln sollte, der einmal in der Legislaturperiode überprüft, fortgeschrieben und vor allen Dingen mit den Akteuren im Land neu abgestimmt werden soll, also wieder Kommunikation und Bürgerbeteiligung. Wir hatten wechselnde Mehrheiten mitgedacht und vorgesehen, dass sich die Landesentwicklungsstrategie auch anderen Regierungen anpassen kann. Meine Damen und Herren, wir mussten aber zwei Dinge einsehen: zum einen, dass nachfolgende Regierungen es eben nicht immer gern sehen, wenn ihre Vorgänger ihnen etwas mit auf den Weg geben wollen, zum anderen, dass nachfolgende Regierungen sich viel Mühe geben, etwas schlechtzureden, auch wenn sie lange davon profitieren. (Beifall Thomas Losse-Müller [SPD]) Die Jamaikaregierung hat damals – das muss man so sagen – die Landesentwicklungsstrategie öffentlich zu Grabe getragen, während sie noch die Früchte unserer Arbeit einsammelte. Thomas, wir haben gesät, die anderen haben geerntet, aber damit können wir leben. (Beifall SSW, SPD und Dr. Heiner Garg [FDP]) Für uns als SSW war die Lehre nicht die eines gescheiterten Prozesses, sondern vor allem die einer erfolgreichen Bürgerbeteiligung, und die ist es vor allem, die wir in Zukunft weiter vorantreiben wollen: Bürgerbeteiligung ausweiten, Bürgerbegehren wieder stärken und Bürgerräte einrichten, das wäre doch eine tolle Sache. Thomas Losse-Müller war als damaliger Chef der Staatskanzlei maßgeblich für die Landesentwicklungsstrategie verantwortlich, und der heutige – 4282 Schleswig-Holsteinischer (Lars Harms) sein letzter – Antrag zu einer Entwicklungsstrategie 2040 zeigt seinen Blick auf die Politik: das langfristige Denken, neue Wege gehen, progressiv und gleichzeitig nachhaltig wirken – das wortwörtliche Managen über Wahlperioden hinaus. Einige von uns haben ja schon sehr lange mit dir in verschiedenen Funktionen zusammengearbeitet, und nicht nur unsere Abgeordneten, sondern auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbinden viele gute und lehrreiche Momente mit dir, Thomas. Sie erinnern sich daran, wie es vor nunmehr über zehn Jahren war, als du ihnen in stundenlangen Sitzungen die Zusammenhänge mit der HSH Nordbank, für die du sozusagen über Nacht zum Experten werden musstest, erklärt hast, wie du es geschafft hast, das Auge fürs Detail nicht zu verlieren, während du das große Ganze im Blick hattest. Wir als SSW erinnern uns aber auch daran, dass du auch dahin gegangen bist, wo man Sozialdemokraten traditionell vielleicht nicht erwarten würde. Du hast – jedenfalls nach unserem Kenntnisstand – als allererster Sozi bei der Automatenwirtschaft gesprochen. (Beifall SSW und FDP) Ich weiß nicht, ob das jetzt für dich karriereschädigend ist, aber ich glaube nicht mehr. – Meine Damen und Herren, lieber Thomas, wir erinnern uns auch daran, dass du bei aller fachlicher Expertise auch ein wirklich guter zwischenmenschlicher Partner für uns warst – geduldig, selbstironisch und verlässlich. Abschließend kann ich dir vertraulich verraten, dass du auch da gewirkt hast, wo du es weder vorhattest noch ahnen konntest. Wir haben im SSW eine Arbeitsgruppe, die sich mit innovativen Strategien beschäftigt und sich trifft, um zu diskutieren, wie wir als Partei auch neue Wege gehen können. Sie heißt mehr oder weniger inoffiziell AG Maschinenraum. Als gesamte Fraktion danken wir dir für die letzten gemeinsamen Jahre. Es wird bestimmt der Moment kommen, in dem wir dich als Experten in einer Anhörung benennen können. Da bin ich mir eigentlich ziemlich sicher. Lieber Thomas, spätestens dann sehen wir uns wieder. Vielen Dank für die tolle Zeit mit dir. Du hast hier wirklich eine großartige Leistung vollbracht! (Beifall)
