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Jasper Balke

GRÜNE 23.02.2024 Sitzungen 20/53

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich würde gern auf das Thema psychische Erkrankungen zurückkommen, was auch der Inhalt dieses Tagesordnungspunkts ist. Ob man richtig krank oder nur psychisch krank sei, ist eine Frage, die einem sehr häufig begegnet, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt – seien es die Angehörigen oder die persönlich Betroffenen. Der Kollege Malte Krüger hat das gerade ausgeführt. Mir ist wichtig zu sagen, dass solche Debatten zu führen, grundsätzlich über dieses Thema zu sprechen – sei es im engen Angehörigenkreis, sei es hier in diesem Hohen Haus –, hilft. Das hilft, zur Entstigmatisierung beizutragen und dieses Thema in die Breite der Gesellschaft zu tragen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, vereinzelt SPD, FDP und SSW) In diesem Sinne bin ich der Landesschülervertretung besonders dankbar für ihr Positionspapier. Es ist richtig, dass sich alle gesellschaftlichen Schichten – seien das Schülerinnen und Schüler, seien es die Lehrkräfte, seien das Kolleginnen und Kollegen im Arbeitsleben, seien das wir als Abgeordnete – mit dem Thema beschäftigen; denn es gibt keinen Unterschied zwischen richtigen Erkrankungen und psychischen Erkrankungen. Wir sprechen über Erkrankungen. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, vereinzelt SPD, FDP und SSW) Das ist ein Thema, das uns alle angeht. Ich wollte mich jetzt hier melden, weil wir gerade auch sehr politisch über das Thema gesprochen haben. Das ist bildungspolitisch absolut richtig. Ich bin froh, dass wir uns darüber weiter im Bildungsausschuss unterhalten werden. Wir sprechen auch im Sozialausschuss über das Thema. Wir hatten das Thema hier schon häufiger. Mir ist an dieser Stelle wichtig, vier Botschaften zu nennen, die, wenn es um die persönliche Ansprache von psychisch Erkrankten oder wenn es um gesellschaftliche Botschaften geht, wir zu diesem Thema eigentlich immer nach vorne tragen müssten. Über diese vier Botschaften gibt es eine sehr gut gemachte Studienlage. Das Ganze, was bei dem Thema psychische Erkrankungen wichtig ist, kann man eigentlich auf vier Botschaften runterbrechen. Die erste Botschaft ist: Psychische Erkrankungen sind normal. Über 50 Prozent der Bevölkerung in Deutschland erkrankt ein oder zwei Mal im Leben an einer schweren psychischen Erkrankung. „You are not alone“, ist die Nachricht, die alle Menschen hören müssen, die vielleicht das erste Mal psychisch erkranken. Man fühlt sich alleine, wenn man das bekommt. Da muss man ganz klar sagen: Ihr seid nicht alleine. Viele andere sind auch betroffen. Viele andere sind nicht betroffen, aber hören euch und sind für euch da. Das ist die erste Botschaft. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP, vereinzelt SPD und SSW) Die zweite Botschaft: Psychische Erkrankungen sind heilbar. Das ist eine gute Nachricht. Psychische Erkrankungen sind keine Erkrankungen, die man bis ans Ende seiner Tage hat. Es gibt Gesprächstherapien, es gibt Medikamente, es gibt gute Dinge, die man machen kann. Man ist ihnen nicht ausgeliefert. Es gibt Dinge, die man tun kann. Wir haben eine gute medizinische Versorgung. Damit gehen natürlich auch viele politische Aufträge einher. Wir haben schon über die Anzahl der Psychotherapieplätze gesprochen. Hier muss natürlich nachgebessert werden. Aber es ist eine gute Nachricht, dass man etwas gegen psychische Erkrankungen tun kann. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP, vereinzelt SPD und SSW) Die dritte Botschaft ist – sie ist, finde ich, ganz wichtig –: Psychische Erkrankungen sind kein Ausdruck persönlicher oder individueller Schwäche. Das ist etwas, was viele Menschen daran hindert, sich überhaupt einzugestehen, dass man vielleicht an einer psychischen Erkrankung leidet. Im Gegenteil: Psychische Erkrankungen sind kein Ausdruck individueller Schwäche, es ist eine Stärke, wenn man in sich hinein hört, wenn man versteht: „Okay, da läuft vielleicht gerade nicht alles so rund, wie ich mir das gewünscht habe. Da ist etwas anders. Ich gestehe es mir ein. Ich gestehe es meinen Angehörigen ein. Ich gestehe es meinen Kolleginnen und Kollegen gegenüber ein. Ich suche mir Hilfe.“ Das ist ein Ausdruck der Stärke. Das muss man nach vorne stellen. Das ist keine individuelle Schwäche. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP, vereinzelt SPD und SSW) Es gibt viele unterschiedliche Gründe, weshalb Menschen psychisch erkranken. Es gibt dazu viele Studien. Es liegt nicht daran, dass man selbst an einer Schwäche leidet. Die vierte Botschaft, aus der auch ein Auftrag an uns als Politik entsteht – wir haben gerade darüber (Jasper Balke) gesprochen –, ist: Man kann etwas für seine eigene mentale Gesundheit tun. Man kann präventiv agieren, und man kann dafür sorgen, dass psychische Erkrankungen überhaupt nicht entstehen. Das ist eine gute Nachricht. Wir alle können dazu beitragen. Wir reden mit unseren Angehörigen. Wir reden mit unseren Freundinnen und Freunden, mit den Arbeitskolleg_innen. Wir geben aufeinander acht. Das ist in dieser Zeit enorm wichtig. Lassen Sie uns gemeinsam dazu beitragen, diese Botschaften nach außen zu tragen, diese Nachricht aus diesem Hohen Haus zu senden. – Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Aufmerksamkeit und für die tolle Debatte. – Herzlichen Dank. (Beifall BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, CDU, FDP, vereinzelt SPD und SSW)

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