Dr. Bernd Buchholz
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, das ist ein Antrag von Thomas Losse-Müller, weil er eben immer so ein bisschen drüber ist. (Heiterkeit) Er ist so ein bisschen drüber, irgendwie nicht nur bis zum Horizont, sondern darüber hinaus. Weiterdenken und noch weiterdenken, manchmal auch kompliziert, aber immer mit Anstößen – das macht es so spannend – und mit Themen, die man bis dahin nicht unbedingt alle schon gedacht hatte. Das ist die Stärke dieser strategischen, dieser manchmal visionären Art und Weise, auch mit Landesentwicklungsstrategien – damals 2013, 2014 – den Ball ganz weit zu werfen und dann auch im Nachhinein durchaus die Fehlbarkeit zu sehen. Denn vieles, was in dieser Landesentwicklungsstrategie ausgearbeitet wurde, hat sich als interessant, aber als eben doch gar nicht so entscheidend erwiesen. Anderes ist hinzugekommen, was sich in der Strategie nicht findet und zum zentralen Thema geworden ist. Die weltpolitische Lage, die sich so dramatisch verändert – Pandemien, Ukrainekrieg, aber auch die zentrale Herausforderung einer Energieversorgungssituation – konnte man zum damaligen Zeitpunkt in dieser Dimension gar nicht abschätzen. All das überlagert dann den Prozess einer Landesentwicklungsstrategie, weshalb es vielleicht für ein Parlament – deshalb sind wir auch gegen den Antrag, lieber Thomas, damit musst du leben – (Heiterkeit FDP und SSW) eben doch ein zu weit geschlagener Horizont ist. So eine visionäre, 15‑Jahre-im-Voraus-Thematik angucken zu wollen – die gehört dann in der Tat in einen Thinktank, der darüber nachdenkt, was danach noch kommen sollte, und nicht in das Programm, das man aus politischen Gründen – Kollege Petersdotter hat es gesagt – in den nächsten fünf Jahren abzuarbeiten hat, statt an der Stelle mit dieser Problematik unterwegs zu sein. Insoweit: Ja, nee – wir werden den Antrag ablehnen. Aber der Anstoß dazu, über die Dinge etwas längerfristig nachzudenken, bleibt in diesem Hause immer mit dem Namen Thomas Losse-Müller verbunden. Und etwas anderes bleibt für mich mit Thomas Losse-Müller verbunden – das muss ich an dieser Stelle sagen –, denn heute vor zwei Jahren haben wir zusammen in einem Wahlkampf gestanden, da war ein Thomas Losse-Müller vor allem gegen drei Leute unterwegs, die einer Jamaikakoalition angehörten. Er war quasi im Alleingang gegen den Rest unterwegs. Der Arbeiterführer Lars Harms hatte an der Seite sowieso schon alle anderen Sachen eingesackt. Da habe ich – das muss ich sagen – einen extrem hohen Respekt entwickelt für einen Mann, (Dr. Bernd Buchholz) der sich in einer solchen Situation der Auseinandersetzung stellt, der seine Position vertritt, der auch nicht klein beigibt – wenn er sieht: in diesem Auditorium hier geht es vielleicht etwas anders lang –, sondern der geradlinig ist, und auch beim UV Nord über das Tariftreuegesetz reden will, obwohl ihn gar keiner danach gefragt hat. (Beifall FDP, SSW und vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – vereinzelt Heiterkeit) Das ist eine Herangehensweise, von der man sagen muss: Das macht ihn aus. Großer Respekt für diese Zeit und eben auch für die letzten zwei Jahre hier! Denn uns geht dieses Strategische vielleicht ab und an in der parlamentarischen Arbeit mal ab. Deshalb finde ich auch, wenn jemand wie Thomas Losse-Müller heute geht, muss er nicht darüber nachdenken, ob sich in diesem Haus irgendwann einmal – eines Tages, wenn er nicht mehr ist – irgendeine Präsidentin oder irgendein Präsident an ihn erinnert. Sondern heute schon kann man sagen: Wenn einer nach so kurzer Zeit und vorher in seiner Zeit als Chef der Staatskanzlei in diesem Haus Spuren hinterlassen hat – und das hat Thomas Losse-Müller –, dann hat er wahnsinnig viel für dieses Land, für dieses Parlament erreicht, und da sage ich Dankeschön für uns alle. – Herzlichen Dank. (Anhaltender Beifall)
