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Jette Waldinger-Thiering

SSW 21.03.2024 Sitzungen 20/55

Kære fru præsident! Kære kollegaer! Das müssten Sie mittlerweile schon übersetzen können: Liebe Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! – In der Europäischen Union gibt es neben den 24 Amtssprachen über 60 Regional- oder Minderheitensprachen, die von rund 40 Millionen Menschen gesprochen werden. Viele dieser Sprachen sind jedoch akut bedroht. Wir wissen: Mit jeder Sprache, die ausstirbt, verschwindet ein Stück Kul- (Jette Waldinger-Thiering) tur. So stirbt aber auch Stück für Stück die kulturelle Vielfalt Europas. Nicht alle Staaten Europas setzen sich in gleichem Umfang für die Förderung der Sprachenvielfalt ein. Es ist auch nicht immer leicht. Wie fördert man eine Sprache, die keine einheitliche Schriftsprache hat, oder eine Sprache, die nur von einem kleinen Sprecherkreis in einer kleinen Region gesprochen wird? – Es braucht detailliertes Wissen über die Minderheiten, ihre Sprachen und auch ihre Herausforderungen. Hier wäre eine europäische Institution zur Förderung der Sprachenvielfalt von großem Nutzen. Ich möchte widersprechen: Den skal ikke ligge i Flensborg. Den skal ligge enten i Bredstedt, eller den skal ligge i Slesvig eller for min skyld også meget gerne i Eckernförde. (Beifall SSW, Uta Wentzel [CDU] und Marc Timmer [SPD]) Dort gäbe es nämlich die Möglichkeit, Forschungsmittel einzuwerben, um Sprachen und Kulturen zu erforschen, aber eben auch im Konkreten zu helfen, Best-Practice-Projekte von einer Sprache und Volksgruppe auf eine andere zu übertragen. Ich begrüße zudem die Idee, diese EU-Institution in unserem dänisch-deutschen Grenzland anzusiedeln. Wir sind eine Region mit großer Sprachenvielfalt, die als positives Beispiel für andere Regionen dienen kann. Zudem haben wir mit dem ECMI und der FUEN schon zwei Institutionen, die über sehr große Kompetenzen und Netzwerke im Bereich der Minderheiten verfügen. Allerdings möchte ich hier auch kritisch bemerken, dass die EU-Kommission unter anderem mit der Abweisung der MSPI-Initiative deutlich gemacht hat, dass Minderheitenpolitik sie nicht interessiert. Meine Hoffnung liegt jetzt bei der im Juni neu zu formenden EU-Kommission, endlich Taten sprechen zu lassen und die Rechte der nationalen Minderheiten umfassend zu schützen. Ein erster Schritt hierfür ist die Ernennung eines Minderheitenkommissars. Nichtdestotrotz zeigt der Bericht zur Charta der Regional- und Minderheitensprachen, dass auch wir in unserer Region weit davon entfernt sind, unsere Minderheiten- und Regionalsprachen ideal zu fördern. Schauen wir uns den Bericht an, so wird deutlich, dass die Minderheiten, Volksgruppen und Sprachen zwar verschiedene sind, sie jedoch alle ganz ähnliche Probleme haben: Es geht um Bildung, Anerkennung, Langfristigkeit und Sichtbarkeit. Es geht darum zu erkennen, dass Sprachenvielfalt nicht nur ein Nice-to-have ist, sondern konkretes Handeln erfordert, um diese Vielfalt zu schützen und zu fördern. (Beifall Dr. Heiner Garg [FDP]) Minderheiten- und Regionalsprachen müssen in Medien, Verwaltung und im Ausbildungssystem einen Platz haben. Besonders der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss erkennen, dass mediale Inhalte in Minderheitensprachen keinen Ausschalteffekt haben. Sie fördern nämlich das Interesse und besonders das Bewusstsein der Menschen für die Vielfältigkeit ihrer eigenen Region. Außerdem sind professionelle und vor allen Dingen langfristige Strukturen notwendig. Wir wollen, dass der Mehrwert der Sprachenvielfalt für unsere Gesellschaft durch Minderheiten- und Regionalsprachen erkannt wird und sie zu Grundpfeilern der Medien, der Verwaltung und des Bildungssystems werden. Ich freue mich, dass wir in diesem Jahr für eine ganz besondere Sichtbarkeit der Minderheiten im deutsch-dänischen Grenzland sorgen. Die Europeada ist mit ihren mehr als 1.000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen nicht nur ein sportliches Großereignis, sondern auch ein Kultur- und Sprachenfest. Fußball und Sport verbindet, und der kulturelle Austausch zwischen den europäischen Minderheiten verbindet auch. Mit Spielstätten in Nordfriesland, Sydslesvig und Nordslesvig werden die Teams und Zuschauer und Zuschauerinnen das volle Spektrum der in unserer Region lebenden Minderheiten erleben. Es liegt auch im Interesse Schleswig-Holsteins, dass so viele Menschen wie möglich von diesem Großereignis erfahren und die Spiele besuchen. Ich freue mich sehr, das wird wirklich einzigartig. (Beifall SSW, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, vereinzelt CDU, Beifall Birte Pauls [SPD] und Dr. Heiner Garg [FDP]) Ich weiß auch, wenn wir demnächst den Spielplan kriegen, dass es auch für Schulklassen möglich ist, sich dort die Fußballkämpfe anzugucken. Es ist wichtig, dafür Werbung zu machen, damit sich die jungen Leute austauschen können. Ich hoffe, dass viele Schülerinnen und Schüler an der Europeada teilnehmen und sich die Kämpfe angucken. Wir werden – es ist schon gesagt worden – am 15. Juni 2024 zum Knivsberg fahren. Wir sind einige Abgeordnete, die dann auch gern den FC Landtag mit (Jette Waldinger-Thiering) Kühlpads und ein paar Getränken, wenn es denn sein muss, unterstützen wollen. (Heiterkeit Thomas Jepsen [CDU] und Martin Habersaat [SPD]) Ich finde: Gute Minderheitenpolitik ist auch Friedenspolitik. Das benötigen wir in einer Zeit, die so sehr von Krieg geprägt ist. (Beifall SSW, CDU, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN, FDP und Birte Pauls [SPD])

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