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Christopher Vogt

FDP 23.02.2024 Sitzungen 20/53

Liebe Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich verspreche Ihnen, dass ich nach dieser Rede in dieser Woche nicht mehr ans Rednerpult treten werde. (Beifall und Zurufe) – Es kommt darauf an, was von Ihnen noch kommt; Sie haben es in der Hand. Ich bedanke mich bei der Ministerin für den Bericht, in dem viele gute Sachen angesprochen wurden. Es ist aus meiner Sicht eine sehr gute gesellschaftliche Entwicklung, dass das Thema psychische Gesundheit einen immer größeren Raum im Diskurs der Gesellschaft und in der politischen Debatte einnimmt. Malte Krüger hat es schon richtig angesprochen, das sorgt für Aufklärung, für Entstigmatisierung bei psychischen Erkrankungen, die im Laufe des Lebens jeden treffen können. Das muss man sehen. Es ist wichtig, dass sich jeder damit angemessen beschäftigt und das wahrnimmt. Meine Damen und Herren, die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sollte besonders im Fokus stehen. Deswegen bin ich den Koalitionsfraktionen dankbar, dass sie mit ihrem Berichtsantrag das Thema psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern auf die Tagesordnung gebracht haben. Der Impuls – das wurde ja schon gesagt – (Christopher Vogt) kam von den Schüler- und Elternvertretungen und den Schulpsychologen. Ich will aber auch deutlich sagen: Was die Koalition hier mit dem Änderungsantrag der SPD gemacht hat, geht so nicht. (Beifall FDP, SPD und SSW) Man mag das, wenn man gerade eine große Mehrheit hat, für eine Kleinigkeit halten, ich kann Ihnen aber sagen, dass die Mehrheiten in Schleswig-Holstein nach fast jeder Wahl wechseln. Man kann auch einmal wieder in der Opposition landen; ich habe schon verschiedene Konstellationen erlebt. Es war gute Sitte und sollte so bleiben, dass wir bestimmte Spielregeln gemeinsam vereinbaren und uns daran halten. (Zurufe) Es nervt mich, dass wir in fast jeder Ältestenratssitzung über solche Themen sprechen müssen. Das muss nicht sein. Wenn Sie die Gepflogenheiten nicht kennen, schauen Sie sie sich an, aber ersparen Sie uns bitte solche Petitessen, wie wir sie hier heute erlebt haben. (Beifall FDP, SPD und SSW – Unruhe) – Herr Kollege, ich meine das sehr ernst; ich gönne Ihnen eine lange politische Laufbahn, aber ich gönne Ihnen auch, dass Sie Opposition einmal erleben werden, und dann werden Sie das anders sehen. (Beifall FDP, SPD und SSW) Ich sage einmal: Zumindest was das angeht, sind Sie auf einem ganz guten Weg. Meine Damen und Herren, vielen Kindern und Jugendlichen geht es zum Glück gut, vielen geht es auch sehr gut. Aber es gibt heutzutage natürlich viele Faktoren, die die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gefährden können. Einige wurden schon angesprochen, ich will trotzdem noch ein paar Punkte nennen. Zum einen ist da der leider oft falsche oder übertriebene Medienkonsum. Das ist ein zunehmendes Problem. Mobbing, körperliche Gewalt und immer öfter auch Cybermobbing sind ebenfalls zu nennen, wobei Mobbing nicht mit dem Schulschluss aufhört, sondern den ganzen Tag über und im Zweifel auch nachts weitergeht. Das hat also eine ganz andere Dimension, als man das in der Vergangenheit kannte. Schwierige familiäre Situationen: Die Pandemie wurde schon mehrfach genannt, also in Wahrheit zu wenig Rücksicht auf die Jugend an verschiedenen Stellen. Eine ungewisse Zukunft: Auch hier will ich sagen, die Jugend von heute hat auch beruflich so viele Möglichkeiten wie keine Generation vor ihr, aber es gibt auch viele Unsicherheiten, ob es einige Berufe mit Blick auf Künstliche Intelligenz und solche Entwicklungen in Zukunft noch geben wird. Krieg in Europa und die entsprechenden Sorgen und auch das Thema Klimawandel und ähnliche Entwicklungen sind zu nennen. Wir wissen, dass dann, wenn man in den Medien immer nur von Krisen hört, Kinder und Jugendliche anders damit umgehen als Erwachsene und sich zum Teil sehr große Sorgen machen. Meine Damen und Herren, ich möchte an der Stelle ganz kurz einen Vorfall aus meinem Wahlkreis ansprechen, der leider am vergangenen Montag passiert ist: Es gab in Mölln eine unübersichtliche Gefahrensituation, bei der zum Glück nichts Schlimmeres passiert ist. Von dieser Bedrohungslage waren 1.300 Schülerinnen und Schüler betroffen. Ich hoffe, dass alle Schülerinnen und Schüler, viele kenne ich auch, diese Situation gut verarbeiten werden. Ich will an der Stelle noch sagen: Mein großer Dank geht an die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten, an die weiteren Einsatzkräfte und auch an die vielen Lehrkräfte, die die Situation, die sehr schwierig war und die man so noch nicht kannte, sehr professionell gemeistert haben. Vielen Dank dafür. Ich glaube, das war sehr gut. (Beifall FDP, CDU, vereinzelt BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD) Leider sind solche Situationen keine Seltenheit mehr. Gerade gestern erst gab es an einer Schule in Wuppertal einen Amoklauf mit einem Messer, bei dem mehrere Schüler verletzt wurden. Es ist leider eine schlimme Realität, mit der man umgehen muss. Trotzdem müssen wir alles dafür tun, damit Schülerinnen und Schüler ohne Angst in ihre Schule gehen können. Was kann man tun, um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beziehungsweise Schülerinnen und Schülern zu stärken? Aus meiner Sicht sind das vor allem folgende Punkte: Eine angemessene Aufklärungsarbeit über psychische Gesundheit auch in den Schulen durch Workshops, Thementage oder im Unterricht, also Bewusstsein schaffen und Angst nehmen. Sinnvolle Beratungs- und Hilfsangebote schaffen und geschulte Ansprechpartner benennen. Schulpsychologen sind besonders geeignet, aber es gibt sie nicht überall. Deswegen muss man daran arbeiten, dass man flächendeckend Ansprechpartner hat, die entsprechend geschult werden. Angemessene Erholungsphasen und Förderung des sozialen Austausches, Bewegung und Sport, das Thema hatten wir schon. Das halte ich an dieser Stelle auch für außer- (Christopher Vogt) ordentlich wichtig. Und mehr Engagement gegen Mobbing und Gewalt, auch gegen Cybermobbing. Die Eltern- und Schülervertretungen sowie die Schulpsychologen haben in ihrem gemeinsamen Papier noch viele weitere Punkte angesprochen. Ich teile vor allem die Einschätzung, dass die Lehrkräfte von unnötigen Zeitfressern entlastet werden müssen und die Schulleitungen auch von Bürokratie. Das würde sehr helfen, die Arbeitssituation und somit die Stimmung und die Kommunikationsmöglichkeiten an den Schulen zu verbessern. Vielen Dank für diese wichtige Debatte. Ich fand die Debatte wirklich sehr gut, und ich bin dafür, dass wir uns mit diesem wichtigen Thema zu geeigneter Zeit angemessen auch wieder im Ausschuss beschäftigen, um es weiter zu vertiefen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und schönes Wochenende. (Beifall FDP, SSW, vereinzelt CDU, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD)

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