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Jette Waldinger-Thiering

SSW 22.03.2024 Sitzungen 20/56

Sehr geehrte Landtagspräsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich weiß gar nicht, wie viele Reden wir jetzt schon zum Thema Schwimmunterricht gehalten haben. Ich kann aber immer wieder sagen, dass der SSW weiterhin fordert, dass jedes Kind in Schleswig-Holstein flächendeckend die Möglichkeit und den Zugang zu qualitativem Schwimmunterricht erhalten soll. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Schulträger und Träger von Schwimmhallen finanziell und strukturell unterstützt werden, um die effektive und nachhaltige Umsetzung des verbindlichen Schwimmunterrichts zu gewährleisten. Die Zahlen, die dem vorliegenden Bericht zu entnehmen sind, zeigen, dass immerhin fast die Hälfte aller Kinder in Schleswig-Holstein zu Beginn der 4. Klasse das Schwimmabzeichen Bronze erlangt hat. Das heißt: Obwohl das Kursprogramm in den Schwimmhallen wie auch die zeitlichen und finanziellen Ressourcen der Familien weiterhin deutlich reduziert sind, haben diese Kinder ein außerschulisches Schwimmangebot nutzen können. Das ist erst mal die positive Bilanz. Da wir aber immer noch tausende Kinder im Land haben, die in der 4. Klasse nicht schwimmen können, müssen die Zusammenarbeit und die Synergieeffekte zwischen Schwimmstätten und Vereinen sowie Schulen ausgebaut werden. Nur über den Schwimmunterricht während des verpflichtenden Schulbesuchs ist die Chancengleichheit und regionale Gerechtigkeit in Bezug auf das Erlernen von Schwimmkompetenzen wirklich gesichert. Obwohl der Lehrplan Sport für die Grundschule Schwimmenlernen als verbindlich vorsieht, kriselt es immer noch in der Umsetzung. Die Hauptgründe dafür sind, dass es entweder keine Schwimmhallen in der Nähe gibt, dass keine Hallenzeiten zur Verfügung stehen, die Transportkosten zur Schwimmhalle nicht von der Schule übernommen werden können oder dass keine qualifizierten Lehrkräfte vorhanden sind. Hierzu wurde auch der sehr pragmatische Vorschlag gemacht, eine Schwimmlehrkraft in einer Schwimmstätte anzustellen und als Vollzeitstelle maximal und effektiv über den Tag für Schulklassen und öffentliche Kursangebote zu nutzen. Aber selbst, wenn es an einigen Stellen genug Schwimmlehrkräfte gibt, es aber an Wasserflächen und Zeiten mangelt oder umgekehrt, ist die Herausforderung, beide Kriterien zu erfüllen, groß. Beispielsweise wurden noch vor einigen Jahren in Kiel Schwimmkurse ab vier bis fünf Jahren in der Schwimmhalle Gaarden, dem Lessingbad, in der Uni-Schwimmhalle und in der Schwimmhalle Schilksee angeboten. Heute konzentriert sich das Kursangebot auf das Hörnbad, die Uni-Halle und einige kleine Vereine und Becken im Stadtgebiet. Es ist nur mit viel Glück und langen Wartelistenzeiten möglich, vor der Einschulung der Kinder einen Kurs zu ergattern. Wir müssen die Städte und Kommunen darin unterstützen, ihre Schwimmstätten zu erhalten und zu modernisieren, um flächendeckende Schwimmmöglichkeiten für alle sicherzustellen. (Jette Waldinger-Thiering) Ich möchte ein paar Punkte meines Kollegen Martin Habersaat aufgreifen. (Martin Habersaat [SPD]: Immer gut!) – Immer gut. Wir müssen wirklich einmal einen Faktencheck machen. Woran liegt es? Den Vorschlag mit der Erhöhung der FAG-Mittel finde ich richtig. In meinem Kreis Rendsburg-Eckernförde ist es schwierig, die Mittel aufzubringen, um den Transport zu bezahlen, wenn die Schule dafür kein Geld hat. Ich habe in einem Flächenkreis wie Rendsburg-Eckernförde in Ascheffel keine Schwimmhalle. Nein, die ist in Eckernförde, oder ich muss nach Rendsburg, und das kostet Geld. Da gibt es auch keinen funktionierenden ÖPNV, in den ich mich mit den Kindern hineinsetzen kann, um hinzufahren. Wir müssen uns echt mal ein bisschen ehrlich machen und die Probleme und Herausforderungen definieren. Dann müssen wir in die Umsetzung gehen. Es nützt nichts. Wir werden ja bestimmt in der nächsten Landtagstagung noch über die Schwimmfähigkeit der Sechstklässler reden. Das ist auch okay so, weil dann nach dem Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule entdeckt wird: Okay, wir haben hier Kinder, die haben in der Grundschule keinen Schwimmunterricht gehabt, wie machen wir das denn jetzt eigentlich in der 6. oder 7. Klasse? Das heißt: Da sind massive Lücken. Ich finde, schwimmen gehört zu Schleswig-Holstein, dem Land zwischen den Meeren. Wenn man hier an der Kiellinie entlang geht, sieht man, dass bald wieder Anbaden ist. Insofern hoffe ich, dass alle Kinder in Schleswig-Holstein die Möglichkeit haben, einen Schwimmkurs zu belegen. Das ist nicht nur gut für die Gesundheit, es ist auch für die Lernfähigkeit, für das Lesen und Schreiben super wichtig. (Beifall SSW und SPD)

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